20.09.2017  Immer mehr Policen beitragsfrei

Kunden legen fast jede dritte Lebensversicherung auf Eis

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Einmal abkühlen bitte: Das sagen sich auch immer mehr Lebensversicherte. Statt zu kündigen, legen sie ihre Police auf Eis, zahlen keine Beiträge mehr in den Vertrag ein
AFP/US Coast Guard/Cory J. Mendenhall
Einmal abkühlen bitte: Das sagen sich auch immer mehr Lebensversicherte. Statt zu kündigen, legen sie ihre Police auf Eis, zahlen keine Beiträge mehr in den Vertrag ein

In mehr als jede vierte Lebensversicherung in Deutschland fließt kein Geld mehr. Die Kunden haben sie beitragsfrei gestellt. Ein Vertrauensbeweis in das einst beliebteste Altersvorsorgeprodukt ist das nicht. Selbst namhafte Anbieter bleiben von dem grassierenden Zahlungsstopp nicht verschont.

Immer mehr Menschen in Deutschland stoppen die Überweisung an ihren Lebensversicherer und stellen ihre Police beitragsfrei. Im vergangenen Jahr stieg der Anteil dieser Verträge auf 27,2 Prozent des Gesamtbestands. Mehr als jede vierte Lebensversicherung wird damit nicht mehr bespart.

Seit 2004 steigt der Anteil der beitragsfrei gestellten Policen kontinuierlich, wie die jüngste Analyse des Branchendienstes Map-Report weiter zeigt. Auch wenn die Kunden die Anbieter über die Gründe des Zahlungsstopps in der Regel nicht informieren, ein zentrales Motiv für den massenhaften Rückzug aus dem einst beliebtesten Vorsorgeprodukt liegt auf der Hand: In der anhaltenden Niedrigzinsphase haben die Unternehmen die Verzinsung fortwährend gesenkt. Das Produkt Lebensversicherung wurde damit immer unattraktiver.

Die Branche steuert dagegen, versucht in der Niedrigzinsphase die Lebensversicherung dadurch attraktiver zu machen, in dem sie sich von festen Garantiezusagen verabschiedet und kapitalmarktnahe Produkte wie Fondspolicen propagiert. Damit erhöhen die Kunden ihre Chance auf mehr Rendite, gehen aber auch größere Risiken ein. Der Versicherer selbst muss für Verträge ohne Garantiezusagen weniger Reserven bilden und entlastet damit seine Bilanz.

Auch Qualitätsanbieter wie die Allianz bleiben nicht verschont

Die geringere Akzeptanz des Produkts Lebensversicherung spiegelt sich auch in insgesamt sinkenden Beitragseinnahmen und einem schwächeren Neugeschäft wider. So sanken die Bruttobeiträge laut Map-Report 2016 um weitere 1,4 Prozent auf 86,3 Milliarden Euro. Das Neugeschäft rutschte im Vergleich zum Vorjahr um 0,6 Prozent oder 32.000 weniger verkaufte Policen ab - womit die Branche allerdings die katastrophale Entwicklung von 2015 (minus 7,2 Prozent) nahezu stoppen konnte.

Dabei bleiben nach Prämienaufkommen führende Anbieter keineswegs von der Beitragsfreistellung verschont: Bei der Ergo, Nummer 9 nach Beitragsaufkommen, haben fast 4 von 10 Kunden ihre Lebensversicherung beitragsfrei gestellt (37,34 Prozent der Verträge). Bei der Konzerngröße Generali sind es 32,3 Prozent und bei dem Marktführer und Qualitätsanbieter Allianz immerhin noch rund 30 Prozent der bestehenden Lebensversicherungen, wo die Kunden die Zahlungen eingestellt und die Police beitragsfrei gestellt haben.

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