10.01.2018  Anonyme Umfrage

Auto-Bosse sagen Scheitern des Elektroautos voraus

Von Nils-Viktor Sorge
BMWs Elektroauto i3s
BMW
BMWs Elektroauto i3s

Auf Messen und in Interviews bekunden Top-Manager der großen Autokonzerne gern ihren Glauben an die Elektromobilität. Zahlreiche Prototypen, Pläne für Batteriefabriken und Schnellladesäulen untermauern ihren Anspruch, mit dieser Technologie den Wandel zu einer neuen, saubereren Mobilität zu schaffen.

Eine Umfrage der Unternehmensberatung KPMG sät nun jedoch Zweifel, dass alle Industrievertreter an das glauben, was sie öffentlich proklamieren. Immerhin 54 Prozent der 907 befragten Manager sind demnach der Meinung, dass batterieelektrische Fahrzeuge "scheitern" werden. Grund: Die vielerorts fehlende Ladeinfrastruktur. Nur 31 Prozent stimmen der These nicht zu. Der Rest ist unentschieden.

Am größten ist die Skepsis ausgerechnet bei Firmenchefs und Aufsichtsratsvorsitzenden ausgeprägt. Satte 72 Prozent der weltweit befragten 229 Auto-Bosse sagen das Aus für Batteriefahrzeuge voraus.

Chefs von Konzernen aus der Branche mit einem Umsatz von mehr als zehn Milliarden Dollar stimmen gar zu 83 Prozent dieser Aussage zu. In dieser Kategorie haben immerhin noch 115 Manager an der Umfrage teilgenommen. Befragt wurden hochrangige Mitarbeiter unter anderem bei Herstellern, Zulieferern, Händlern und Finanzdienstleistern.

General Motors' EV1 - fast sämtliche Exemplare dieses Elektroautos wurden nach wenigen Jahren verschrottet
REUTERS
General Motors' EV1 - fast sämtliche Exemplare dieses Elektroautos wurden nach wenigen Jahren verschrottet

Pikant: Chefs und Aufsichtsratsvorsitzende deutscher Autohersteller, die an der Umfrage teilgenommen haben, sind zu 100 Prozent davon überzeugt, dass Elektroautos scheitern werden. Zwar beteiligten sich nur zwei Topmanager der obersten Stufe, doch es gibt auch nur eine überschaubare Zahl von Konzernen, die in die Kategorie "deutsche Autohersteller mit einem Umsatz von mehr als zehn Milliarden Dollar" fallen (BMW , Daimler , Volkswagen , Ford oder Opel).

Wer die Elektro-Dissidenten sind, ist aufgrund der Anonymität der Umfrage indes nicht zu ermitteln. Die deutschen Autokonzerne investieren jeweils viele Milliarden Euro in den Aufbau einer Elektroauto-Palette.

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"Die Hürden bleiben hoch", schreiben die KPMG-Autoren um Partner Dieter Becker mit Blick auf weitere Fortschritte bei der Elektromobilität. Zunächst müsse die Ladeinfrastuktur ausgebaut werden, dann die Autos auf den Markt kommen - ansonsten werde es nichts mit weiterem Wachstum.

In der norwegischen Hauptstadt Oslo hätten Behörden Autofahrer bereits vom Elektroauto-Kauf abgeraten, weil es zu wenig öffentliche Ladesäulen gebe. Das zeige: Subventionen und andere Kaufanreize für die Fahrzeuge genügten nicht. Jedoch sei der Anteil der E-Auto-Skeptiker im Vergleich zur Umfrage des Vorjahres gefallen.

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