16.05.2017  Welt-Handelsindex

Ozeanriese "MOL Triumph" - Symbol einer Krise, die noch Jahre dauern kann

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Die "MOL Triumph" in Hamburg: Riesenfrachter sorgen für Überkapazitäten auf den Weltmeeren
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Die "MOL Triumph" in Hamburg: Riesenfrachter sorgen für Überkapazitäten auf den Weltmeeren

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Es ist ein problematischer Besuch, den das weltgrößte Containerschiff "MOL Triumph" der Hansestadt Hamburg zurzeit abstattet: Das Schiff hat bei voller Ladung einen Tiefgang von bis zu 16 Metern, zu viel für die Elbe. Nach Hamburg kann die "MOL Triumph" daher nur kommen, wenn sie beispielsweise in Rotterdam oder Southampton zuvor einen Teil ihrer Ladung von maximal 20.170 Standardcontainern (TEU) gelöscht hat.

Zudem ist der 400 Meter lange und knapp 60 Meter breite Ozeanriese zu hoch, um unter Hamburgs Wahrzeichen, der Köhlbrandbrücke, hindurchzufahren. Deshalb konnte das Schiff den modernen Umschlagterminal in Altenwerder nicht ansteuern und musste stattdessen am Montagabend am älteren Burchardkai festmachen.

Das wohl größte Problem, für das die "MOL Triumph" steht, ist dagegen auf Anhieb nicht zu erkennen. Erst der Blick auf die Marktentwicklung der weltweiten Handelsschifffahrt in den vergangenen Jahren macht es sichtbar: Die maritime Branche steckt in einer der größten Krisen ihrer Geschichte - und Riesenschiffe wie die "MOL Triumph" sind ein Grund dafür, dass der Markt es noch immer nicht geschafft hat, wieder auf die Beine zu kommen.

Reeder ordern immer neue Riesenschiffe - und setzen dem Markt weiter zu

Schließlich verkörpern Riesenschiffe wie die "MOL Triumph" einen Großteil der Überkapazitäten, die den Reedereien zu schaffen machen, weil sie die Einnahmen massiv unter Druck setzen.

Dass sich daran auch in absehbarer Zeit kaum etwas ändern dürfte, zeigen aktuelle Daten, die das Kölner Institut für Kapitalmarktanalyse (IfK) im Rahmen seines monatlichen Welt-Handelsindex exklusiv für manager magazin online zusammengestellt hat.

Zwar gebe es derzeit eine "leichte zyklische Stabilisierung der Fracht- und Charterraten in eigentlich allen Regionen der Welt", so das IfK. Auch die Umschlagsmengen an den wichtigsten internationalen Containerhäfen haben demnach jüngst zugenommen, was dem Gesamtbild der IfK-Experten von der globalen Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen sowie der Weltindustrieproduktion, entspreche.

Nach Angaben von IfK-Chef Markus C. Zschaber, ebenso Chef der gleichnamigen Kölner Vermögensverwaltung, handelt es sich dabei aber noch nicht um eine "strukturelle Stabilisierung der Schifffahrtskrise". Schuld daran sind laut Zschaber ausgerechnet jene Riesenschiffe wie die "MOL Triumph", die 20.000 Container und mehr befördern können und so die Frachtpreise weiter unter Druck halten.


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"Ich denke wir sehen nicht vor 2019 eine wirkliche Erholung der globalen Schifffahrt", so Zschaber. "Zwischendurch sollten aber zyklische Erholungen immer wieder auftreten."

Die Krux: Nach wie vor werden weiter neue, vergleichbare Containerriesen an die Reedereien ausgeliefert. Zwar gibt es zurzeit keine Neuaufträge. In den Auftragsbüchern asiatischer Werften standen zum Jahresbeginn aber insgesamt noch 60 Schiffe mit jeweils mehr als 19.000 TEU Tragfähigkeit.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Allein der dänische Branchenprimus Maersk erwartet noch elf Megaschiffe mit jeweils über 20.000 TEU. Die "Maersk Madrid" etwa ist Medien zufolge gegenwärtig schon unterwegs nach Europa. Sie ist zwar schmaler und kürzer als die "MOL Triumph", kann mit offiziell angegebenen 20.568 TEU aber noch mehr Last befördern. Und auch dieser Rekord ist nicht von Dauer: In Südkorea wurde jüngst bereits die "OOCL Hong Kong" getauft - mit Stellplätzen für 21.413 Standardcontainer.

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