21.03.2018  Anlageskandal mit Container-Investment

P&R sammelte Milliarden von zehntausenden Anlegern ein - und ist jetzt pleite

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Container in New Jersey
REUTERS
Container in New Jersey

Seit Wochen kursieren Spekulationen und Befürchtungen, jetzt scheinen sie sich zu bewahrheiten: Die Graumarktfirma P&R, ein Anbieter von Investitionen in Container mit Sitz in München, ist weitgehend pleite. Wie das Amtsgericht München auf Anfrage von manager magazin online bestätigte, wurden dort für die P&R Container Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH, die P&R Gebrauchtcontainer Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH sowie die P&R Container Leasing GmbH jeweils vorläufige Insolvenzverfahren eröffnet (Az.: 1542 IN 726/18, 1542 IN 727/18 und 1542 IN 728/18). Als vorläufige Insolvenzverwalter wurden nach Angaben des Gerichts der Münchener Rechtsanwalt Michael Jaffé sowie dessen Kanzleikollege Philip Heinke eingesetzt.

P&R bestätigte die Insolvenzen in einer Mitteilung. Die Kanzlei Jaffé Rechtsanwälte, bei der beide Insolvenzverwalter tätig sind, bestätigte die Informationen ebenfalls. Die P&R Transport-Container GmbH sowie weitere Gesellschaften der P&R-Gruppe haben keinen Insolvenzantrag gestellt, teilte die Kanzlei weiter mit.

P&R ist nicht irgendeine Firma am grauen Kapitalmarkt. Die bereits 1975 gegründete Unternehmensgruppe betreibt seit Jahrzehnten das Geschäft mit Containerinvestments als Marktführer und hat während der Zeit eigenen Angaben zufolge Milliarden an Anlegergeldern mobilisiert. Allein in den vergangenen zehn Jahren verkaufte P&R den Angaben auf der Firmenwebsite zufolge Container im Volumen von mehr als sieben Milliarden Euro an Investoren. Gegenwärtig verwaltet die Unternehmensgruppe demnach Stahlboxen im Umfang von 1,25 Millionen TEU (Standardcontainermaß) für etwa 50.000 Investoren. Nach Angaben des Fachjournalisten und Branchenkenners Stefan Loipfinger beläuft sich das Volumen der Anlegergelder, die zurzeit in P&R-Investments stecken, auf etwa 3,5 Milliarden Euro.

Ein Großteil dieses Geldes dürfte angesichts der nun eingetretenen Insolvenz in Gefahr sein. Damit steht dem Markt ein Anlageskandal ins Haus, der auch die spektakulären Fälle der jüngeren Vergangenheit wie Prokon (etwa 75.000 Anleger, rund 1,4 Milliarden Euro Anlagevolumen) oder S&K (rund 11.000 Anleger, mindestens 240 Millionen Euro Volumen laut Anklage gegen die Verantwortlichen vor dem Landgericht Frankfurt) noch bei weitem übertrifft. Auch die Pleite der Magellan-Gruppe aus Hamburg, die ebenfalls im Geschäft mit Container-Direktinvestments aktiv war, erreichte mit 8000 Anlegern und einem investierten Kapital von insgesamt etwa 350 Millionen Euro nicht annähernd die P&R-Dimension.

"P&R droht zum größten deutschen Anlageskandal der jüngeren Vergangenheit zu werden", kommentiert Gerhard Schick, Finanzexperte von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag. Der Fall zeige, dass die derzeitige Gesetzeslage Anleger in Deutschland weiterhin nur ungenügend vor nicht tragfähigen Geschäftsmodellen schütze.

Dabei zeigt nicht zuletzt das Beispiel Magellan, dass der Gau bei P&R keineswegs aus dem Nichts kommt. Warnungen vor den Risiken und der Intransparenz des Geschäftsmodells mit Container-Direktinvestments gibt es vielmehr schon seit Langem. Auch manager magazin online berichtete bereits ausführlich über diese schwer durchschaubare Nische des Geldanlagemarktes, in die private Anleger in den vergangenen Jahren Milliardensummen steckten.

Das Geschäftsmodell erscheint zwar auf den ersten Blick simpel: Die Anleger kaufen P&R die Container ab und lassen sie daraufhin von dem Unternehmen an Containergesellschaften oder Reedereien weltweit vermieten. Nach wenigen Jahren können sie die Stahlboxen dann zu zuvor in Aussicht gestellten Preisen zurückgeben.

Wie es Firmen wie P&R oder auch der vor zwei Jahren gescheiterten Magellan-Gruppe allerdings im Einzelnen jahrelang gelang, im volatilen Schifffahrts- und Containergeschäft die zugesagten Mietauszahlungen sowie Container-Rückkäufe zu leisten, bleibt mitunter selbst erfahrenen Branchenbeobachtern ein Rätsel. Geldanlagekenner Loipfinger etwa stellte schon vor einiger Zeit fest, dass P&R mit Preisen und Mieten kalkuliert, die "deutlich über Markt liegen". Auch die Restwertannahmen, die P&R für gebrauchte Stahlkisten macht, wichen in Fällen, die Loipfinger analysiert hat, von der Realität ab.

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