23.04.2018 
Anleger setzen Milliarden ein

Hedgefonds-Investoren setzen auf steigenden Ölpreis

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Ölplattform in den Nordsee: Wird der Ölpreis weiter steigen?
dpa; Royal Dutch Shell
Ölplattform in den Nordsee: Wird der Ölpreis weiter steigen?

Steigende Rohstoffpreise verunsicherten bereits in der vergangenen Woche die Investoren an der Börse - doch offenbar gibt es zahlreiche Geldanleger, die auf einen höheren Ölpreis hoffen und davon profitieren wollen. Hedgefonds jedenfalls, die auf Rohstoffe spezialisiert sind, haben zurzeit laut Bloomberg die höchsten Zuflüsse seit mehr als einem Jahr.

Seit Anfang des Jahres haben Investoren demnach etwa drei Milliarden Dollar in Rohstoff-Hedgefonds gesteckt. Es ist der höchste Betrag für einen solchen Zeitraum seit dem dritten Quartal 2016, zeigen Zahlen des Datenanbieters eVestment. Die Abflüsse des vergangenen Jahres haben Hedgefonds-Gesellschaften wie Westbeck Capital Management oder Commodities World Capital demzufolge bereits wieder mehr als wettgemacht. 2017 zogen Anleger unterm Strich 680 Millionen Dollar von den Fonds ab.

Gut möglich, dass die Mittelzuflüsse im weiteren Verlauf des Jahres weitergehen, meint eVestment-Research-Chef Peter Laurelli. Die Fonds blieben attraktiv in Zeiten anhaltender Marktvolatilität, sagte er laut Bloomberg.

Voraussetzung für weiteres Anlegerinteresse dürfte vor allem ein weiter steigender Ölpreis sein. Die Hedgefonds-Gesellschaften selbst prognostizieren einen Anstieg des Preises beispielsweise bei der US-Sorte WTI auf mehr als 80 Dollar je Barrel.

Steigende Anleiherenditen treiben Ölpreis

Für einen weiteren Anstieg sprechen verschiedene Faktoren, allen voran die aktuelle Verknappung des Angebots von Seiten der großen Förderländer. "Die Produzenten legen an diesem Punkt im Konjunkturzyklus eine ganz uncharakteristische Disziplin an den Tag", schreibt dazu David Donora, Leiter des Bereiches Rohstoffe bei der Fondsgesellschaft Columbia Threadneedle, in einem aktuellen Kommentar. "Nie zuvor hat der Rohstoffsektor in Zeiten sich stabilisierender oder sogar steigender Preise die Neuproduktion so diszipliniert begrenzt.

So verringere China, der weltweit größte Verbraucher natürlicher Ressourcen, aus ökologischen Gründen das Angebot zahlreicher Rohstoffe, genauer gesagt Kohle, Stahl und Aluminium. Beim Rohöl seien es zudem die Opec-Länder und Russland, die sich 2017 darauf geeinigt hätten, die Ölproduktion um 1,8 Millionen Barrel pro Tag zu drosseln. "Zuvor war die Opec 40 Jahre lang mit ihren Versuchen gescheitert, Russland bei der Reduzierung der Fördermengen mit ins Boot zu holen. Nun sehen wir seit über einem Jahr, dass Russland in diesem Punkt durchaus kooperieren kann", so Donora.

Ein weiterer Faktor, der den Ölpreis künftig womöglich weiter in die Höhe treiben wird, sind nach Ansicht der von Columbia Threadneedle die steigenden Renditen am Anleihemarkt. "Für Rohstoffproduzenten bedeuten steigende Anleiherenditen höhere Kreditkosten", schreibt Experte Donora. "Neue Projekte werden damit weniger attraktiv, und die angebotsseitige Reaktion auf in der Zukunft höhere Rohstoffpreise könnte massiv belastet werden.

Auch Saudi-Arabien dürfte seinen Teil zur künftigen Entwicklung des Ölpreises beitragen. Das Land zählt nach wie vor zu den größten Ölproduzenten der Welt mit entsprechendem Einfluss auf die Preisentwicklung. Saudi-Arabien habe großes Interesse an einem hohen Ölpreis, urteilen Beobachter. Die Rede ist dabei sogar von einem Preisziel bei 100 Dollar je Barrel. Zum einen müsse die Regierung in Riad einen kostspieligen Reformprozess finanzieren. Zum anderen gelte es, demnächst den Börsengang der staatlichen Ölgesellschaft Saudi Aramco über die Bühne zu bringen. Auch dafür kann ein hoher Ölpreis nur hilfreich sein.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Die konsequente Haltung der Erdölförderer sowie weitere Preissteigerungsfaktoren kommen nach Ansicht von Columbia Threadneedle ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, da das weltweite Wachstum in Schwellen- und Industrieländern eine steigende Nachfrage nach wichtigen Rohstoffen mit sich bringe. Auch die Fondsgesellschaft erwartet daher 2018 weiter steigende Rohstoffpreise - unter anderem auch beim Öl.

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