08.11.2018 
Container-Anlageskandal weitet sich aus

Im P&R-Skandal ermitteln jetzt auch Schweizer Behörden

Von
Container in einem Hafen in China: Die P&R-Anleger haben Milliarden in die Stahlboxen gesteckt - jetzt drohen immense Verluste.
AP/Wang chun - Imaginechina
Container in einem Hafen in China: Die P&R-Anleger haben Milliarden in die Stahlboxen gesteckt - jetzt drohen immense Verluste.

Im Anlageskandal um die insolvente Münchener Geldanlagefirma P&R haben jetzt auch Schweizer Staatsanwälte Ermittlungen aufgenommen. Wie die Website Investmentcheck.de meldet, ist die Staatsanwaltschaft in Zug in der Sache aktiv geworden. Die Behörde arbeite eng mit der Staatsanwaltschaft in München zusammen, die ebenfalls in dem Fall ermittelt, heißt es. Während in München der Verdacht des Anlagebetruges im Raum stehe, gehen dem Bericht zufolge die Schweizer Strafverfolger allerdings auch einer möglichen Geldwäsche nach, so Investmentcheck.

Hintergrund: P&R hatte jahrzehntelang Investments in Container an Privatanleger verkauft. Im Frühjahr 2018 musste die Unternehmensgruppe zum großen Teil Insolvenz anmelden. Wie sich herausstellte, hatte sich über die Jahre ein Fehlbestand im Umfang von etwa einer Million Containern bei P&R entwickelt. Sprich: Für diese Stahlboxen hatte das Unternehmen zwar Gelder bei Kunden eingesammelt. Die Container wurden jedoch damit nie erworben. Stattdessen verwendete P&R die Kundengelder offenbar, um anderweitig Finanzlöcher zu stopfen.

Insgesamt haben Anleger im Laufe der Jahre mehrere Milliarden Euro in die Investmentofferten von P&R gesteckt. Im aktuellen Insolvenzverfahren geht es um offene Forderungen von Seiten der Investoren in Höhe von etwa 3,5 Milliarden Euro. Betroffen sind insgesamt etwa 54.000 Privatanleger, die sich zum Großteil bereits im fortgeschrittenen Alter befinden.

Die Ermittlungen in der Schweiz kommen nicht von ungefähr: Laut Investmentcheck gibt es nicht nur geschädigte P&R-Anleger in dem Alpenland. Vielmehr befindet sich dort auch der Sitz der P&R-Tochtergesellschaft P&R Equipment & Finance Corp.. Diese Gesellschaft ist im Firmenverbund für den Kauf der Container sowie deren Vermietung an internationale Gesellschaften zuständig. Das heißt: Über diese P&R-Tochter fließen auch sämtliche Gelder aus der nach wie vor laufenden Bewirtschaftung des P&R-Containerbestandes, der aktuell etwa 630.000 Container umfasst.

Für die vielen Tausend Gläubiger sowie für die P&R-Insolvenzverwalter von der Kanzlei Jaffé in München hat die P&R Equipment & Finance Corp. also eine besondere Bedeutung. Allerdings können die Insolvenzverwalter allem Anschein nach nicht ohne weiteres auf das Schweizer Unternehmen zugreifen.

Vielmehr gehören die Anteile an dem Unternehmen dem P&R-Gründer Heinz R., gegen den sich unter anderem die Ermittlungen der Münchener Behörden richten, und der seit Kurzem in Untersuchungshaft sitzt. R. zeigte sich zwar zu Beginn des Insolvenzverfahrens kooperativ. Inzwischen scheint sich dies jedoch geändert zu haben.

Mehr zum Thema