01.06.2018  Raus aus MoneyMap, raus aus Solarisbank

HypoVereinsbank zieht sich aus deutschen Fintechs zurück

Von Heinz-Roger Dohms, finanz-szene.de
Die HypoVereinsbank war in Sachen digitaler Transformation nie besonders laut unterwegs war, wohl aber effektiv. Jetzt zieht sie sich überraschend aus ihren Fintech-Beteiligungen zurück
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Die HypoVereinsbank war in Sachen digitaler Transformation nie besonders laut unterwegs war, wohl aber effektiv. Jetzt zieht sie sich überraschend aus ihren Fintech-Beteiligungen zurück

Während die Wettbewerber in die die entgegengesetzte Richtung steuern, zieht sich die HypoVereinsbank aus ihren Fintech-Beteiligungen zurück. Wie kann das sein, steckt die italienische Mutter Unicredit dahinter?

Peter Buschbeck war in seinem Element. Es gehe darum, "das Leistungsspektrum unserer Girokonten zu erweitern", meinte der Vollblutbanker. Und darum, "den Bedarf unserer Kunden im digitalen Zeitalter auch mit Services abzudecken, die über die klassischen Bankthemen hinausgehen". Durch die Partnerschaft mit dem Berliner Fintech MoneyMap profitierten die Kontoinhaber nun "erstmals in Deutschland von einem automatisierten Vertragshelfer für ihre Haushaltskosten".

Rund ein Jahr ist es her, dass der heute 56-Jährige derart ins Schwärmen geriet. Buschbeck war damals noch Privatkunden-Chef der HypoVereinsbank. Und MoneyMap war das neue Vorzeige-Fintech der Münchner Großbank, mit 46 Prozent hatte sich die Unicredit-Tochter an dem Finanz-Startup beteiligt. Bekannt ist, dass Buschbeck seinen Posten bei der Hypo zwischenzeitlich aufgegeben hat. Was dagegen abgesehen von ein paar Insidern niemand weiß: Nicht nur Buschbeck ist bei der HVB raus. Sondern auch die HVB bei MoneyMap - so besagen es jedenfalls verlässliche Quellen von "Finanz-Szene.de" und "Gründerszene". Und bestätigt wird das Ganze durch einen Blick ins Handelsregister.

Raus aus MoneyMap, raus aus Solarisbank

Die 46 Prozent befinden sich demzufolge jetzt im Besitz von Finleap, dem Berliner Fintech-Builder, mit dem zusammen die HVB den Vertragsmanager ursprünglich aufgesetzt hatte - und dem damit nun gut 90 Prozent an dem Startup gehören. Das Pikante hierbei: MoneyMap ist nicht das einzige Finleap-Venture, aus dem sich die HypoVereinsbank offenbar zurückgezogen hat. Denn wie "Finanz-Szene.de" kürzlich schon berichtete, sollen die Münchner auch ihren 14-Prozent-Anteil an der Solarisbank verkauft haben, angeblich an deren neuen Großinvestor, die spanische Bank BBVA.

Damit hat die HVB binnen kurzer Zeit ihre beiden offenbar einzigen direkten Fintech-Beteiligungen abgestoßen, nur an Finleap selber halten die Bajuwaren noch einen kleinen Stake. Dass stattdessen neue Fintechs hinzugekommen wären, ist nicht bekannt. Im Geschäftsbericht für 2017 findet sich jedenfalls kein Hinweis. Ein Sprecher der HVB schweigt zu alldem, auch bei Finleap will man sich nicht äußern.

Wie kann das sein, dass sich eine der wichtigsten deutschen Banken aus ihren Fintech-Beteiligungen zurückzieht, während die übrige Branche, darunter inzwischen auch die Deutsche Bank, in die entgegengesetzte Richtung steuert?

Wohl Buchgewinn in zweistelliger Millionenhöhe eingefahren

Dazu muss man wissen, dass die HypoVereinsbank in Sachen digitaler Transformation zwar nie besonders laut unterwegs war, wohl aber effektiv. Vergleichsweise früh und konsequent beschnitt sie ihr Filialnetz, als eine der ersten (wenn nicht sogar als erste) bedeutende deutsche Bank setzte sie ernsthaft und angeblich auch durchaus erfolgreich auf Videoberatung. Und bei Finleap - dem heute wichtigsten Player im deutschsprachigen Fintech-Universum - stiegen die Münchner zu einer Zeit ein, als man sich bei konkurrierenden Instituten fragte, ob die Business-Development-Abteilungen überhaupt schon so etwas wie eine Fintech-Strategie entworfen hatten. Das Investment bei der Solarisbank war rückblickend betrachtet sogar ein kleiner Coup. Denn mit dem Weiterverkauf des Anteils an die BBVA dürfte die HVB nach Berechnungen von "Finanz-Szene.de" und "Gründerszene" einen hübschen Buchgewinn in niedriger zweistelliger Millionenhöhe eingefahren haben.

Tatsächlich pflegten die Münchner eine Zeit lang sogar die Rolle des digitalen Vorreiters, so zum Beispiel im Frühjahr 2016, als stolz die Gründung eines neuen Innovationslabors verkündet wurde. Auch die ein oder andere ambitionierte Personalie fällt in diese Zeit, zum Beispiel die Verpflichtung von Stefan Lang, dem heutigen Chief Digital Officer. Allerdings: Das passierte alles noch unter der Ägide des langjährigen HVB-CEO Theodor Weimer, bei dem man manchmal dachte, er sei sein eigener Chef-Fintechisierer - und in dessen Verantwortung auch (allerdings nie öffentlich gemachte) Startup-Investments bei den Samwers oder bei Earlybird fielen, wie "Finanz-Szene.de" im vergangenen Jahr aufdeckte.

HVB war schon früh als Fintech-Investor unterwegs

Weimer allerdings ist inzwischen genau wie Ex-Kollege Buschbeck weg. Nachfolger wurde Anfang des Jahres der vormalige Chef des Corporate- und Investmentbankings Michael Diederich. Die alte Position Diederichs übernahm Jan Kupfer, für Buschbeck kam Emauele Butta, der inzwischen dritte italienische Name im siebenköpfigen HVB-Vorstand. Auch das ist ein Grund, warum Leute, die die Bank gut kennen, raten, bei den Stichwörtern Fintech, Solarisbank und MoneyMap nicht nach München zu schauen - sondern nach Mailand. Also dorthin, wo die Mutter Unicredit sitzt.

In Mailand hat seit Mitte 2016 der Franzose Jean Pierre Mustier das Sagen, einer der angesehensten europäischen Banker. Seit Mustier da ist, wird bei der Unicredit nicht mehr nur vom Sparen geredet, sondern auch tatsächlich gespart, heißt es. Ein Insider sagt, er führe die Bank so, wie man das von einem Fallschirmjäger - genau das war Mustier mal - erwarte. Soll wohl heißen: mit einer gewissen infanteristischen Konsequenz.

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