20.04.2018  Kriminelle Krypto-Saga

Bitcoin-Räuber flieht aus Island - mit der Regierungschefin

Von
Sindri Thor Stefansson (Polizeifoto von 2014)
AP
Sindri Thor Stefansson (Polizeifoto von 2014)

Es klingt nach einer Geschichte aus "Ocean's Eleven": Der Hauptverdächtige des "großen Bitcoin-Raubs", wie ein Kriminalfall in Island genannt wird, hat sich in spektakulärer Flucht nach Schweden abgesetzt. Das vermutet die isländische Polizei, die den Mann nun mit internationalem Haftbefehl suchen lässt.

Sindri Thor Stefansson sei aus dem Gefängnis Sogn im Süden des Landes durchs Fenster entkommen und habe am 95 Kilometer entfernten Flughafen Keflavik ein Flugzeug nach Schweden bestiegen. Stefansson habe sich das Ticket unter falschem Namen besorgt, sei aber auf Überwachungsvideos erkannt worden, erklärte die Polizei am Mittwoch.

Pikant: Dem Rundfunksender RUV berichtete ein Mitinsasse, dass außer dem Flüchtigen auch Premierministerin Katrin Jakobsdottir an Bord gewesen sei, die zu einem Treffen der fünf nordeuropäischen Regierungschefs mit dem indischen Kollegen Narendra Modi nach Stockholm reiste.

"Er hatte einen Komplizen", erklärte Polizeipräsident Gunnar Schram dem Nachrichtenportal "Visir". Stefansson gilt als der Kopf einer Gruppe von elf Menschen, die für eine Serie von vier Einbrüchen Ende vergangenen Jahres festgenommen wurden. Weitere elf Verdächtige wurden seitdem ebenfalls inhaftiert.

Die Gruppe erbeutete rund 600 Computer aus Bitcoin-Minen, die sich wegen der billigen Energie und Restriktionen im bisherigen Bitcoin-Mekka China zunehmend in Island ansiedeln. Die Rechner sind bisher nicht wieder aufgetaucht. Der Gerätewert wird zwar nur mit knapp zwei Millionen Dollar beziffert. Trotzdem gilt der Fall als größter Raub in der isländischen Geschichte. Würden die Computer weiter zum Schürfen von Kryptowährungen wie Bitcoin benutzt, könnten die Besitzer gewaltige Summen anonym einstreichen - auch nach dem Kurssturz von Bitcoin und Co.

Stefansson war seit Februar in Haft. Vor zehn Tagen wurde er, als ungefährlich eingestuft, in das Niedrigsicherheitsgefängnis Sogn verlegt. Das Gelände ist nicht umzäunt, die Insassen haben Zugang zu Telefon und Internet. Vermutlich entkam der Häftling bereits am Dienstagmorgen. Die Wachen schlugen erst Alarm, als das Flugzeug nach Stockholm bereits abgehoben war.

mit Material von ap

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