16.04.2018 
App-Kauf vervierfacht Zahl der Kleinkunden

Goldman Sachs macht großen Schritt in Richtung jedermann

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Goldman Sachs in New York: Die Bank arbeitet an der Eroberung des Retail-Geschäftes.
REUTERS
Goldman Sachs in New York: Die Bank arbeitet an der Eroberung des Retail-Geschäftes.

Die US-Bank Goldman Sachs drängt weiter ins Massengeschäft mit Privatkunden. In dem Zuge erwarb die Bank jetzt die Fintech-App Clarity Money, die Anlegern in den USA helfen soll, ihre privaten Finanzen zu optimieren.

Nach Angaben der Bank steigt die Zahl der Kunden, die Goldman im Massengeschäft bereits bedient, damit sprunghaft an: Etwa 350.000 Kunden zählte Goldman bislang in seiner Online-Retail-Sparte "Marcus". Mit Clarity Money kommen auf einen Schlag mehr als eine Million weitere hinzu, so Goldman Sachs in einer Mitteilung.

Dabei waren zuvor schon namhafte Adressen auf die Fintech-App aufmerksam geworden. Zu den Finanziers der für Nutzer kostenlosen Clarity-Money-Anwendung gehörten bislang Häuser wie Citi Ventures oder Soros Capital, berichtet die "Financial Times". Sie statteten das 2016 gegründete Start-up demnach bislang mit 15 Millionen Dollar aus.

Über den Preis, den Goldman Sachs nun für die Übernahme gezahlt hat, machten die beteiligten Firmen keine Angaben. Dem "Wall Street Journal" zufolge liegt er jedoch im hohen achtstelligen Bereich. Clarity-Money-Erfinder Adam Dell - Bruder des PC-Unternehmers Michael Dell - erhält zudem den Status eines Goldman-Sachs-Partners - eine Ehre, die nur selten Bank-fremden Personen zuteil wird, wie es in Berichten heißt. Zwei Dutzend weitere Clarity-Money-Mitarbeiter steigen ebenfalls bei Goldman Sachs ein.

Integriert wird Clarity Money in "Marcus", die Online-Plattform, die Goldman Sachs 2016 zum Einstieg ins Kredit- und Einlagengeschäft mit Privatleuten gestartet hatte. Nach der Finanzkrise war vor allem das traditionelle Geschäft der Bank im Wertpapierhandel stärker reguliert worden, sodass neue Einnahmequellen gesucht wurden. Erstmals in der beinahe 150-jährigen Unternehmensgeschichte öffnet sich Goldman Sachs seither neben dem Wertpapierhandel, dem traditionellen Investmentbanking sowie der gehobenen Vermögensverwaltung über "Marcus" auch dem Privatkundengeschäft mit Leuten von geringerer Finanzkraft.

"Marcus", benannt nach Goldman-Sachs-Gründer Marcus Goldman, agiert in den USA ursprünglich vor allem als Anlaufstelle für Kunden, die ihre Kreditkartenschulden umschichten wollen. Bis Ende 2017 hatte die Sparte bereits 2,3 Milliarden Dollar an Darlehen vergeben, heißt es in Medienberichten. Zudem zählte "Marcus" demnach bis vor Kurzem etwa 350.000 Kunden.

Durch den Erwerb von Clarity Money kommen der Bank zufolge nun allerdings im großen Stil weitere Kunden hinzu. Die Akquisition führe "Marcus" auf einen Schlag mehr als eine Million neue Kunden zu, so Goldman Sachs.

Und dabei soll es längst nicht bleiben: Goldman-Chef Lloyd Blankfein erwartet, dass sich Marcus allmählich zu einem Angebot mit verschiedenen Produkten entwickelt, dass in den kommenden Jahren eine maßgebliche Rolle für den Konzern spielen könne.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Bis 2020 sei ein Kreditwachstum um 13 Milliarden Dollar geplant, heißt es. Marcus solle dann den Plänen der Bank zufolge eine Milliarde Dollar an Erträgen beisteuern, schreibt beispielsweise das "Handelsblatt". Zudem will Goldman Sachs mit Marcus ausgehend von Großbritannien künftig auch den europäischen Markt erobern. Einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zufolge ist der Start in Deutschland der Bank zufolge bislang allerdings noch offen.

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