10.10.2017  Berliner Start-up will 25 Millionen einsammeln

Deutschlands erstes ICO läuft - beim "Tinder des Shoppings"

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Kaufen oder nicht? Bei Wysker sollen Nutzer künftig binnen Bruchteilen von Sekunden entscheiden - wer dran glaubt, kann jetzt investieren
Kaufen oder nicht? Bei Wysker sollen Nutzer künftig binnen Bruchteilen von Sekunden entscheiden - wer dran glaubt, kann jetzt investieren

"Was Tinder mit Dating gemacht hat, machen wir mit Shopping", sagt Tobias Haag. "Wir sind nicht einfach eine weitere Shopping-App. Wir bieten einen völlig neuen Ansatz, einkaufen zu gehen."

Damit bringt der Gründer der App wysker, die in wenigen Wochen an den Markt gehen wird, sein Geschäftsmodell gut auf den Punkt: Die Idee dahinter ist nicht, wie bisher üblich, dass Leute etwas Bestimmtes kaufen wollen und online danach auf die Suche gehen. Bei wysker sollen sich vielmehr diejenigen tummeln, die einfach Lust auf Shopping haben - aber noch nicht wissen, was es sein soll.

Das funktioniert so: In Bruchteilen von Sekunden flimmern bei wysker unzählige Bilder von Produkten - Badehosen, Sonnenbrillen, Skateboards und vieles mehr - über das Smartphone-Display. Spricht eines davon den Nutzer an, kann er stoppen und zum anbietenden Shop gelangen. Mehr als 50.000 Produkte von mehr als 300 Onlineshops hat das Unternehmen bereits in seine App integriert, so wysker-Gründer Haag.

Die Geschäftsidee ist allerdings nicht die einzige Innovation, die Haag und sein Team in petto haben. Ebenfalls neuartig - jedenfalls hierzulande - ist der Weg der Finanzierung, für den sie sich entschieden haben: Seit Anfang Oktober veranstaltet wysker das erste sogenannte Initial Coin Offering (ICO) in Deutschland.

Wys-Tokens als Teil des Geschäftsmodells

Hintergrund: ICOs sind eine moderne Form für Unternehmen, bei einem breiteren Publikum Geld einzusammeln, angesiedelt irgendwo zwischen dem Prinzip des Börsengangs, der Idee der Crowdfinanzierung und dem Modethema Kryptowährungen.

Das Prinzip: Anstatt im Gegenzug zum eingezahlten Geld beispielsweise Aktien auszugeben, verteilen die Firmen bei ICOs Einheiten einer Digitalwährung, die die Investoren dann beispielsweise als Zahlungsmittel oder als Wertanlage nutzen können.

In den USA gibt es bereits einen funktionierenden Markt für ICOs, einschlägige Übersichtsseiten listen Dutzende laufende Transaktionen auf. In China wurde den Behörden das Treiben rund um die Digitalwährung Bitcoin kürzlich bereits zu bunt - sie verboten ICOs und ließen den Bitcoin-Preis dadurch kurzzeitig um beinahe 40 Prozent einbrechen.

Mit wysker gibt es nun also auch hierzulande ein erstes ICO. Insgesamt 25 Millionen Dollar will das Berliner Start-up auf diese Weise einsammeln. Um das zu erreichen, hat das Unternehmen eigens eine Digitalwährung namens "wys Token" kreiert, die bei dem ICO unters Volks gebracht wird.

Dass es sich bei dem ICO im Falle wyskers nicht um einen marketing-trächtigen Mode-Gag oder eine Spinnerei besonders techno-affiner Jungunternehmer handelt, zeigt der Blick auf das Gesamtsystem des Unternehmens, in dem die wys Tokens langfristig eine entscheidende Rolle spielen sollen. Sobald die Tokens Anfang 2018 implementiert sind, so der Plan, sollen Nutzer sie als eine Art Rabattschein bei angeschlossenen Online-Shops einlösen können.

Den Shops wiederum eröffnet wysker die Möglichkeit, ihre Produkte über die App sehr gezielt genau jenen Nutzern zu präsentieren, die durch ihr vorheriges Suchverhalten entsprechendes Interesse signalisiert haben. Dabei dürfen die Nutzer selbst entscheiden, ob ihre Suchdaten an die werbenden Produktanbieter weitergereicht werden, so wysker-Chef Haag. Damit sich der Kreislauf schließt, bezahlen die Werber letztlich die wysker-Nutzer wiederum für ihre Offenheit mit wys Tokens.

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