10.08.2018 
Rasanter Kursverfall, neue historische Tiefpunkte

Türkische Lira bricht nach neuen US-Strafzöllen um ein Fünftel ein

Türkische Lira in einer Wechselstube: Die Währung hat an einem Tag 19 Prozent an Wert zum Dollar verloren
SEDAT SUNA/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock
Türkische Lira in einer Wechselstube: Die Währung hat an einem Tag 19 Prozent an Wert zum Dollar verloren

Das Drama um den Verfall der türkischen Lira hat am Freitag nochmals kräftig an Schärfe gewonnen: US-Präsident Donald Trump hatte kurzfristig neue Sanktionen gegen die Türkei angekündigt, die Zweifel an der Handlungswilligkeit der türkischen Regierung wachsen. All das hat den Kurs der Lira weiter abstürzen lassen - die türkische Währung hat binnen eines Tages bislang 19 Prozent an Wert verloren.

Kurz nachdem US-Präsident Donald Trump eine Verdopplung der Strafzölle auf Stahl und Aluminium aus der Türkei erklärte, notierte die Lira am Nachmittag bei 6,62 zum Dollar. Bereits am Morgen hatte die Lira nach Äußerungen des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan massiv an Wert verloren.

Denn Erdogan fällt nicht wesentlich mehr ein, als in der Währungskrise sein Land zur Geschlossenheit aufzurufen. "Wir werden den Wirtschaftskrieg gewinnen", sagte Erdogan am Freitag zufolge. Türken sollten Dollar, Euro und Gold in die Landeswährung Lira tauschen. Die kämpferischen Worte und die Tausch-Aufforderung reichten aber nicht aus, um die panische Stimmung an den Finanzmärkten zu beruhigen. Die Landeswährung Lira befindet sich in freiem Fall. Sie verlor zum Wochenschluss zeitweise 18,5 Prozent zum Dollar - das war der stärkste Tagesverlust seit Anfang 2001.

Erdogan nannte die starken Verluste an der Börse - auch Aktien und Anleihen fliegen seit Tagen im hohen Bogen aus den Depots internationaler Investoren - "künstliche Finanzvolatilität". Die Türkei werde eine Antwort darauf finden. "Das ist eine nationale Anstrengung."

Experten machen aber seine Politik für die Turbulenzen verantwortlich. "Der Grund, warum die Währung entgleist ist, ist, dass das Vertrauen in die Wirtschaftspolitik sowohl im In- als auch im Ausland verschwunden ist", sagte Seyfettin Gursel, Wirtschaftswissenschaftler und Professor an der Bahcesehir Universität in Istanbul.

Aussicht auf unabhängige Zentralbank beruhigt Märkte kaum

Auch ein neues Wirtschaftskonzept, das Finanzminister Berat Albayrak am Freitag vorstellte, sorgte nicht für mehr Ruhe an den Märkten. Die Pläne sehen unter anderem eine straffere Geld- und Haushaltspolitik vor. Seit Jahresbeginn hat die türkische Währung mehr als 40 Prozent an Wert eingebüßt, nachdem es schon 2017 um etwa ein Viertel nach unten gegangen war. Das treibt die Inflation immer mehr nach oben.

Albayrak - Erdogans Schwiegersohn - sagte, im neuen wirtschaftlichen Ansatz spiele eine unabhängige Zentralbank eine kritische Rolle. Fachleute bezweifeln jedoch, dass Erdogan die Kontrolle gänzlich aufgeben will. "Im Moment kann ich nicht wirklich glauben, dass die Türkei auf dem Weg zu einer unabhängigen Zentralbank ist", sagte Janis Hübner, Türkei-Experte bei der Dekabank. Erdogan selbst müsse das entscheidende Signal aussenden, dass er die Sorgen der Kapitalmärkte ernst nehme und bereit sei, ihnen das zu liefern, was sie benötigten.

Das wäre etwa eine drastische Erhöhung der Zinsen durch die Notenbank: Hübner sprach sich für fünf Prozentpunkte aus. Derzeit liegt der Leitzins in der Türkei bei 17,75 Prozent. Erdogan bezeichnet sich selbst allerdings als "Gegner der Zinsen" und hatte in der Vergangenheit angekündigt, eine größere Kontrolle über die Geldpolitik auszuüben.

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