11.04.2017  Bezahlte Anlagetipps auf Finanzseiten

US-Börsenaufsicht kämpft gegen Fake-News für Investoren

Von
Händler an der New York Stock Exchange
AFP
Händler an der New York Stock Exchange

Auf Finanz-Plattformen wie "Benzinga" und "Seeking Alpha" werden heiße Aktien-Tipps gehandelt. Einige dieser Empfehlungen waren allerdings bezahlt. Jetzt ist die US-Börsenaufsicht eingeschritten.

Fake News machen nicht nur Politikern zu schaffen. US-Behörden haben Zivilklagen gegen 27 Unternehmen und Personen wegen Betrugs angestrengt. Ihnen wird vorgeworfen, gegen Bezahlung positive Aktienempfehlungen auf Finanzwebseiten veröffentlicht zu haben.

Potenziellen Investoren sei vorgegaukelt worden, dass es sich um unabhängige und unparteiische Aktienanalysen handele. Die Verfasser seien allerdings insgeheim für die positiven Bewertungen bezahlt worden, teilte die US-Aufsichtsbehörde SEC am Montag mit.

In einer Serie von Klagen und Verfügungen wurden mehr als 250 Artikel auf Seiten wie "Seeking Alpha", "Benzinga" und "Wall Street Cheat Sheet" bemängelt. Unter Pseudonymen wie "Equity Options Guru", "The Swiss Trader", "Trading Maven" und "Wonderful Wizard" hätten Autoren versucht, Aktien zu pushen, ergänzt das Blog "Alphaville" der "Financial Times".

Einer der Verfasser von gefälschten Analysen soll neben seinem eigenen Namen noch mindestens neun weitere Pseudonyme genutzt haben. In einer der falschen Identitäten soll er sich als "Analyst und Fondsmanager mit fast 20 Jahren Investment-Erfahrung" bezeichnet haben.

Nach US-Recht müssen Unternehmen offenlegen, wenn sie Autoren für das Veröffentlichen von Artikeln über ihre Aktien bezahlen. "Unsere Märkte können nicht richtig funktionieren, wenn verschleiert wird, dass Firmen für positive Artikel bezahlt haben", heißt es in einer Stellungnahme der SEC.

US-Börsenaufsicht warnt Investoren

Die Aufsichtsbehörde veröffentlichte gleichzeitig eine Warnung an Investoren, dass Artikel auf Investmentwebseiten nicht unbedingt objektiv und unabhängig seien. Sie könnten Teil einer bezahlten Werbeaktion sein, die nicht offengelegt wurde. Anleger sollten daher niemals allein auf Grundlage solcher Informationen investieren.

Von den 27 angeklagten Unternehmen und Personen schlossen bisher 17 einen Vergleich über Entschädigungen oder Strafzahlungen in Höhe von 2200 bis 3 Millionen Dollar, teilte die SEC weiter mit. Darunter seien Firmen wie Galena Biopharma, ImmunoCellular Therapeutics und Lion Biotechnologies, die jegliches Fehlverhalten von sich wiesen. Gegen die anderen zehn würden die Verfahren weiterlaufen. Die Finanz-Webseiten wurden nicht angeklagt.

Die Plattform "Benzinga" teilte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters mit, dass Meldungen von externen Autoren auf der Seite gekennzeichnet seien. Außerdem gäbe es den rechtlichen Hinweis, dass diese nicht der Meinung von "Benzinga" entsprechen müssten und nicht bearbeitet seien.

Laut "Seeking Alpha" gäbe es bei der Plattform Richtlinien, die als Abschreckungsmaßnahmen gegen mögliche Werbeaktionen dienten. So würden alle Angaben von Autoren, dass sie nicht von Dritten bezahlt würden, dokumentiert.

mit ap

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