30.01.2018 
Tesla bringt spezielles Wertpapier

Musk kämpft mit neuem Rezept gegen Kapital-Aderlass

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Tesla-Chef Musk: Neues Rezept zur Geldbeschaffung.
DPA
Tesla-Chef Musk: Neues Rezept zur Geldbeschaffung.

Dass der US-Elektro-Autobauer Tesla laufend Geld benötigt, weiß jeder, der schon einmal einen Blick auf die regelmäßig veröffentlichten Quartalszahlen des Unternehmens geworfen hat: Tesla macht Monat für Monat horrende Verluste, zuletzt errechneten Analysten, dass das Unternehmen 480.000 Dollar verbrennt, und zwar pro Stunde. Einer Umfrage von Thomson Reuters zufolge erwarten die Fachleute zudem, dass Tesla für das Gesamtjahr 2017 einen Verlust von 1,8 Milliarden Dollar bekanntgeben wird, wenn das Unternehmen in einigen Tagen seine Jahresbilanz vorlegt.

Bislang nutzte Tesla vor allem den Aktienmarkt sowie jenen für Wandel- und herkömmliche Unternehmensanleihen, um an frisches Kapital zu kommen. Erst im vergangenen Jahr liehen Investoren dem Autohersteller insgesamt 1,8 Milliarden Dollar, indem sie einen mit 5,3 Prozent vergleichsweise hoch verzinsten Bond zeichneten, der eine Laufzeit bis 2025 hat.

Allerdings nehmen die Vorbehalte an der Wall Street gegenüber dem viel beachteten E-Autokonzern offenbar allmählich zu. Die Firma von CEO Elon Musk stoße auf wachsende Skepsis in Bezug auf die Frage, ob sie künftig weiterhin in der Lage sein werde, ihren Kapitaldienst zu bedienen sowie gleichzeitig die hohen operativen Verluste zu verkraften, schreibt etwa die "Financial Times". Wiederkehrende Berichte über Produktionsprobleme beim großen Tesla-Hoffnungsträger, dem Model 3, mit dem der Konzern ins Massengeschäft einsteigen will, dürften ebenfalls zur zunehmenden Zurückhaltung der Investoren beitragen.

So ist der Schritt, den Tesla nun auf dem Kapitalmarkt geht, möglicherweise zumindest zum Teil aus der Not geboren: Erstmals bringt das Unternehmen ein Wertpapier auf den Markt, das speziell mit Leasingzahlungen besichert ist, die Tesla für seine Flotte verleaster Fahrzeuge erhält.


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Hintergrund: Tesla bietet seinen Kunden an, Autos des Herstellers über eine eigene Firmentochter zu leasen. Laut "Financial Times" entfiel zuletzt etwa 12 Prozent des operativen Umsatzes auf das Leasing-Neugeschäft. Den Großteil machten also herkömmliche Autoverkäufe aus.

Dennoch hat das Leasinggeschäft im Hause Tesla offenbar eine beachtliche Dimension. Laut "FT" stehen derzeit etwa 3,8 Milliarden Dollar (gut drei Milliarden Euro) an Leasingfahrzeugen in der Tesla-Bilanz.

Auf der anderen Seite besteht der Zeitung zufolge derzeit eine große Nachfrage von Seiten der Investoren nach den so genannten Auto-ABS-Papieren ("ABS" = "Asset Backed Securities", also Papiere, die mit Vermögenswerten besichert sind). Das habe die Kosten der Kreditnehmer gesenkt und zu einem erheblichen Anstieg des Emissionsvolumens geführt, so die "FT".

Gute Chancen also für Tesla, die Emission, deren Kupon laut "FT" noch nicht bekannt ist, die jedoch ein Volumen von 546 Millionen Dollar und eine Laufzeit bis 2020 haben werde, am Markt unterzubringen.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Der Zeitung zufolge gibt es allerdings wiederum auch Vorbehalte unter den möglichen Investoren. Der Grund: Einerseits verfüge Tesla über keinerlei Erfahrungen im Management solcher Wertpapiere. Und andererseits bestehe ein erhebliches Klumpenrisiko, weil es sich bei den Leasingfahrzeugen zum weitaus größten Teil um Teslas des Typs Model S handele. Investoren, die Auto-ABS zeichnen, bevorzugen in der Regel breiter gestreute Portfolien, so die "FT".

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