11.01.2018  Handelsverbot und Ausstieg aus Bitcoin-Mining

Südkorea und China setzen Bitcoin zu

Bitcoin: Die Schwankungen nehmen zu - und die Zahl der Cybergeld-Konkurrenten wächst
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Bitcoin: Die Schwankungen nehmen zu - und die Zahl der Cybergeld-Konkurrenten wächst

Die Digitalwährung Bitcoin gibt weiter nach. China hat einen "kontrollierten Ausstieg" aus dem Bitcoin-Mining angeordnet. Zudem will Südkorea den Bitcoin-Handel auf einigen Plattformen verbieten, und Anleger-Legende Warren Buffett einen Bitcoin-Crash für wahrscheinlich.

Die Digitalwährung Bitcoin ist am Donnerstag erneut unter Verkaufsdruck geraten. Die Cyber-Devise verbilligte sich um rund 6 Prozent und fiel zeitweise unter die Marke von 13.500 Dollar. Gegenwind für die Kryptowährung gibt es von verschiedenen Seiten.

Zum einen verdichten sich die bereits zu Wochenbeginn bekannt gewordenen Spekulationen, dass China einen geordneten Rückzug aus dem Bitcoin-Mining angekündigt habe. Zum anderen warnte der einflussreiche Star-Investor Warren Buffett in einem Interview vor einem Crash der Cyberwährung.

Und in Südkorea kündigte Justizminister Park Sang-ki an, dass die Regierung ein Verbot für den Handel mit Krypto-Währungen vorbereite. Zugleich bekam einige Handels-Plattformen in Südkorea Besuch von der Steuerbehörde wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung. "Wir machen uns große Sorgen über den Boom des virtuellen Geldes", sagte Sang-ki am Donnerstag. Bitcoin gaben kurz nach der Ankündigung in Asien mehr als 10 Prozent nach, und auch die Krypto-Währung Ethereum verzeichnete deutliche Kursverluste.

Berichte von "China Daily", dass Chinas politische Führung hat Bitcoin-Schürfern die Beendigung ihrer Tätigkeit angeordnet habe, wurden am Mittwoch auch vom "Wall Street Journal" konkretisiert. Eine Task Force unter Federführung der Notenbank habe vergangene Woche die lokalen Behörden angewiesen, die Schließungen zu koordinieren. Der Ausstieg soll demnach "geordnet" und ohne eine festgelegte Deadline stattfinden. Die Notenbank habe auf Anfrage nicht reagiert.

Ein Vertreter einer lokalen Regulierungsbehörde in der westlichen Region Xinjiang hat laut dem Bericht des WSJ bestätigt, dass seine Behörde die Anordnung erhalten habe und befolgen werde. Für den Bitcoin bedeutet das Vorgehen Chinas einen schweren Schlag, der allerdings nicht ganz überraschend kommt.

China gilt als Heimat einiger der größten sogenannten Bitcoin-Miner. Sie stellen ohne zentrale Kontrolle gemeinsam ein gigantisches Computernetzwerk zur Verfügung, mit dem sie die Funktion der Digitalwährung gewährleisten. Sie verifizieren sämtliche Bitcoin-Transaktionen, speichern das Logbuch ("Blockchain") in Datenbanken und bilden quasi das technische Rückgrat des Zahlungssystems Bitcoin. Dafür werden sie durch neue Einheiten der Digitalwährung belohnt. Die Rechenkapazität, die für den Erwerb eines Bitcoin nötig sind, werden mit der Zeit immer komplizierter.

Auch Buffett warnt vor Cyberwährung

Das Schürfen von Bitcoin und anderen Digitalwährungen mithilfe von rechenstarken PCs und Grafikkarten ist sehr energieintensiv. Chinas Beamte sind dem Vernehmen nach in Sorge, dass die Bitcoin-Schürfer im großen Stil niedrige Strompreise in einigen Regionen ausgenutzt und damit die reguläre Stromversorgung beeinträchtigt haben.

Aufseher und Regierungen warnen seit Monaten vor Spekulationen mit der Digitalwährung. US-Starinvestor Warren Buffett sagte am Mittwoch dem US-Fernsehsender CNBC, er könne "mit annähernder Sicherheit" sagen, dass Digitalwährungen ein "böses Ende" nehmen werden.

Nach eigenen Angaben spekuliert er mit seiner Investmentfirma Berkshire Hathaway aber bislang noch nicht auf einen Crash.Die Frage, ob er mit sogenannten Futures gegen Kryptowährungen wette, verneinte Buffett. Er würde aber mit langfristigen Optionsgeschäften - etwa über einen Zeitraum von fünf Jahren - auf Kursverfall setzen, wenn dies möglich wäre. Buffett räumte jedoch auch offen ein, sich mit Bitcoin und Co. nicht sonderlich gut auszukennen. "Doch ich denke, was derzeit abläuft, wird definitiv böse enden", so Buffett.

Bitcoin und andere digital errechnete und gespeicherte Währungen hatten im vergangenen Jahr stark an Wert zugelegt und damit Spekulanten angelockt. Zuletzt schwankten die Preise stark - teilweise um tausende US-Dollar innerhalb eines einzigen Tages.

Einige Cybergeld-Investoren schichten um

Vor diesem Hintergrund interessieren sich immer mehr spekulativ orientierte Krypto-Anleger für Bitcoin-Alternativen wie zum Beispiel die Cyberwährung Ethereum, ergänzte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. Der Webseite CoinMarketCap.com zufolge verteuerte sich Ethereum seit Jahresbeginn um gut 70 Prozent auf aktuell 1296 Dollar. Bitcoin büßte im gleichen Zeitraum zwei Prozent ein. Mit 231 Milliarden Dollar ist die Marktkapitalisierung der ältesten Cyber-Devise aber immer noch etwa doppelt so hoch wie die von Ethereum.

Bitcoin-Kaufrausch: Die Psycho-Fallen der Bitcoin-Bullen

Vor einem Jahr war die weltweit wichtigste Kryptowährung Bitcoin noch für weniger als 1000 Dollar zu haben gewesen. Zeitweise erreichte der Bitcoin-Kurs im Dezember ein Niveau von 20.000 US-Dollar, danach setzten jedoch Gewinnmitnahmen ein. Inzwischen steigt auch das Interesse an den Bitcoin-Alternativen Bitcoin Cash sowie an der Kryptowährung Iota. Die Iota-Tokens haben es in die Top Ten der von Bitcoin angeführten Kryptowährungen geschafft.

Ein Grund für die Kursrally des Bitcoin war die Einführung von Terminkontrakten durch zwei die große US-Börsen und damit der Vorstoß ins klassische Finanzsystem. Kurz vor Weihnachten rutschte der Kurs jedoch um fast 40 Prozent in Richtung 11.000 Dollar ab. Nun pendelt der Kurs wieder zwischen 14.000 und 15.000 US-Dollar.

Auch Goldman Sachs will in Bitcoin-Handel einsteigen

Gleichzeitig faszinieren Bitcoin und Co. die Anleger vor allem in Asien. Zwei große US-Börsen haben mittlerweile Terminkontrakte auf den Bitcoin aufgelegt. Damit ist die Kryptowährung in der klassischen Finanzwelt angekommen. Sogar die US-Großbank Goldman Sachs plant inzwischen, ins Geschäft mit Bitcoin einzusteigen und eine Handelsabteilung für Bitcoin und andere Kryptowährung aufzubauen.

Terminbörse CBOE plant weitere Bitcoin-Finanzprodukte

Auch die US-Banken und Börsenplätze wollen am Bitcoin-Rausch mitverdienen. "Wir werden in den kommenden Monaten Vertrauen schaffen, und bleiben Sie dran, es wird noch mehr kommen", sagte Ed Tilly, Chef der US-Terminbörse CBOE. Dabei könne es um Optionen auf Future-Kontrakte und Indexfonds (ETF) gehen. Auch könnten Produkte für andere Kryptowährungen außer Bitcoin folgen.

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Niemals zuvor hätte ein neues Produkt an der CBOE soviel Interesse auf sich gezogen. "Es war so aufregend für uns, dies auf den Markt zu bringen. Ich sagte dem Team letzte Nacht, ich sagte: Lass uns das jeden Sonntag machen! Das ist eine Menge Spaß!", so Tilly weiter.

Bislang allerdings hat die US-Börsenaufsicht SEC alle Vorschläge für ein Bitcoin-ETF abgelehnt. Befürworter glauben dennoch, dass ein erfolgreiches Debüt der Terminkontrakte den Plänen neues Leben einhauchen und die Aufsicht milder stimmen könnten.

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Nach Worten des Börsenchefs hatte die CBOE unlängst Berufung gegen eine Entscheidung der SEC eingelegt, die einen CBOE-gelisteten Bitcoin-ETF blockierte, der von der Bitcoin-Börse Gemini vorgeschlagen wurde, den die Chicagoer Börse für den Schlussabrechnungspreis seiner Bitcoin-Futures-Kontrakte verwendet.

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