15.05.2018  Riesen-Anlageskandal nimmt Fahrt auf

Chaos und tausende Phantom-Container bei Pleitefirma P&R

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Container in Newark, USA
REUTERS
Container in Newark, USA

2. Teil: P&R verkaufte alte Container als neu - und solche, die es noch gar nicht gab

Die Folge: P&R verzeichnete ein Umsatzplus von 60 Prozent auf 610,7 Millionen Euro. Rund zwei Drittel dieses Umsatzes war Geld der Anleger und hätte in den Kauf von Containern investiert werden müssen, so die "SZ". Ein Blick in die Bilanz der im schweizerischen Zug ansässigen Firmentochter P&R Equipment & Finance, die für den Erwerb zuständig gewesen wäre, zeige jedoch: In den fraglichen Jahren wurden nicht mehr, sondern weniger Container bestellt. Das Volumen fiel laut "SZ" um 31 Prozent auf 146 Millionen Euro.

So stellt sich die Frage, ob P&R womöglich mehr Container an Investoren veräußert hat, als sich überhaupt im Besitz des Unternehmens befanden. Dem Bericht zufolge könnte P&R 2015 sowie 2016 jeweils mehrere Tausend Container an Anleger verkauft haben, die rein rechnerisch kaum vorhanden sein konnten. Allein für 2015 ist die Rede von mehr als 100.000 derartigen Phantom-Containern.

Doch offen ist nicht nur, ob es alle Container wirklich gab, die von P&R über die Jahre an Anleger vermarktet wurden. Fraglich erscheint vielmehr auch, ob P&R stets jene Container veräußerte, die in den entsprechenden Verkaufsunterlagen angepriesen worden waren.

Bei P&R habe über Jahre "das blanke Chaos geherrscht", schrieb dazu vor wenigen Tagen das "Handelsblatt". Die Zeitung nennt mehrere belegbare Beispiele, in denen sich inzwischen herausgestellt hat, dass Anleger völlig andere Container im Portfolio hatten, als ihnen verkauft worden waren - wenn ihre Behälter nicht sogar schon verschrottet worden waren, wie die Zeitung schreibt.

Mehrfach veräußerte P&R dem Bericht zufolge offenbar Container als Neuware, obwohl sie bereits Jahre alt und entsprechend entwertet waren. Auf der anderen Seite finden sich offenbar zudem Fälle, in denen Anleger Container besitzen, die laut Eigentumszertifikat zum Zeitpunkt des Kaufs noch gar nicht existierten.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Die Behauptung, in der P&R-Gruppe habe Chaos geherrscht, erscheint angesichts solcher Schilderungen vollauf angebracht. Die vielen tausend Anleger des Unternehmens, die von dem wohl größten Geldanlageskandal der deutschen Geschichte betroffen sind, dürften nun gespannt darauf warten, welche Details ihnen Insolvenzverwalter Jaffé als nächstes auftischt. Und darauf, inwieweit die Justiz die Verantwortlichen von P&R für das Debakel zur Rechenschaft zieht.

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