Chefsache

Die Welt ist rund

Von
mm-Chefredakteur Steffen Klusmann (rechts) mit den Stellvertretern Martin Noé (links) und Sven Clausen (Mitte)
manager magazin
mm-Chefredakteur Steffen Klusmann (rechts) mit den Stellvertretern Martin Noé (links) und Sven Clausen (Mitte)

Liebe Leserinnen und Leser,

seit gut drei Jahren gibt es nun diese Kolumne und endlich kann ich mal über ein Thema schreiben, bei dem ich mich wirklich auskenne: Fußball.

Die Fußball-Medien-Industrie versucht die Sache seit Jahren in immer schmuckeren Schläuchen zu verkaufen. Wo früher schlicht "früh angegriffen", höchstens "foregecheckt" wurde, wird inzwischen "hoch gestanden", "gegengepresst", "früh angelaufen" oder gar "ballorientiert verteidigt".

Den Reiz des Spiels transportiert aber tatsächlich immer noch am besten der schlichte Satz Sepp Herbergers: "Der Ball ist rund, und ein Spiel dauert neunzig Minuten." Innerhalb eines festen, aber weiträumigen Regelwerks ist alles möglich. Es gibt Chancengleichheit.

Es ist unerheblich, dass Deutschland vor vier Jahren Weltmeister wurde und Mexiko im Achtelfinale ausschied. Für deren Spiel am Sonntag ab 17 Uhr heißt das gar nichts. Das wird akzeptiert, weil das Regelwerk akzeptiert ist.

Hilft uns das jetzt, in der aktuellen Weltlage? Natürlich ist Fußball Fußball, Wirtschaft ist Wirtschaft und Politik ist Politik. Aber keine Nation würde ernsthaft fordern, mit zwölf Spielern spielen, ein kleineres Tor aufstellen oder sich pro Spieler vier gelbe Karten leisten zu dürfen. Es sei denn, sie hat Gefühl und Belege, der Gegner hat auch seine Sonderregeln.

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In dieser Situation sind wir weltpolitisch gerade und sie macht es derzeit auf so vielen Ebenen unmöglich, dass die Nationen überhaupt konstruktiv miteinander umgehen. Wie eine Fußball-Weltmeisterschaft ohne ein gemeinsames Verständnis des Regelwerks.

Ich würde nicht darauf setzen, dass dies ein flüchtiges Phänomen ist. Wenn ein Partner ein Regelwerk für unfair hält oder die Ergebnisse, die es regelmäßig zeitigt, und meint, Belege dafür zu haben, hilft es nicht, auf eben dieses Regelwerk zu pochen. Dann muss man entweder eindeutige Gegenbelege liefern oder das Regelwerk ändern.

Dabei sollte man natürlich einen Rahmen setzen, über den ein Regelwerk nicht hinausgehen sollte (Gewaltverzicht beispielsweise). Aber dieser Rahmen muss vielleicht weiträumig sein und Raum für Überraschungen lassen, selbst unliebsame.

Sonst wäre Deutschland 1954 auch nicht Weltmeister geworden und die Republik hätte sich womöglich anders entwickelt.

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Ihr

Sven Clausen


Chefsache ist der wöchentliche Newsletter aus der Chefredaktion des manager magazins.

Jeden Freitag Nachmittag kommentieren abwechselnd Sven Clausen, Steffen Klusmann und Martin Noé die vergangene Woche und geben einen Ausblick auf die kommende Woche.

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