13.07.2017 
Aus Metro wird Metro und Ceconomy

Metro-Aufspaltung auch an der Börse vollzogen

Olaf Koch: Der Metro-Chef feiert den Unabhängigkeitstag - und ist mit Ceconomy auch den Großaktionär Erich Kellerhals los
DPA
Olaf Koch: Der Metro-Chef feiert den Unabhängigkeitstag - und ist mit Ceconomy auch den Großaktionär Erich Kellerhals los

Mit dem Börsenstart zweier unabhängiger Unternehmen ist die Aufteilung von Deutschlands einst größtem Handelskonzern Metro am Donnerstag abgeschlossen worden. Die Aktien des Lebensmittelhändlers Metro mit den Metro-Großmärkten sowie Real werden jetzt an der Börse gehandelt - ebenso wie die Aktien des Elektronikhändlers Ceconomy (mit MediaMarkt und Saturn).

Beide Unternehmen versprechen sich mehr Börsenwert, weil Mischkonzerne wie die bisherige Metro in der Regel an der Börse schlechter bewertet werden als klar fokussierte Unternehmen. "Die neue Metro tritt als klar positionierter Großhandels- und Lebensmittelspezialist an", sagte Metro-Vorstandschef Olaf Koch.

Die Aufspaltung brachte den Anlegern am Donnerstag zunächst jedoch nur einen kleinen Gewinn ein. Die Kurse der beiden neuen Unternehmen summierten sich am Morgen auf 29,245 Euro - ein Plus von 0,2 Prozent gegenüber dem letzten Xetra-Kurs der alten Metro-Aktie.

Das Lebensmittelgeschäft (die im MDax gehandelte Metro-Aktie) unter dem Börsenkürzel B4B kostete kurz nach dem Börsenstart 19,20 Euro je Anteil. Der Elektronikhandel mit dem Kürzel CEC (Ceconomy) wurde mit 10,045 Euro gehandelt.

Aufspaltung vollzogen - Metro-Chef Koch am Ziel

Damit hat sich der Handelsriese Metro in einen Lebensmittel- und einen Elektronikhändler aufgespalten. Das Amtsgericht Düsseldorf trug die Aufteilung am Mittwoch ins Handelsregister ein und räumte damit eine letzte Hürde aus dem Weg. Klagen von Aktionären konnten die Teilung nicht mehr stoppen.

Metro-Chef Olaf Koch ist damit am Ziel. "Ein historischer Tag - für unsere Aktionäre, Mitarbeiter und Kunden", sagte Koch. Die neue Elektronik-Holding Ceconomy feiere ihren "Unabhängigkeitstag", sagte der Chef des Elektronikhändlers, Pieter Haas. Offiziell will Metro-Chef Koch die beiden Teile mit der Aufspaltung schlagkräftiger und für Investoren attraktiver machen, vor allem aber will er damit den langjährigen Streit mit dem Großaktionär Erich Kellerhals über einen juristischen Kniff beenden.

Die alte Metro war seit 1996 an der Börse notiert. Koch hatte die Pläne für das Ende des weit verzweigten Handelsriesen im März 2016 erstmals vorgestellt, nun gehen zwei neue Unternehmen auf die Reise. Es entsteht ein Lebensmittelhändler mit rund 37 Milliarden Euro Jahresumsatz und mehr als 150.000 Mitarbeitern in 35 Ländern, der aus dem bisherigen Konzern herausgelöst wird. Er soll weiter unter dem Namen Metro firmieren.

Für jede Metro-Aktie gibt es eine Ceconomy Aktie dazu

Die Anteilseigner der "alten" Metro sollen Aktien dieser neuen Gesellschaft erhalten. Das Zuteilungsverhältnis beträgt 1:1 - für jede Metro-Stammaktie gibt es eine Stammaktie des Lebensmittelhändlers. Die Großbanken Bank of America / Merrill Lynch und JPMorgan sollen die neue Metro an die Börse begleiten, die dann auch ein Kandidat für das Börsensegment MDax ist.

Koch blieb trotz des Widerstands einiger Aktionäre im Zeitplan: Er hatte angekündigt, dass die Aktien der neuen Metro bis Mitte Juli an der Börse notiert sein sollen.

Europas größter Elektronikhändler Media-Saturn ist Teil der neuen Holding Ceconomy, diese soll als Nachfolgerin der alten Metro ab Donnerstag im MDax gehandelt werden. Sie kommt bislang auf einen Jahresumsatz von rund 22 Milliarden Euro mit 65.000 Mitarbeitern.

Die neuen Konzerne sollen sich nach dem Willen Kochs auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Anleger könnten sich - anders als bei der alten Metro - aussuchen, ob sie sich im Handel mit Lebensmittel oder mit Elektronikgeräten engagieren wollen. Auch Zukäufe würden erleichtert. "Wir erwarten beschleunigtes Wachstum, mehr Effizienz und sind sehr optimistisch, Werte für unsere Anteilseigner zu schaffen", versprach Koch, der auch an der Spitze des neuen Lebensmittelhändlers steht.

Media-Saturn-Chef Haas führt dagegen Ceconomy. Er kündigte an, auch auf Zukäufe zu setzen. Zudem will er die Marge steigern. Analysten hatten der alten Metro vorgeworfen, sie hinke bei der Profitabilität hinter Wettbewerbern hinterher.

"Jetzt muss ich meine Wäsche selbst rausbringen"

Sein Unternehmen gleiche einem Studenten, der seine erste Nacht in einer neuen Wohnung verbringe, die Freiheit genieße - und am Morgen feststelle, dass er nun selbst verantwortlich sei, sagte Haas: "Jetzt muss ich meine Wäsche selbst machen." Ceconomy sei ein Start-up mit einem Milliarden-Umsatz.

Gegen die Aufteilung hatte sich unter anderem Media-Saturn-Minderheitseigner Erich Kellerhals gestemmt. Er fürchtet, dass sein Einfluss durch die neue Holding schwindet. Kellerhals hatte sich juristisch erbittert gegen die Teilung gewehrt, das Amtsgericht räumte nun aber die letzte Hürde ab. Verbliebene Klagen würden auf dem Rechtsweg geklärt und verzögerten die Aufspaltung nicht mehr. Kellerhals bleibt Koch und Haas indes erhalten, seine Investmentgesellschaft Comvergenta kündigte an, Metro und Ceconomy aktiv zu begleiten. Doch bei Ceconomy hat Kellerhals anders als bei Media-Saturn wenig Macht - sein Anteil an der Holding sei verschwindend gering, sagte Haas.

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