14.09.2017  Deutsche Börse will Millionenstrafe zahlen

Börse stimmt in Kengeter-Affäre Deal mit Staatsanwalt zu

Kann sich seiner Vertragsverlängerung noch nicht sicher sein: Deutsche-Börse-Chef Karsten Kengeter
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Kann sich seiner Vertragsverlängerung noch nicht sicher sein: Deutsche-Börse-Chef Karsten Kengeter

Die Deutsche Börse will ein unrühmliches Kapitel um die Fusionsgespräche mit der Londoner Börse und damit einhergehenden Insidervorwürfen schließen. Dafür zahlt der Konzern jetzt eine Millionenbuße. Ob das reicht, ist nicht sicher. Die Aufsichtsrat jedenfalls will den Vertrag von Vorstandchef Kengeter vorerst nicht verlängern.

Im Insiderverfahren gegen Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter dämpft die Staatsanwaltschaft Frankfurt die Hoffnung des Konzerns auf ein baldiges Ende der Ermittlungen. "Dazu, wann und wie das Verfahren hinsichtlich des Beschuldigten Kengeter abgeschlossen werden wird, können zum derzeitigen Zeitpunkt keine Auskünfte erteilt werden", teilte eine Sprecherin der Behörde am Donnerstag auf Nachfrage mit.

Die Deutsche Börse hatte am Mittwochabend offiziell ihre Bereitschaft erklärt, zwei Geldbußen in einer Gesamthöhe von 10,5 Millionen Euro zu zahlen - manager-magazin.de hatte bereits am 8. September berichtet, dass die Deutsche Börse die Strafe zahlen würde.

Bei dem Verfahren geht es um die Rolle des Unternehmens im Zusammenhang mit den Insidervorwürfen und den Vorwurf, die Börse habe die Finanzmärkte zu spät über ihre - inzwischen gescheiterten - Fusionsgespräche mit der Londoner Börse LSE informiert.

Das Unternehmen teile die erhobenen Vorwürfe nach wie vor nicht. Vorstand und Aufsichtsrat wollten aber sicherstellen, dass sich die Deutsche Börse "schnellstmöglich wieder ausschließlich auf das Geschäft konzentrieren und die schwerwiegenden Belastungen durch das Ermittlungsverfahren hinter sich lassen" könne. Man gehe davon aus, "dass das laufende Ermittlungsverfahren gegen den Vorstandsvorsitzenden der Deutsche Börse AG, Carsten Kengeter, gegen Auflagen eingestellt werden wird", bekräftigte der Dax-Konzern.

Die Staatsanwaltschaft hatte allerdings bereits Mitte Juli betont, es gehe bei den Geldbußen zunächst allein um die Deutsche Börse AG als juristische Person. Zudem haben die Finanzaufsicht Bafin und die hessische Börsenaufsicht in dem seit Februar laufenden Verfahren weiteren Klärungsbedarf angemeldet.

Vertragsverlängerung für Kengeter weiter unsicher

Aufsichtsratschef Joachim Faber erklärte nun, das Kontrollgremium werde sich erst mit einer Vertragsverlängerung für Kengeter befassen, wenn auch Bafin und Börsenaufsicht ihre Prüfungen abgeschlossen haben.

Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment nannte das Vorgehen der Börse "inakzeptabel": "Der Reputationsschaden ist bereits immens. Die Aktionäre dürfen jetzt nicht noch zusätzlich zur Kasse gebeten werden."

Kengeter hatte Mitte Dezember 2015 für 4,5 Millionen Euro 60.000 Deutsche-Börse-Aktien gekauft, die er nicht vor Ende 2019 veräußern darf. Der Konzern packte in dem speziell für ihn geschnürten Vergütungsprogramm 69.000 weitere Anteilsscheine drauf. Gut zwei Monate nach dem Aktiendeal machten Deutsche Börse und London Stock Exchange (LSE) ihren Fusionsplan öffentlich, was die Kurse trieb.

Aktienkauf von Kengeter bleibt umstritten

Die Ermittler werfen Kengeter vor, bereits im Sommer 2015 mit der LSE-Führung Gespräche über einen Zusammenschluss der Börsenbetreiber geführt und das lukrative Aktiengeschäft in diesem Wissen getätigt zu haben. Der Deutsche-Börse-Aufsichtsrat hatte die Vorwürfe schon kurz nach deren Bekanntwerden als haltlos bezeichnet. Kengeter selbst sprach jüngst von einer "moralischen Pflicht", die Aktien zu kaufen: Hätte er das Programm nicht genutzt, wäre ihm das womöglich als Misstrauensvotum ausgelegt worden.

Kengeters Zukunft als Börsenchef gilt als eng verknüpft mit dem Ausgang der Ermittlungen. Der Dreijahresvertrag des 50-Jährigen, der am 31. März 2018 ausläuft, wurde vom Aufsichtsrat bislang nicht verlängert. Der ehemalige Investmentbanker bekräftigte jedoch wiederholt, dass er den Dax-Konzern gerne weiterhin führen würde. Kengeter steht seit Juni 2015 an der Spitze der Deutschen Börse.

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