28.03.2017  Teures Ende einer Beziehung

Allianz-Tochter zahlt gefeuertem Bill Gross 81 Millionen

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Bill Gross: Der Gründer und ehemalige Star-Fondsmanager der Allianz-Fondstochter Pimco will 81 Millionen Dollar, die er im Zuge eines Vergleichs erstritten hat, spenden - und noch 19 Millionen Dollar oben drauf legen
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Bill Gross: Der Gründer und ehemalige Star-Fondsmanager der Allianz-Fondstochter Pimco will 81 Millionen Dollar, die er im Zuge eines Vergleichs erstritten hat, spenden - und noch 19 Millionen Dollar oben drauf legen

In der auf Zurückhaltung bedachten Investmentszene nimmt ein lange auch offen ausgetragener Streit ein teures Ende. Die Allianz zahlt Bill Gross 81 Millionen Dollar. Der Pimco-Gründer und ehemalige Starfondsmanager weiß auch diesen Vergleich öffentlich gut zu inszenieren.

Im September 2014 hatte Bill Gross die Allianz-Tochter Pimco verlassen. Danach stritten nur noch die Anwälte. Gut zweieinhalb Jahre später hätte Gross dank eines Vergleichs eigentlich 81 Millionen Dollar (74 Millionen Euro) mehr auf dem Konto. Doch der umstrittene Gründer des einst weltgrößten Anleihehändlers versteht es, auch das Ende des lange öffentlich ausgetragenen Streits mit dem Allianz-Konzern ebenso publikumswirksam in Szene zu setzen: Gross werde auf die Vergleichszahlung um 19 auf 100 Millionen Dollar aufstocken und dann spenden, berichtet Bloomberg.

Gross hatte seinen ehemaligen Arbeitgeber eigentlich auf 200 Millionen Dollar verklagt. Ausgebotet habe man ihn, widerrechtlich aus dem Unternehmen gedrängt. Das hätte seinem Image geschadet und im überwiegend konservativ geprägten Anleihegeschäft unter dem Strich auch Geld gekostet, behauptete Gross, der dann zu dem viel kleineren Rivalen Janus gewechselt war.

Gross' Erfolge als Anleihemanager sind unbestritten. Seit der Gründung von Pimco spielte vor allem sein Flaggschifffonds Total Return über Jahrzehnte Milliarden an Erträgen ein. Kein anderer verstand es so gut, über das bis dato kaum bekannte aktive Anleihen-Management, die Zinsunterschiede bei den Restlaufzeiten der Bonds zu Geld zu machen.

Allianz ließ Gross lange an der langen Leine gewähren

Für einen Versicherer wie die Allianz, der wegen seiner naturgemäß langfristigen Verpflichtungen das Geld ganz überwiegend konservativ und langfristig anlegt, mussten Gross und Pimco geradewegs wie eine Offenbarung erscheinen: Im Jahr 2000 griff die Allianz kurzerhand zu, kaufte Pimco und seinen exzentrischen Chef gleich mit.

Der machte, was man von ihm erwartete, füllte weiter die Kassen - die der Allianz und natürlich die eigenen. Deshalb auch ließ der Konzernvorstand in München Gross an der langen Leine gewähren, gestand ihm maximale Freiheiten zu.

So drückte der Konzernvorstand um Michael Diekmann lange bei Gross' nachgesagten aggressiven Führungsstil beide Augen zu, akzeptierte auch im Vergleich zu deutschen Vorstandgehältern die absurd hohen Vergütungen seines Investment-Guru von bis zu 200 Millionen Dollar jährlich. Zeitweise kassierten die Pimco-Altpartner und Gross gar mehr als die Hälfte des von Pimco in dieser Zeit erwirtschafteten operativen Ergebnisses. So dauerte es gut zehn Jahre, bis Pimco den Einkaufspreis wieder einspielte.

Mit Gross kehrten auch viele Anleger Pimco den Rücken

Doch als Gross mit dem drehenden Zinsmarkt ab dem Jahr 2013 nicht mehr lieferte wie gewohnt und die Anleger zusehends Kapital abzogen, bekam das Verhältnis Risse. Als Gross dann auch noch einige Fehlspekulationen angelastet wurden, kam es zum Eklat.

Dabei schien Gross unter den Anlegern nach wie vor großes Vertrauen zu genießen. Denn mit seinem Weggang zogen sie noch mehr Geld ab und die Allianz-Tochter brauchte lange Zeit, diese offene Wunde zu schließen.

Jetzt, so scheint es, haben Allianz und Gross einen Schlussstrich unter diese lange erfolgreiche, aber auch oft konfliktreiche Beziehung gezogen. Pimco verwaltete nach eigenen Angaben zuletzt 1,5 Billionen Dollar an Investorengeldnern.

rei

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