14.02.2018 
Skeptischer Bundesbank-Chef

Weidmann kritisiert Bitcoin - und der springt über 9000 $

Kritik an Krypto-Geld: Bundesbank-Chef Weidmann
REUTERS
Kritik an Krypto-Geld: Bundesbank-Chef Weidmann

Der Chef der Bundesbank steht dem Bitcoin und anderen Krypto-Währungen offenbar skeptisch gegenüber. Die umstrittene Digitalwährung Bitcoin ist aus Sicht von Jens Weidmann jedenfalls keine Alternative zu klassischem Geld. "Bitcoin ist aus ökonomischer und ökologischer Sicht ineffizient", sagte der Bundesbankpräsident am Mittwoch laut Redetext in Frankfurt.

Unterdessen entfernte sich der Bitcoin am Mittwoch ein Stück weiter von seinem Tief, das er nach rasantem Kurssturz Anfang Februar erreicht hatte. Laut Übersichtsseite Coinmarketcap.com stieg der Bitcoin am Nachmittag über die Marke von 9000 Dollar. Im Dezember hatte die nach Marktkapitalisierung wichtigste Cyber-Währung, die 2017 rasant gestiegen war, rund 20.000 Dollar gekostet, war dann aber jäh abgestürzt. Einen vorläufigen Tiefpunkt erreichte der Bitcoin Anfang Februar bei etwas mehr als 6000 Dollar.

Bundesbankpräsident Weidmann ist der Ansicht, dass Krypto-Währungen generell die zentralen Funktionen von Geld - Zahlungsmittel, Wertspeicher und Recheneinheit - nur eingeschränkt erfüllen. Deshalb will Weidmann auch nicht von Krypto-"Währungen", sondern vielmehr von Krypto-"Token" sprechen. "Token" ist ein allgemeinerer Begriff als Krypto-Währung.

Als Zahlungsmittel fänden Bitcoin und Co. bislang kaum Verwendung, sagte Weidmann. Das Bezahlen sei umständlich, Transaktionen dauerten mehrere Minuten. "Das mag für einen Autokauf noch akzeptabel sein, zum Bezahlen an der Ladenkasse eignen sich Bitcoins damit aber nicht." Weidmann monierte darüber hinaus den hohen Stromverbrauch von Bitcoin-Transaktionen.

Als Zahlungsmittel ungeeignet?

Zudem schwankten Digitalwährungen sehr stark im Wert. "So ist die Volatilität von Bitcoin aktuell trotz der jüngsten Börsenturbulenzen etwa sechsmal höher als die des Aktienindex S&P 500 und dreizehnmal höher als die von Gold", so Weidmann. Das schränke die Verwendbarkeit als Zahlungsmittel ein: "Ein Zahlungsmittel, das stark im Wert steigt, möchte niemand hergeben, ein Zahlungsmittel, das stark im Wert verliert, möchte niemand annehmen."

Mit Blick auf Stimmen, die eine Regulierung von Krypto-Währungen fordern, verwies Weidmann auf die gemeinsame Initiative Deutschlands und Frankreichs, das Thema im Rahmen der zwanzig größten Industrie- und Schwellenländer (G20) zu besprechen. "Denn angesichts der Tatsache, dass solche Geschäfte global angeboten werden, ist klar, dass eine nationale oder europäische Regulierung nur begrenzt wirksam sein kann", sagte Weidmann.

Zunächst sei wichtig, bestehende Geldwäschevorschriften durchzusetzen und zu verhindern, dass Bitcoin und Co., die auf Plattformen im Internet gehandelt werden, als Mittel der Terrorismusfinanzierung eingesetzt würden. "Anlass zu regulatorischen Eingriffen könnten auch potenzielle Finanzstabilitätsrisiken bieten, weshalb wir die Verwendung von Krypto-Token im Finanzsektor im Blick haben müssen", sagte Weidmann. Derzeit seien die Risiken aber noch begrenzt.

cr/dpa-afx

Mehr zum Thema