04.07.2017  Ferrari bringt Riesen-Wertgewinn

62.000 Prozent plus - der Warren Buffett unter den Autonarren

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Innige Liebe: Musiker Nick Mason mit seinem Ferrari 250 GTO
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Innige Liebe: Musiker Nick Mason mit seinem Ferrari 250 GTO

Nick Mason hatte noch wallendes, dunkles Haar und einen beinahe furcht-einflößenden Schnurbart, als er sich seinen Ferrari 250 GTO zulegte. Das war 1977, und der Drummer der Rockband Pink Floyd war dank der Einnahmen aus dem Album "The Dark Side of the Moon" - bis heute eine der erfolgreichsten Platten der Musikgeschichte - gerade zu seinem ersten Geld gekommen.

Inzwischen, vier Jahrzehnte später, ist Mason jenseits der 70. Die Haare sind längst ergraut und Pink Floyd existiert bestenfalls noch in der Theorie - aber seinen 250 GTO, Baujahr 1962, besitzt der Autofan noch immer. Der Wagen ist der Star einer Sammlung automobiler Klassiker, die sich Mason im Laufe der Jahrzehnte zugelegt hat.

Am vergangenen Wochenende brachte der Musiker sein Juwel mit zum Goodwood Festival of Speed, einem Autotreffen, zu dem alljährlich PS-Fans und superreiche Sammler aus aller Welt in den Süden Englands pilgern. Mason kommt allerdings nicht etwa nach Goodwood, um neben seinem Boliden in der Sonne zu stehen und bewundernde Blicke zu genießen. Der Mann, aus dem eigenen Worten zufolge ein "fanatischer Renn-Enthusiast" geworden ist, zieht lieber den Overall über, setzt sich seinen Helm auf und lenkt seinen 250 GTO, Startnummer 22, über den gut eine Meile langen Rennkurs von Goodwood.

Das wäre bei einem gewöhnlichen Klassiker kaum bemerkenswert. Am Ferrari 250 GTO ist allerdings nur wenig gewöhnlich. Das Auto, von dem der italienische Kulthersteller in den 1960er Jahren keine 40 Exemplare baute, gilt heute als wertvollster Oldtimer überhaupt. Angeblich hat Firmenpatriarch Enzo Ferrari persönlich jene ersten Käufer ausgewählt, denen zum Originalpreis von seinerzeit umgerechnet etwa 7000 Euro ein 250 GTO überreicht wurde.

Ein Preis, der aus heutiger Sicht utopisch niedrig erscheint. Kein klassisches Automobil wird gegenwärtig zu höheren Preisen gehandelt als der Ferrari 250 GTO. Ein Exemplar wurde beispielsweise 2014 in Kalifornien für 38 Millionen Dollar versteigert, was seinerzeit der höchste Preis war, der jemals für einen Pkw auf einer Auktion gezahlt wurde. Medien berichten zudem von mindestens einem Privatverkauf, bei dem mehr als 50 Millionen Dollar für einen Ferrari 250 GTO gezahlt worden sein sollen.

Auch Pink-Floyd-Drummer Nick Mason bekam im Laufe der Jahre lukrative Angebote für seinen roten Boliden - doch er schlug sie alle aus. Als er den Wagen 1977 erwarb, habe jeder gedacht, Mason sei "komplett krank", sagt der Drummer rückblickend. "Inklusive ich selbst."

"Aber jetzt halten sie mich für eine Art Warren Buffett des Motorsports", so Mason. Kein Wunder: Der "Financial Times" verriet der Autonarr vor einigen Jahren den Preis, den er für seinen kostbaren Ferrari einst gezahlt hat. Demnach erwarb Mason der 250 GTO im Jahr 1977 für aus heutiger Sicht bescheidene 37.000 britische Pfund. Die 38 Millionen Dollar dagegen, die im August 2014 für den gleichen Wagen auf einer Auktion gezahlt wurden, entsprachen zu der Zeit etwa 23 Millionen Pfund.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Das heißt: Eine Wertsteigerung um gut 62.000 Prozent innerhalb von 37 Jahren. Darauf wäre vermutlich auch Star-Investor und Multimilliardär Warren Buffett ziemlich stolz.

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