18.06.2018  Bafin in der Kritik

Die fragwürdige Rolle der Finanzaufsicht im Fall P&R

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Bafin-Chef Felix Hufeld: Hat die Behörde die Prospekte von P&R nicht richtig geprüft?
DPA
Bafin-Chef Felix Hufeld: Hat die Behörde die Prospekte von P&R nicht richtig geprüft?

3,5 Milliarden Euro angelegtes Kapital von rund 54.000 privaten Investoren sind in Gefahr - der Skandal um die insolvente Münchener Firma P&R, die jahrzehntelang Anlegern Investments in Container verkaufte, sprengt alle Dimensionen, die hierzulande beim Thema Geldanlagedebakel bislang bekannt waren.

Vermutlich wird es Jahre dauern, bis dieser umfangreiche Fall vollständig geklärt ist. Geht es nach verschiedenen Beobachtern und Branchenkennern, die sich mit den Ereignissen bei P&R beschäftigen, dann steht allerdings zumindest ein Mitverantwortlicher schon jetzt fest: Es handelt sich um die Finanzaufsicht Bafin.

Ohnehin rückt häufig die Aufsichtsbehörde in den Fokus, wenn Geldanlageunternehmen im größeren Stil Verluste bei ihren Kunden verursachen. Im Falle P&R geht die Kritik über die üblichen Pauschalvorwürfe jedoch hinaus. Wer sich im Markt umhört, stößt vielmehr regelmäßig auf zwei sehr konkrete Nachlässigkeiten, die der Bafin in Sachen P&R angelastet werden. Der Berliner Anlegeranwalt Wolfgang Schirp hält diese Mängel sogar für so gravierend, dass er eine Amtshaftungsklage gegen die Behörde darauf aufbauen will. Damit wiederum dürfte er allerdings wenig Chancen auf Erfolg haben.

Doch der Reihe nach: Bevor P&R vor einigen Wochen in die Insolvenz rutschte, vertrieb das Unternehmen seit den 1970er Jahren Investments in Container an private Investoren. Lange Zeit bewegte sich P&R damit außerhalb der deutschen Finanzmarktregulierung, also im sogenannten grauen Kapitalmarkt. Seit einer Gesetzesänderung, die Anfang 2017 in Kraft trat, musste jedoch auch P&R Verkaufsunterlagen für seine Offerten bei der Finanzaufsicht Bafin einreichen und von dieser genehmigen lassen.

Elisabeth Roegele leitet bei der Bafin den Bereich Wertpapieraufsicht, in dem die Prospekte von Vermögensanlagen wie von P&R geprüft werden.
Bernd Roselieb / BaFin
Elisabeth Roegele leitet bei der Bafin den Bereich Wertpapieraufsicht, in dem die Prospekte von Vermögensanlagen wie von P&R geprüft werden.

Seit Anfang 2017 also hat die Bafin den Anlageangeboten von P&R grünes Licht erteilt. Einer Aufstellung zufolge, die Anwalt Schirp vor einigen Tagen auf einer Veranstaltung in München präsentierte, haben Investoren damit bis zur Pleite im März dieses Jahres noch beinahe eine halbe Milliarde Euro in Containerinvestments von P&R gesteckt, die zuvor von der Finanzaufsicht genehmigt worden waren.

Diese Gelder werden die Investoren nach dem Aus des Unternehmens vermutlich zum weitaus größten Teil nicht wiedersehen. Der springende Punkt ist jedoch: Nach Ansicht von Kritikern wie Anwalt Schirp hätte die Bafin zumindest für diesen Teil der P&R-Anleger den Schaden verhindern können. Die Aufsicht habe bei der Prospektprüfung geschludert, heißt es, und zwar vor allem in diesen beiden Punkten:

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