27.07.2017  Kartell-Sünder Daimler und Volkswagen

Darum können Auto-Aktionäre auf Schadensersatz hoffen

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Angebliche Kartell-Partner BMW, Volkswagen und Daimler: Einige Autobauer könnten gegen die Adhoc-Pflicht verstoßen haben
BMW, Volkswagen, Daimler
Angebliche Kartell-Partner BMW, Volkswagen und Daimler: Einige Autobauer könnten gegen die Adhoc-Pflicht verstoßen haben

Die Nachricht schlug Ende vergangener Woche ein wie eine Bombe - auch an der Börse: Die Kartell-Vorwürfe gegen die Autobauer Volkswagen , Audi , Porsche , BMW und Daimler , die der SPIEGEL enthüllt hatte, ließen die Aktienkurse der Unternehmen flächendeckend einknicken.

Für die Aktionäre bedeutet das schmerzliche Verluste im Aktiendepot. Sie können sich daher die Frage stellen: Gibt es einen Verantwortlichen dafür, der möglicherweise zur Rechenschaft gezogen und zu Schadensersatz verpflichtet werden kann?

Ein möglicher Ansatzpunkt für solche Ansprüche ist in diesem Fall zumindest für die Anleger von Volkswagen sowie von Daimler offensichtlich. Beide Unternehmen haben den Medienberichten zufolge schon vor längerer Zeit Selbstanzeigen bei den Behörden eingereicht, in denen sie über die möglicherweise kartellrechtlich relevanten Aktivitäten informierten. Volkswagen soll die Kartellbehörden bereits im Juli 2016 ins Bild gesetzt haben. Daimler kam den Wolfsburgern einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge sogar noch deutlich zuvor. Der schwäbische Hersteller hatte von 2011 an, als das Lkw-Kartell aufgeflogen war, seine Geschäftspolitik nach und nach geändert, heißt es bei der Zeitung

Die entscheidenden Fragen sind nun also: Hätten Volkswagen sowie Daimler die Öffentlichkeit entsprechend ihrer Publizitätspflicht zeitnah über diese Selbstanzeigen informieren müssen? Und: Folgen aus der Tatsache, dass beide Firmen dies nicht taten, möglicherweise Schadensersatzansprüche seitens der Anleger?

Bafin und Anlegerschützer sind alarmiert

Frage eins beschäftigt bereits die Finanzaufsicht Bafin, die für die Einhaltung der Publizitätspflicht zuständig ist. Die Behörde prüfe mögliche Verstöße gegen die Ad-hoc-Publizitätspflicht bei den Autobauern, berichtete die "Wirtschaftswoche". "Wir schauen uns den Sachverhalt derzeit an und entscheiden dann, wie wir weiter verfahren", sagte eine Sprecherin der Bafin dem Magazin.

Frage zwei bewegt naturgemäß auch Anlegerschützer wie etwa Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). "Wenn es Selbstanzeigen wegen der Absprachen gegeben hat", sagt er, "warum wurde dann nicht ad hoc gemeldet? Warum steht dazu nichts in den Geschäftsberichten?"

Laut Tüngler prüft die DSW bereits Klagemöglichkeiten für betroffene Aktionäre. "Sollten die Vorwürfe sich bewahrheiten, werden wir alle juristischen Register ziehen, um die Anteilseigner zu unterstützen", sagt er.

Haben Volkswagen und Daimler also tatsächlich gegen die Pflicht zur Ad-hoc-Publizität verstoßen, als sie es vermieden, über die Selbstanzeigen zu informieren? Und können Anleger darauf Schadensersatzansprüche aufbauen?

manager magazin online befragte dazu Stefan Grundmann, Professor für Wirtschaftsrecht an der Berliner Humboldt-Universität. Und dessen Einschätzung dürfte zahlreiche Investoren erfreuen. "Ja", sagt Grundmann, "es spricht einiges dafür, dass in den beschriebenen Fällen gegen die Ad-hoc-Pflicht verstoßen wurde. Und ja, anders als in vielen anderen Fällen dürften hier auch Schadensersatzforderungen von Seiten der Aktionäre grundsätzlich Aussicht auf Erfolg haben."

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