07.02.2017  Hedgefonds setzen stark wie nie auf steigende Ölpreise

Die Eine-Milliarde-Barrel-Wette

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Ölfässer in Hamburg
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Ölfässer in Hamburg

Finanzinvestoren setzen so sehr auf steigende Ölpreise wie niemals zuvor. Spekulanten hätten Ende Januar Positionen im Gegenwert von einer Milliarde Fass Öl aufgebaut, berichtet die "Financial Times" (FT) und beruft sich auf Daten von Regulierungsbehörden und Börsen. Auf sinkende Notierungen sind demnach lediglich Geschäfte im Gegenwert von 111 Millionen Fass gebucht.

Als mögliche Gründe für den Öl-Optimismus gelten die Förderbegrenzung , die das Ölkartell Opec Ende November vereinbart hatte, sowie die ersten wirtschaftspolitischen Weichenstellungen des neuen US-Präsidenten Donald Trump. Dieser setzt stark auf Deregulierung, wovon sich manche Marktteilnehmer starke Wachstumsimpulse und damit eine steigende Ölnachfrage versprechen.

Möglicherweise setzten große Fonds auch auf Öl, um sich bei Geschäften in anderen Branchen abzusichern, mutmaßt die "FT". Für einige Investoren könnten die Ölwetten auch das Risiko einer anziehenden Inflation auf das eigene Portfolio verringern. "Energie ist wahrscheinlich der einzige Rohstoff, der eine Absicherung gegen unerwartete Inflation bietet", zitiert die Zeitung Fondsmanager Richard Robinson von Ashburton Investments.

Manche Marktbeobachter sehen den Run auf Öl-Wetten allerdings auch kritisch. So sei es durchaus denkbar, dass die Preise umso mehr ins Straucheln geraten, wenn Investoren massenhaft Gewinne realisieren. Zudem gibt es viele Ökonomen, die steigende Ölpreise trotz Trumps Politik und dem Opec-Beschluss für alles andere als ausgemachte Sache halten.

Sehen Sie auch: Wie Donald Trump die Ölindustrie wieder groß machen will

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Öl- und Gaspreise in den USA würden durch Trump sogar eher unter Druck geraten, erwartet Merrill-Lynch-Analyst Francisco Blanch. Nicht zuletzt hat Trump nämlich versprochen, der Ölindustrie selbst das Leben leichter zu machen.

"Die Branche erwartet weniger Bürokratie, einen pragmatischeren Ansatz bei Regulierungen und geringere Kosten durch Klimagesetze", sagte Blanch gegenüber der Nachrichtenagentur "Bloomberg". Die US-Fördermenge werde deshalb wahrscheinlich stark wachsen.

Zumindest als mittelfristige Bedrohung für den Ölpreis gilt zudem der weltweite Vormarsch von Elektroautos. Ölkonzern Shell rechnet sogar damit, das das globale Ölnachfrage-Maximum bereits in wenigen Jahren erreicht ist.

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