28.08.2017  Milliardenfonds reduziert US-Aktien

"Wir machen uns Sorgen" - Trump wird zum Anlage-Risiko

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"Die USA haben derzeit keinen Präsidenten im Amt": So mancher Großinvestor traut Donald Trump nicht mehr über den Weg und zieht sich aus US-Aktien zurück
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"Die USA haben derzeit keinen Präsidenten im Amt": So mancher Großinvestor traut Donald Trump nicht mehr über den Weg und zieht sich aus US-Aktien zurück

Steuererleichterungen, Milliardeninvestitionen? Bislang hat Donald Trump die in ihn gesetzten Hoffnungen nicht ansatzweise erfüllt. So mancher Großinvestor traut Trump nicht mehr über den Weg, sieht ihn zusehends als Risiko und zieht viel Geld aus US-Aktien ab.

Riesige Investitionsprogramme und ebenso gigantische Steuererleichterungen hatte US-Präsident Donald Trump zu Amtsantritt nach den Wahlen im November 2016 versprochen. Die Erwartung war groß, die US-Börsen schnellten in die Höhe. Mittlerweile aber macht sich Ernüchterung breit, haben sich die Kurse von ihren Höchstständen wieder entfernt.

Von einem veritablen Kursrutsch kann keine Rede sein: Das Plus des Dow Jones beträgt mit Blick auf den Wahltag noch rund 19 Prozent. So mancher Großanleger allerdings traut dem US-Präsidenten nicht mehr zu, dass er seine Versprechen einhält und damit die US-Wirtschaft wie erhofft nach vorne bringt.

Der finnische Pensionsfonds Varma gehört zu diesen skeptischen Großanlegern. Der rund 53 Milliarden Dollar schwere Fonds hat im zweiten Quartal seine Aktienquote um 5 Prozent reduziert - vor allem, weil Fondschef Risto Murto sich von US-Aktien trennte, wie er gegenüber Bloomberg erklärte.

Die finnische Groß-Investor fürchtet ganz offensichtlich Trumps unorthodoxen und unberechenbaren Regierungsstil, so weit man bei Trump von Regieren im Vergleich zu vorangegangenen US-Präsidenten überhaupt sprechen darf. "Es sieht so aus, als hätten die USA derzeit keinen Präsidenten im Amt", so Murto.

Viel Kredit in der US-Wirtschaft verspielt

Trumps fortwährend (beleidigende) Twitter-Tiraden, das nukleare Säbelrasseln mit Nordkorea, seine Unfähigkeit, sich mit dem Kongress zu arrangieren und zuletzt die Verharmlosung rechtsradikaler Ausschreitungen in Charlottesville: Die USA und ihr Präsident sind aus Sicht so mancher Investoren mittlerweile zu einem politischen Risiko mit globalen Auswirkungen geworden.

In der Wirtschaft selbst hatte Trump zuletzt viel Kredit verspielt, hatten sich weitere Topmanager US-amerikanischer Konzerne fluchtartig aus den Beratergremien des Präsidenten zurückgezogen. "Die Lektion von 2008 lehrt uns: Haben die USA ein Problem, haben wir alle ein Problem", sagte Fondsmanager Murto in Anspielung auf den Ausbruch der Banken- und späteren Weltwirtschaftskrise.

Der finnische Großinvestor wolle nicht schwarzmalen. Der Rückzug aus US-Aktien sei auch Gewinnmitnahmen geschuldet. "Die US-Wirtschaft ist immer noch intakt", sagt Varma-Investment-Manager Reima Rytsola. Aber unter dem Strich stehe: "Wir machen uns Sorgen."

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