14.12.2017 
Editorial

Kaesers Wort und Kaesers Schöpfung

Von
Steffen Klusmann, Chefredakteur des manager magazin
David Maupilé
Steffen Klusmann, Chefredakteur des manager magazin

Strategien müssen nicht immer Resultat eines zähen Prozesses sein. Manchmal entwickeln sie sich auch einfach im Kopf des CEOs. Bei Siemens-Chef Joe Kaeser scheint das jedenfalls so zu laufen. Im vergangenen Februar erklärte er erstmals, dass er den "Tanker" Siemens zu "einem koordinierten und leistungsfähigen Flottenverband" umzubauen gedenke. Das wurde seither überall zitiert. Inzwischen mutet Kaeser der Begriff offenbar zu militärisch an, jedenfalls hat er in unserem Interview den Verband in einen Verbund umtaufen lassen. Klingt gleich viel sympathischer. Wie dieser Flottenverbund ausgestaltet sein soll, also was Kaeser nach all den Radikalumbauten der letzten Jahre noch vorhat, verriet er Angela Maier und mir bei einem langen Gespräch in seinem Münchener Büro.

Eine Büroimmobilie, die nie genutzt wurde, Sängerinnen, die vor allem dem Gründer gefielen, sündhaft teure Flüge mit Privatjets, obwohl man selbst eine Airline betrieb - Air-Berlin-Patriarch Joachim Hunold und seine Mitstreiter haben über Jahre ein bizarres Geschäftsgebaren an den Tag gelegt, wie mein Kollege Michael Machatschke bei seinen Recherchen herausfand. Mit Unfähigkeit allein lässt sich das kaum noch erklären. Auch der Insolvenzverwalter ist stutzig geworden und stellt Nachforschungen an. Wie die Gang um Hunold Air Berlin ausnahm und die Fluglinie zugrunde richtete, lesen Sie ab Seite 46.

Masa Son ist einer dieser Alles-Oder-Nichts-Typen. Sein Konzern SoftBank mischt von Mobilfunk bis künstliche Intelligenz in vielen Tech-Sektoren mit, stets mit dominanter Note. Das bekam Telekom-Chef Tim Höttges zu spüren bei den gescheiterten Fusionsverhandlungen mit der SoftBank-Tochter Sprint, und das erleben gerade die Investoren des angeschlagenen US-Fahrdienstvermittlers Uber, denen Son ihre Anteile zum Discountpreis abkaufen will. Amazon-Boss Jeff Bezos wollte sich auf einen Deal mit dem Japaner daher nie einlassen. Meinem Kollegen Philipp Alvares de Souza Soares hat die verschwiegene SoftBank-Führung nun seltene Einblicke gewährt. Unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen: Für den Aufzug in der Tokioter Zentrale musste er einen QR-Code scannen, den er zuvor via E-Mail bekommen hatte. Der Fotograf musste eine Binde am Oberarm tragen, außer den Interviewten durften auf den Fotos keine Gesichter zu erkennen sein. Bei den Gesprächen waren die SoftBank-Granden dann aber erstaunlich offen. "Der digitale Samurai" lesen Sie ab Seite 70.

John Malone als Kabeltycoon zu bezeichnen wäre maßlos untertrieben. Der 76-jährige Unternehmer und Investor ist der Gegenpart zu Warren Buffett, nur noch erfolgreicher. Während Buffett vor allem in Old-Economy-Firmen investiert, sammelt Malone mit seiner Liberty-Holding Techcompanies, die das Zeug haben, gegen Google und Facebook zu bestehen. 100 Milliarden Dollar wurden ihm kürzlich erst für seinen Kabelnetzbetreiber Charter Communications geboten. Mark Böschen hat sich Malone und dessen Truppe in New York mal genauer angesehen. Wie Privatanleger von dem Cowboy-Investor profitieren können, schildert er ab Seite 116.

Kritik - unangebracht. Der Luxuskonzern Prada gilt in Italien als eine Art Heiligtum und möchte auch so behandelt werden. Wem es an Ehrfurcht mangelt, der wird abgestraft. Entsprechend devot gehen Journalisten mit Chefdesignerin Miuccia Prada und ihrem Gatten, dem CEO Patrizio Bertelli, um. Die beiden haben aus Prada eine Weltmarke gemacht, aber zuletzt alle Krisensignale ignoriert - vor allem der für seinen Jähzorn berüchtigte Bertelli. Nun ist Prada ein Sanierungsfall, und es hagelt Kritik, die sich nicht mehr unterdrücken lässt: von den Investoren. Wie Bertelli um sein Lebenswerk ringt, schildert meine Kollegin Ursula Schwarzer ab Seite 42.

Die einflussreichsten Frauen der deutschen Wirtschaft kürt mm nun schon im dritten Jahr, gemeinsam mit einer hochkarätigen Jury und der Beratung BCG. Begonnen haben wir mit 50 Frauen, diesmal sind es 100. Ein Beleg dafür, dass die Debatten um gläserne Decken und Quoten - zumindest langsam - Wirkung entfalten. Meine Kollegin Eva Buchhorn hätte die Liste der Top 100 auch locker erweitern können.

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