19.04.2018  Editorial

Li Shufu, Dirk Notheis und ihr Beutezug

Von
Steffen Klusmann, Chefredakteur des manager magazin
David Maupilé
Steffen Klusmann, Chefredakteur des manager magazin

Dirk Notheis, Ex-Deutschland-Chef von Morgan Stanley, galt als verbrannt, weil er beim Verkauf des Energieversorgers EnBW an das Land Baden-Württemberg allzu sehr das Stereotyp des gierigen Investmentbankers bedient hatte. Nun hat er sich zurückgemeldet, mit einem spektakulären Beutezug. Der Transaktionskünstler koordinierte für den chinesischen Automilliardär Li Shufu (Geely, Volvo) den überfallartigen Einstieg bei Daimler. Der Deal hat diverse Eruptionen ausgelöst, wie mein Kollege Thomas Werres herausfand. Und das dürfte nur der Anfang sein. Denn Li Shufu weiß seine Interessen sehr überzeugend durchzusetzen.

Wir haben die Metamorphose Daimlers auf unserem Cover schon mal vorweggenommen, die Rechte am geistigen Eigentum gebühren natürlich Dirk Notheis, ab Seite 24.Thomas Buberl erzählt freimütig, wie er es geschafft hat, mit Mitte 40 als Deutscher in den Olymp einer französischen Institution aufzusteigen. Nur eins verschweigt der Chef des Versicherungsriesen Axa meinem Kollegen Dietmar Palan und mir, als wir ihn um 6. 50 Uhr zum Frühstück treffen: die milliardenschwere Übernahme eines US-Konkurrenten, die er zwei Tage später verkünden wird. Auch den Investoren, die er nach den Croissants mit uns noch sieht, sagt er davon nichts. An den Finanzmärkten löst der Zukauf ein mittelschweres Beben aus. Das Porträt des unerschrockenen Wunderknaben, der sich Dinge zutraut, vor denen Erzrivale und Allianz-Chef Oliver Bäte bislang zurückschreckte, finden Sie ab Seite 44.

Als wir Mitte März eine große Geschichte über Herbert Diess planten, damals noch Markenvorstand bei VW, lautete die Arbeitszeile: "Der wahre Chef". CEO Matthias Müller, so die Erkenntnis meines Kollegen Michael Freitag, hatte sich mit dem Eignerclan derart überworfen, dass seine Wochen gezählt schienen. Drei Tage vor Redaktionsschluss ging dann alles ganz schnell. Müller wurde gefeuert, der wahre Chef auch offiziell zum Boss gekürt. Mit dem harten Sanierer Diess an der Spitze zieht in Wolfsburg wieder Zucht und Ordnung ein, der Mann ist ein zweiter Winterkorn. Ob das gut gehen kann und warum ausgerechnet seine früheren Feinde aus dem Betriebsrat Diess als neuen Anführer wollten, ab Seite 30.

Mein Kollege Christoph Neßhöver hat in Frankreich studiert und etliche Jahre in Paris als Korrespondent gearbeitet. Er erkannte Paris bei seinen Recherchen kaum wieder. Emmanuel Macron hat den Muff von Jahrzehnten einfach weggeblasen. Aus dem Élysée-Palast mit seinem höfischen Ambiente macht Macrons Jugend-Gang ein Start-up-Camp, die alten Ölschinken an den Wänden wirken wie die schräge Kulisse aus einem Hobbit-Film. Musste man sich früher stets durch mehrere Telefonsperren quatschen, um an wichtige Leute zu kommen, schreibt man sie heute einfach auf LinkedIn an. Und bekommt binnen Stunden eine Antwort. Wie Paris zum Schrittmacher in Europa wird, lesen Sie ab Seite 76.

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