27.12.2017  Kurs-Chaos der Kryptowährungen

Bitcoin: Eine Blase - aber keine Gefahr für das Finanzsystem

Eine Meinungsmache von Daniel Stelter
AP

Alleine die Tatsache, dass Artikel über Bitcoin egal welchen Inhalts hohe Leserzahlen erreichen, darf als eindeutiger Blasenindikator gelten. Das Thema hat den Mainstream erreicht, nachdem der Markt bereits Kursgewinne von mehreren 10.000 Prozent erreicht hat. Nun gilt es die Musik so laut zu machen, dass die wenigen Insider - ihre Zahl wird auf rund 1000 geschätzt - aus dem Markt aussteigen können. Nichts ist da willkommener als Artikel, die Kursziele von 100.000 Dollar ausrufen.

Daniel Stelter

Warum nicht eine Million, frage ich mich da. Blasen ist nämlich gemein, dass man ihr endgültiges Ausmaß unterschätzt. So warnte Alan Greenspan schon 1997 vor der irrationalen Übertreibung an den US-Börsen im Zuge des New Economy Booms. Dennoch ging es bekanntlich noch bis März 2000 weiter. So gesehen mag der eine oder andere darauf setzen, dass der größere Dummkopf (the greater fool) erst später einsteigt, und man bis dahin auch noch etwas von der Wohlstandsumverteilung abbekommt.

Blasenindikatoren wohin man schaut

Als Indikatoren für eine Blasenbildung bei Kryptowährungen mangelt es wahrlich nicht. Nachfolgend meine Top 6:

Der wohl eindeutigste Indikator für eine Blasenbildung sind die sich häufenden Geschichten von Unternehmen, die alleine durch eine Änderung ihres Namens Kursgewinne von mehreren hundert Prozent innerhalb kurzer Zeit erzielen.

Jüngstes Beispiel: Am 13. Dezember hat sich die "Long Island Iced Tea Corporation" umbenannt in die "Long Blockchain Group". In der Folge stiegen die Aktien vorbörslich an der NASDAQ um mehr als 500 Prozent. Dabei war neben der Änderung des Namens nicht viel über die neue Strategie zu erfahren. Die Getränkefirma sprach lediglich von "a new smart contract platform for building decentralised applications that provides scalability beyond currently available options", was die Financial Times zu einem direkten Vergleich mit einer früheren ähnlich gelagerten Unternehmung veranlasste, die ihren Geschäftszweck so umschrieb: "company for carrying on an undertaking of great advantage, but nobody to know what it is". Gemeint ist die South Sea Company, die zur berühmten Südseeblase geführt hat.

Sehen Sie auch das Erklärvideo von mm.de: So funktionieren Bitcoin & Co.:

All jene, die jetzt das Gefühl haben, sie müssten noch schnell den Lemmingen folgen, sei die Erfahrung von Isaac Newton ans Herz gelegt: Zunächst hatte er im Zuge der Südseeblase von 1720 viel Geld verdient und Kasse gemacht. Doch als er sah, dass seine Freunde und Bekannten noch mehr verdienten, stieg er, kurz bevor die Blase platzte, wieder in die Spekulation ein. Statt eines weiteren Gewinns bescherte ihm dies einen Verlust in Höhe von 20.000 Pfund - umgerechnet auf heute immerhin rund drei Millionen Euro - und er klagte, "er könne die Bewegung der Sterne berechnen, aber nicht die Dummheit der Menschen".

Kann Bitcoin noch auf 100.000 Euro steigen? - Ja klar, aber auch auf 100 fallen. Wir werden es sehen. Dass die Gebrüder Winklevoss, bekannt durch ihren Rechtsstreit mit Mark Zuckerberg über die Gründung von Facebook und von Hollywood im Film The Social Network nicht gerade als intellektuelle Leuchten porträtiert, mit Bitcoins Milliardäre geworden sind, ändert an dieser Einschätzung nichts. Sie haben elf Millionen US-Dollar aus der Abfindungszahlung von Zuckerberg vor etwas mehr als vier Jahren in Bitcoins angelegt. Heute, nach einer Preissteigerung um sagenhafte 10.000 Prozent, ein Betrag von über einer Milliarde. Nicht schlecht.

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