21.04.2017  Wette auf Kursabsturz

Die mörderische Börsenwette des BVB-Bombers

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Anschlag auf BVB-Bus: Mit 15.000 Verkaufsoptionen auf Absturz der Aktie gewettet
DPA
Anschlag auf BVB-Bus: Mit 15.000 Verkaufsoptionen auf Absturz der Aktie gewettet

2. Teil: Sind solche Börsenwetten Werkzeuge für Kriminelle?

Dass man mit solch mörderischen Wetten an den Finanzmärkten tatsächlich viel Geld verdienen und unerkannt davonkommen kann, ist aus genannten Gründen extrem unwahrscheinlich. Dennoch kommt nach Anschlägen wie 9/11 oder auch nach dem Anschlag auf den BVB-Bus regelmäßig die Frage auf, ob solche "Short"-Wetten verboten werden sollten.

Sinn einer solchen Verkaufsoption an den Finanzmärkten ist jedoch nicht, sich an "Zerstörung und Leid" zu bereichern. Sie dient statt dessen vor allem dazu, sich gegen Kursverluste einer bestimmten Ware oder Währung abzusichern. Ein global agierender Händler zum Beispiel kann sich etwa gegen Kursverluste des Dollar durch eine solche "Hedging"-Position absichern: Verliert der Dollar gegenüber dem Euro an Wert, verteuert das die in Europa hergestellten Waren des Händlers im Absatzmarkt USA. Diesen Nachteil (Verteuerung der Ware in Dollar) kann er durch die Gewinne seiner Hedging-Position ausgleichen. Damit dient das Finanztermingeschäft in erster Linie der Absicherung an den Märkten.

Außerdem würde ein Verbot von Short-Wetten zu kurz greifen. Spekulanten können auf vielfältige Weise von starken Schwankungen und Verwerfungen an den Finanzmärkten profitieren: Statt auf den Kursverfall von Aktien zu setzen, könnte man auch auf einen Kursanstieg der Krisenwährung Gold setzen - oder möglicherweise auch Kursanstiege der börsennotierten Konkurrenz eines Unternehmens. Den Missbrauch mit Finanzwetten zu verhindern, ist vor allem Sache der Finanzaufsicht - ihre zugrundeliegende Mechanik allein ist noch kein Teufelswerk.

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