23.01.2018  Kuriose Börsenwelt

Zahl der Indizes übersteigt Zahl der Aktien um das 70fache

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US-Blue-Chip-Index Dow Jones: Einer von mehr als drei Millionen
AP
US-Blue-Chip-Index Dow Jones: Einer von mehr als drei Millionen

Falls noch jemand einen "Funfact" für den nächsten Neujahrsempfang in der Finanzbranche benötigt: Weltweit gibt es inzwischen mehr als drei Millionen Aktienindizes, und das sind mehr als 70 mal mehr, als es rund um den Globus öffentlich gehandelte Aktiengesellschaften gibt.

Darüber kann man einen Moment nachdenken: Ist das überhaupt möglich? Und wie kann das sein?

Doch die Zahlen sind verlässlich, zumindest sofern die "Financial Times" als zuverlässige Quelle durchgeht. Der Zeitung zufolge hat eine Studie der Index Industry Association ergeben, dass die Anbieter von Indizes weltweit inzwischen regelmäßig rund 3,3 Millionen Indizes berechnen und veröffentlichen. 3,14 Millionen davon seien Aktienindizes, heißt es in der "FT" weiter. Und der Weltbank zufolge existieren an den Börsen rund um den Globus demnach exakt 43.192 öffentlich notierte Aktiengesellschaften.

In der enormen Zahl an Indizes spiegelt sich zum einen der Trend zu Indexfonds wieder, die in den vergangenen Jahren ein enormes Wachstum erlebt haben. Just in diesen Tagen jährt sich die Emission des ersten US-amerikanischen Exchange Traded Funds (ETF), nämlich des SPDR S&P 500 ETF von State Street, zum 25. Mal.

Hauptwachstumstreiber: Benchmarking

Der auch "Spider" genannte Fonds ist bis heute der größte ETF am US-Markt, mit einem Volumen von inzwischen 292 Milliarden Dollar. Insgesamt kommt die US-ETF-Industrie gegenwärtig auf ein verwaltetes Vermögen von 3,4 Billionen Dollar, wie etwa das "Wall Street Journal" berichtet. Zum Vergleich: In Europa steigerte die ETF-Branche ihr Volumen im vergangenen Jahr laut Zahlen von Thomson Reuters Lipper auf den Rekordwert von 631,2 Milliarden Euro (etwa 772 Milliarden Dollar).

Zum enormen Wachstum der Indexbranche haben die ETFs allerdings lediglich einen kleinen Teil beigetragen, schreibt die "FT". Schließlich gebe es trotz des rasanten Wachstums des Anlagebereichs bis heute nicht mehr als knapp 7200 börsennotierte Indexfonds weltweit. Kaum ausreichend also, um die Existenz von mehr als drei Millionen Indizes zu rechtfertigen.

Einen stärkeren Einfluss auf den Aufschwung im Index-Universum hat daher das "Benchmarking", die Gewohnheit aktiver Fondsmanager also, die eigene Leistung an Indizes zu messen, so die "FT".

Haupttreiber des starken Anstiegs der Anzahl an Indizes dürfte zudem die Effizienz sein, mit der diese berechnet werden können. "Es gibt starke Skaleneffekte", sagt dazu Rick Redding, Chef der Branchenvereinigung Index Industry Association, in der sich die weltweit lediglich 14 aktiven Indexunternehmen zusammengeschlossen haben. Sobald erst einmal die Datenflüsse und das EDV-Umfeld geschaffen wurden, um einen Index zu kalkulieren, lassen sich beliebig viele Unterindizes mit vergleichsweise geringem Zusatzaufwand berechnen, so Redding laut "FT".

Christoph Rottwilm auf Twitter

Bemerkenswert erscheinen auch die Schwerpunktfelder, für die die meisten Indizes berechnet werden. Während der US-amerikanische Aktienmarkt gemessen an der Marktkapitalisierung etwa die Hälfte des weltweiten Aktiengeschäfts ausmacht, beziehen sich lediglich 9 Prozent aller Aktienindizes auf diese Region. Den größten Anteil haben dagegen mit 29 Prozent die global gestreuten Indizes, gefolgt von den Regionen Asien/Pazifik sowie Europa, Mittlerer Osten und Afrika (Emea). 14 Prozent aller Indizes beziehen sich auf Frontier- und Schwellenländer, so die "FT".

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