05.09.2017  Krypto-Währung im Zwielicht

Nobelpreisträger Shiller erklärt die Bitcoin-Blase

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Experte für Spekulationsblasen: Ökonom Shiller traut dem Bitcoin-Boom nicht
REUTERS
Experte für Spekulationsblasen: Ökonom Shiller traut dem Bitcoin-Boom nicht

Der Mann weiß, wovon er spricht: Für seine Forschung zur Entwicklung von Preisen an Kapitalmärkten erhielt der Ökonom Robert Shiller 2013 - gemeinsam mit zwei Kollegen -den Nobelpreis. Sein Buch "Irrationaler Überschwang" ("Irrational exuberance") wurde zum Bestseller und gilt als Standardwerk zum Thema Spekulationsblasen am Finanzmarkt.

Und wo sieht Experte Shiller gegenwärtig "irrationale Übertreibung" oder "spekulative Blasenbildung"? "Das beste Beispiel ist zurzeit Bitcoin", sagte er dem US-Online-Magazin Quartz in einem Interview.

Die Erkenntnis erscheint nicht besonders originell: Allein in diesem Jahr schoss der Bitcoin-Preis in der Spitze um beinahe 400 Prozent in die Höhe. Der Kurschart der Krypto-Währung verlief in den vergangenen Wochen beinahe kerzengerade nach oben. Selbst Laien dürften dahinter kaum noch ein gesunde Marktentwicklung vermuten. Erst Anfang dieser Woche allerdings ließ die Finanzaufsicht Chinas den generell sehr volatilen Preis auf dem hohen Niveau heftig einknicken, als sie sogenannte Initial Coin Offerings (ICO) von Cyberwährungen vorerst untersagte.

Spannender erscheint daher die Begründung, die Shiller zu seiner Diagnose liefert. "Ich glaube, es liegt an der Qualität der Bitcoin-Story", sagte er dem Magazin Quartz.

Großes passiert am Finanzmarkt meist, wenn jemand die richtige Story erfindet und in Umlauf bringt, so der Ökonom. Bei Bitcoin sei das gut zu beobachten - beispielsweise bei Shillers Studenten an der Universität von Yale. "Ich beginne, über Bitcoin zu sprechen, und sie sind begeistert."

Wer ist Satoshi Nakamoto?

Vor allem zwei Faktoren sind es laut Shiller, die die Faszination von Bitcoin ausmachen. Erstens: Der "Erfinder" der Krypto-Währung. Bitcoin wurde vor knapp zehn Jahren angeblich durch einen gewissen Satoshi Nakamoto ins Leben gerufen. Inzwischen erscheint jedoch unstrittig, dass es sich dabei lediglich um ein Pseudonym handelt - und bis heute ist öffentlich nicht bekannt, welche Person oder Personengruppe sich hinter Nakamoto tatsächlich verbirgt. Der Bitcoin-Story gibt das einen hübschen mysteriösen Anstrich, wie Nobelpreisträger Shiller meint.

Und dann ist da - zweitens - noch der Faktor "Angst". Schon in seinem Buch "Irrationaler Überschwang" argumentiert Shiller, es gebe diese unbestimmte Angst in der Welt: Viele Leute würden sich angesichts der Digitalisierung und des Vormarsches der Computer auf vielen Gebieten grundsätzlich Sorgen machen, wo in der Welt ihr Platz in zehn, 20 oder 30 Jahren noch sein werde.

"Da passt Bitcoin irgendwie gut rein", sagt Shiller. Im Umgang mit der Krypto-Währung haben seiner Ansicht nach viele Menschen zumindest das Gefühl, zu verstehen, was passiert. Und sie können aufgrund dieses Verständnisses spekulieren und versuchen, reich zu werden. "Das ist eine Art Lösung für die fundamentale Angst", sagt der Nobelpreisträger.

Sollte es sich beim Bitcoin-Preis tatsächlich um eine Spekulationsblase handeln, die irgendwann zu platzen droht, dann würde dies indes nicht nur die vielen Investoren treffen, die Geld in Bitcoin gesteckt haben, und denen daher empfindliche Verluste drohen. Inzwischen macht sich der Vormarsch der Krypto-Währungen wie Bitcoin, die es rund um den Globus bereits auf ein Volumen im hohen zweistelligen Milliarden-Euro-Bereich bringen, vielmehr auch schon in der Realwirtschaft bemerkbar.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Ein Beispiel: Der Chipfabrikant AMD freut sich Dank der gestiegenen Nachfrage nach schnellen Prozessoren von Seiten der Cyber-Zocker seit einiger Zeit über sprudelnde Umsätze. Firmen wie AMD oder auch Konkurrent Nvidia sowie deren Mitarbeiter würden also wohl ebenfalls getroffen, falls der Bitcoin-Markt plötzlich einbrechen sollte.

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