05.10.2017  US-Investmentbank erwägt Handel mit Kryptowährung

Goldman Sachs erwärmt sich für Bitcoins

Von
AFP

Goldman-Chef Lloyd Blankfein lobt die Kryptowährung Bitcoin in einem Tweet und rechnet mit einem revolutionären Wandel des Zahlungssystems. Die Motivation dahinter hat Gründe.

Hypothesen, Theorien und Spekulationen bestimmen den Alltag auf den Finanzmärkten. Gerade Investmentbanken tragen ihre Einschätzungen zu brisanten Themen gerne an die Öffentlichkeit und antizipieren manchmal die eine oder andere Entwicklung. Die New Yorker Investment Bank Goldman Sachs tat dies nun mit einer aufsehenerregenden Nachricht - und zwar zeitgemäß über den Kurznachrichtendienst Twitter. Diesmal ging es um die Kryptowährung Bitcoin, die in diesem Jahr bereits um 360 Prozent zugelegt hat.

Die Meinungen über die digitalen Währungen sind gespalten: Die einen rechnen mit einem neuartigen, dezentralisierten Finanzsystem, das die Welt verändern und bei Investitionen auch noch bahnbrechende Renditen bringen wird. Die anderen prophezeien eine Blase, die der Dotcom-Blase aus dem Jahr 2000 ähnelt und in einem großen Börsencrash enden könnte.

Diese Kontroverse interessiert inzwischen auch Goldman-Chef Lloyd Blankfein. Er ist sich offenbar noch nicht sicher, was er von der Internetwährung halten soll, allerdings - und nun kommt der merkwürdige Vergleich - seien die Menschen ja auch skeptisch gewesen, als das Papiergeld das Gold abgelöst habe.

Bitcoin als neue Ära im Bezahlsystem

Merke: Das Einführen der Banknote bedeutete für Transaktionshandlungen eine bedeutende Wende. Münzen waren alltagsuntauglich und unsicher, ein bequemeres Zahlungsmittel musste her und das Papiergeld als neue Zahlungsform wurde eingeführt.

Der Chef der weltweit tonangebenden Investmentbank spekuliert also darüber, ob der Bitcoin eine neue Ära in der Geschichte des Bezahlens einleiten könnte - was einer Adelung der Kryptowährung gleichkommt. Und die Aussage zeigte Wirkung: Der Preis für Bitcoin stieg nach der Nachricht am Montag um 193 Dollar auf 4365 Dollar je Münze.

Konkurrent JP Morgan hält Bitcoins für "Betrug"

Die Aussage ist auch deshalb überraschend, weil Jamie Dimon, Chef des Goldman-Konkurrenten JP Morgan, erst kürzlich die Währung als Betrug bezeichnete. Und er fügte hinzu: "Ich werde jeden feuern, der mit diesem Produkt handelt." Einerseits verstoße der Handel gegen die Regeln der Bank und zum anderen seien solche Personen dumm - zwei große Gefahren für das Geldhaus.

Blankfein sieht das wohl anders: Er nutzt Twitter eben nicht einfach als sein Tagebuch, in dem er Gefühlslagen und Unsicherheiten preisgibt. Laut dem "Wall Street Journal" hat er viel mehr konkrete Überlegungen, eine neue Geschäftseinheit zu bilden, die sich dem Kauf und Verkauf der digitalen Währung widmet.

Probleme bei den Goldmännern

Die Gründe dafür: Institutionelle Kunden äußern den Wunsch schon seit geraumer Zeit. Auch die kritische Lage des Wall-Street-Giganten, dessen Erträge im Anleihehandel im zweiten Quartal um 40 Prozent zurückgingen, spielt eine große Rolle.

Bitcoin kommt da wie gerufen. Wenn der Anleihehandel, das meist profitabelste Geschäft, nicht so richtig will und das Kreditgeschäft mit Zinsen nahe dem Allzeittief Gewinne und Eigenkapitalrendite auch nicht wirklich verbessert, dann hilft nur: Volatilität. Ein Maß, das gerade Bitcoin auszeichnet. Und Handelsaktivitäten an der Wall Street florieren bei Volatilität.

Goldman verdient gut an Volatilität

Bislang seien die Entwicklungen für eine solche Geschäftseinheit noch in ihren Anfangsstufen, so das Wall Street Journal. Doch bei tatsächlicher Umsetzung könnte das den Status Bitcoins ebenso wie die heiße Debatte über die Kryptowährung noch mehr in die Höhe treiben.

Schon jetzt verdrängen Kryptowährungen einige traditionelle Bankaktivitäten. Viele Start-ups, die ursprünglich Banken engagierten, um an die Börse zu gehen, umgehen die Wall Street nun durch den Verkauf von digitalen Wertmarken anstatt von Aktien.

Solche "Initial Coin Offerings" (ICOs) häuften in den letzten drei Monaten rund 1,3 Milliarden US-Dollar an - ohne dafür Gebühren an Banken zu zahlen.

Obwohl Goldman die Entwicklung hin zu einem Kreditinstitut mit klassischer Prägung forcieren will, ist es nach wie vor ein Finanzkonzern, der weitgehend vom Handel getragen wird. Auch die Ambition in die wilde Welt der Kryptowährungen spiegelt diese Ausrichtung wieder.

Mehr zum Thema