03.08.2017  Vorsicht beim Börsengang

So pimpen die Milliarden-Start-ups ihren Firmenwert

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Rarität: Einhörner, als Start-ups mit mehr als einer Milliarde Dollar Börsenwert, gibt es seltener als gedacht
DPA
Rarität: Einhörner, als Start-ups mit mehr als einer Milliarde Dollar Börsenwert, gibt es seltener als gedacht

Haben Sie sich auch schon mal gewundert, dass so viele Start-up-Unternehmen, insbesondere in der Tech-Branche, so wahnsinnig viel wert sein sollen? Beinahe 200 sogenannte Einhörner ("Unicorns") gibt es inzwischen weltweit, fand kürzlich die Unternehmensberatung Barkow Consulting heraus. Das sind Jungunternehmen, die noch nicht an der Börse sind, und deren Wert aufgrund von Investorenbeteiligungen auf jeweils mehr als eine Milliarde Dollar hochgerechnet werden kann.

Diese knapp 200 Start-ups haben einen Wert von zusammen 674 Milliarden Dollar, so Barkow Consulting. Wertvollstes "Einhorn" der Welt ist demnach gegenwärtig der amerikanische Mitfahrvermittler Uber mit einer Bewertung von rund 68 Milliarden Dollar.

Die Entstehung dieser Milliardenwerte allerdings bleibt für die Öffentlichkeit meist weitgehend im Dunkeln: Ein Investor erwirbt einen Anteil an einem jungen Unternehmen, und aufgrund der Höhe der Beteiligungssumme und der Angabe des prozentualen Anteils, der damit erworben wurde, wird auf den Gesamtwert der Firma geschlossen. Weil allerdings selten die Details solcher Beteiligungen veröffentlicht werden, erscheinen viele der so ermittelten Unternehmenswerte für Außenstehende schier unglaublich.

Jedes zweite Unternehmen hat Bewertung mit Tricks hochgetrieben

Eine Studie, die Wirtschaftswissenschaftler der Universitäten von British Columbia sowie von Stanford erstellt haben, kommt nun zu genau diesem Schluss: Einen großen Teil dieser Milliarden-Bewertungen von Start-ups sollte man tatsächlich besser nicht glauben.

Insgesamt 116 so genannte Einhörner, allesamt gegründet nach 1994 und mit einem angeblichen Unternehmenswert von durchschnittlich 2,7 Milliarden Dollar, haben die Autoren der Untersuchung unter die Lupe genommen. Ergebnis: Etwa die Hälfte der untersuchten Start-ups hätte den Titel "Unicorn" nicht erhalten, wenn die Verantwortlichen nicht verschiedene Aktien-Tricksereien angewendet hätten.

Das heißt: Unter Anwendung fairer Methoden kamen die Wissenschaftler bei etwa 50 Prozent der Firmen auf Unternehmenswerte von jeweils weniger als einer Milliarde Dollar. 11 Prozent der Firmen hatten ihren Unternehmenswert mit Tricks sogar um mehr als das Doppelte nach oben manipuliert, so die Studie, über die Bloomberg berichtet.

Um den Moglern unter den Firmengründern auf die Schliche zu kommen, ist es erforderlich, einen genauen Blick in die Verträge der Start-up-Investoren zu werfen, so die Studie. Dort finden sich oft jene Klauseln, die erklären, weshalb ein Geldgeber wirklich bereit ist, einen vergleichsweise hoch erscheinenden Betrag in eine Firma zu stecken, die meist erst in den Kinderschuhen steckt und in der Regel hohe Verluste einfährt.

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