03.07.2018 
Bayern und BVB abgeschlagen

Die rentabelsten Clubs der Bundesliga

Von Holger Rehm, Sponsors
Yann Sommer: Torwart von Borussia Mönchengladbach und des Schweizer Nationalteams
Bongarts/Getty Images
Yann Sommer: Torwart von Borussia Mönchengladbach und des Schweizer Nationalteams

Borussia Mönchengladbach war in der Saison 2016/17 der rentabelste Club in der Fußballbundesliga. Kein anderer Club gab verhältnismäßig mehr Geld für sein Personal aus als der Hamburger SV. Ein detaillierter Blick auf die Finanz-KPIs der Bundesligisten.

Bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern im Münchner Audi Dome im November 2017 wurden wieder Rekorde vermeldet: Der Rekordmeister präsentierte einen neuen Rekordumsatz (640,5 Millionen Euro) und einen neuen Rekordgewinn (39,2 Millionen Euro nach Steuern) und schüttete seinen Aktionären zudem eine Rekord-Dividende aus (16,5 Millionen Euro).

SPONSORs Finanzanalyse der Bundesliga
Die Vermessung der Bundesliga: SPONSORS hat in einem Dossier die Bundesligisten miteinander verglichen und die Liga zudem in einen internationalen Kontext gestellt. Welche Clubs erzielen hierzulande die höchsten Umsatzrenditen? Welche haben die höchsten Personalkostenquoten? Und welche sind zuletzt am stärksten gewachsen? Neues Zahlenmaterial sowie jüngste Entwicklungen geben Anlass zur Hoffnung, dass die internationale Konkurrenzfähigkeit der Bundesliga weiterhin stark ausgeprägt ist.

Auch sportlich bestätigte der deutsche Rekordmeister im Winter 2017/18 eindrucksvoll seine Vorherrschaft in der Bundesliga. Standen die Bayern noch Ende November nur knapp vor dem zweitplatzierten RB Leipzig, thronte der FC Bayern Mitte März mit 20 Punkten Abstand auf den Zweitplatzierten FC Schalke 04 wieder unangefochten an der Spitze der Bundesliga. Das liegt natürlich auch am Kader der Münchner. In der Saison 2016/17 gaben die Bayern mit 264,9 Millionen Euro mit großem Abstand in der Bundesliga (siehe Tabelle unten) das meiste Geld für ihr Personal aus.

Die Zahlen verdeutlichen, dass die sportliche Dominanz des FC Bayern nicht von ungefähr kommt. Setzt man allerdings verschiedene Kennzahlen in Relation, ergibt sich ein anderes Bild - nicht nur über den Rekordmeister, sondern über die gesamte Bundesliga.

Fünf Erstligisten mit negativer Umsatzrendite

Der erste Blick geht auf die Umsatzrentabilität der Bundesligisten in den Geschäftsjahren 2016/17 beziehungsweise 2016 (siehe Kasten unten). Dabei schrieben in der vorliegenden SPONSOR-Analyse fünf Erstligisten (Eintracht Frankfurt, Hamburger SV, Hannover 96, Hertha BSC und RB Leipzig) rote Zahlen und weisen damit eine negative Umsatzrendite aus.

Finanz-KPI in der Bundesliga (Saison 2016/17)
Finanz-KPI in der Bundesliga (Saison 2016/17)

Dabei haben die Verluste unterschiedliche Gründe. Bei Hannover 96 beispielsweise stehen die roten Zahlen in direktem Zusammenhang mit dem Gang in die 2. Bundesliga. Die Niedersachsen kürzten trotz Abstieg und einer einkalkulierten Halbierung des Umsatzes (2016/17: 45,22 Millionen Euro / 2015/16: rund 85 Millionen Euro) ihre Personalkosten lediglich um ein Drittel (2016/17: 26,42 Millionen Euro / 2015/16: 38,37 Millionen Euro).

Dass am Ende der Saison unterm Strich ein Verlust von knapp zwölf Millionen Euro stand, hatte 96-Präsident Martin Kind vorher einkalkuliert, "weil wir ein vernünftiges Eigenkapital haben". Kinds Plan ging auf. Denn durch das Investment in den Spielerkader schaffte der Club den sofortigen Wiederaufstieg in die Bundesliga - Verlust hin oder her.

Stuttgart und Borussia Mönchengladbach mit den höchsten Umsatzrenditen

Dass ein Bundesliga-Absteiger im Folgejahr sowohl den sofortigen Wiederaufstieg schaffen als auch einen zweistelligen Millionengewinn (14,8 Millionen Euro) erzielen kann, zeigte in der Saison 2016/17 eindrucksvoll der VfB Stuttgart. Sicherlich muss berücksichtigt werden, dass die Schwaben wie vier andere Erstligisten ihre Finanzzahlen traditionell kalendarisch ausweisen. In die vorliegende Betrachtung des Geschäftsjahres 2016 fließen damit also auch die Zahlen aus der Rückrunde der Abstiegssaison 2015/16 mit ein.

Die wirtschaftliche Leistung des VfB soll dies aber nicht schmälern, der mit 11,17 Prozent vor dem FC Schalke 04 (10,98 Prozent) die zweithöchste Umsatzrentabilität aller Erstligisten erzielte (siehe Grafik links).

Noch besser als der VfB Stuttgart wirtschaftete im vergangenen Geschäftsjahr nur Borussia Mönchengladbach (Umsatzrendite: 13,61 Prozent). Der Club konnte seit 2010 seinen Umsatz verdreifachen. Allein in den vergangenen drei Jahren wurden die Erlöse um rund 70 Millionen Euro gesteigert (2014: 130 Millionen Euro / 2015: rund 160 Millionen Euro). Im Geschäftsjahr 2016 setzte die Borussia erstmals knapp 200 Millionen Euro um.

Die Analyse
Grundlage der vorliegenden Analyse waren verschiedene Finanz-Kennzahlen, welche die derzeitig (Saison 2017/18) in der Bundesliga aktiven Proficlubs in ihren Geschäftsberichten 2016/17 beziehungsweise 2016 veröffentlicht haben. Die Kennzahlen hat SPONSORS in Relation gesetzt und miteinander verglichen. Dabei ergaben sich teilweise überraschende Ergebnisse:
Überraschende Ergebnisse
  • zum Beispiel bei der Personalkostenquote, also bei der Frage, welcher Club in der Bundesliga das beste Verhältnis aus Personalausgaben und Umsatz vorweisen kann
  • oder bei der Frage, an welchem Bundesliga- Standort die Umsatzrendite (Verhältnis aus Umsatzerlöse und Jahresergebnis) überdurchschnittlich gut beziehungsweise schlecht ist.
  • Untersucht wurde bei allen Erstligisten außerdem das Verhältnis aus Transfererlösen und Umsatz.
  • Und daraus lässt sich wiederum in einer weiteren Grafik ablesen, welche Bundesligisten beispielsweise nur dank eines hohen Transferüberschusses einen Gesamtgewinn erzielt haben.
Studiendesign
  • Weil die Werksclubs Bayer 04 Leverkusen und VfL Wolfsburg keine Zahlen veröffentlicht haben, wurden in der Analyse nur 16 Erstligisten berücksichtigt.
  • Betrachtungszeitraum war bei der Mehrheit der Clubs das Geschäftsjahr 2016/17. Bei fünf Clubs (Borussia Mönchengladbach, Eintracht Frankfurt, FC Schalke 04, RB Leipzig und VfB Stuttgart), die ihre Finanzzahlen kalendarisch ausweisen, wurde das Geschäftsjahr 2016 betrachtet.
  • Anders als beim Finanzreport der Deutschen Fußball Liga (DFL) wurden die in der aktuellen Saison in der Bundesliga spielenden Clubs untersucht, also auch Hannover 96 und VfB Stuttgart. Die beiden Aufsteiger spielten im Betrachtungszeitraum 2016/17 in der 2. Bundesliga.
  • Die unterschiedlichen Betrachtungszeiträume und die Auswahl der analysierten Clubs führten unter anderem dazu, dass innerhalb der SPONSORS-Analyse insgesamt fünf Clubs Nachsteuer-Verluste ausweisen mussten (Hamburger SV, Hertha BSC, RB Leipzig, Hannover 96), innerhalb des DFLReports waren es lediglich zwei Clubs.

Zurückzuführen sind die Umsatzsprünge der Gladbacher vor allem auf die sportlichen Erfolge. So erhielt die Borussia im Geschäftsjahr 2016 rund 40 Millionen Euro vom Europäischen Fußballverband (UEFA) für die Teilnahme an der Fußball-Champions- League. Weitere rund 43 Millionen Euro nahm Gladbach durch den Verkauf des Schweizer Mittelfeldspielers Granit Xhaka an den FC Arsenal ein. Das heißt: Ohne die beiden Einnahmeposten hätte der Umsatz der "Fohlen" bei unter 120 Millionen Euro gelegen und damit auf einem transferbereinigten Niveau von Hertha BSC oder dem Hamburger SV.

Weil Gladbach aber - vereinfacht ausgedrückt - weiterhin seine Ausgaben im Griff hatte, blieb für die Borussia am Ende des Geschäftsjahres 2016 ein Nachsteuer-Gewinn von 26,8 Millionen Euro. Hinter dem FC Bayern (39,2 Millionen Euro) und dem FC Schalke 04 (29,1 Millionen Euro) war dies der dritthöchste Jahresüberschuss in der Bundesliga.

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