Kolumne "Chefsache"

Volkswagens Schattenmänner

Von
Martin Noé, Chefredakteur des manager magazins
Henning Kretschmer für manager magazin
Martin Noé, Chefredakteur des manager magazins

Geschätzte Leserinnen und Leser,

Potsdam, ein Neubau, kühle Architektur, alles sehr aufgeräumt, fast klinisch. Im Flur hängt ein Bild der Avus, auf der Rennstrecke fahren Auto-Union-Rennwagen. Vor dem Haus stehen ein BMW X5 und ein Mini. Stefan Knirschs Dienstwagen haben die Audi-Leute abgeholt, einen Tag nachdem dem damaligen Entwicklungschef im September 2016 gekündigt worden war. Knirsch hatte schon einen Vertrag als Daimler-Vorstand, dann ging er zurück zu Audi. Der Ingenieur war einer der besten Automanager seiner Generation, heute ist er eine von rund 70 VW-Größen, gegen die Staatsanwaltschaften wegen des Dieselskandals ermitteln.

Martin Winterkorn
Stefan Thomas Kroeger/laif
Martin Winterkorn

Mein Kollege Michael Freitag hat über Monate recherchiert, wie der damalige VW-Boss Martin Winterkorn und all die anderen mit den Vorwürfen umgehen. Die meisten streiten ab, dass sie irgendetwas mit den Manipulationen zu tun haben, fast alle sind arbeitslos oder Rentner, sie haben Angst. Ihr früherer Arbeitgeber, der wieder sehr gut verdient, hat die Schattenmänner aus Selbstschutz fallen lassen. "Mein Mann ein Betrüger?", sagt Knirschs Frau Anika, "der fährt nicht mal schwarz mit der Straßenbahn." Wer Schuld trägt und wer zu Unrecht sein altes Leben verlor, können nur die Gerichte entscheiden. Gestraft sind schon jetzt alle, wie unsere Titelgeschichte beschreibt: "Unter Wölfen".

Uli Hoeness
ullstein bild/Getty Images
Uli Hoeness

Als MM-Redakteurin Angela Maier Mitte Februar bei Uli Hoeneß anfragte, ob er für eine Geschichte zur Verfügung stehe, rief der Präsident des FC Bayern München gleich zurück und versuchte sie zu vertrösten: "Derzeit geben wir keine Interviews, da wir uns mit der Vorbereitung des Generationswechsels beschäftigen." Zur Jahresmitte, wenn alles fertig sei, gern, so Hoeneß. Maier und ihr Kollege Christoph Neßhöver ließen sich davon nicht abhalten. Ihre Recherchen im Bayern-Umfeld, bei Anteilseignern sowie Fußballspitzenfunktionären ergaben das Bild eines zunehmend autokratischen Patriarchen, der zur Belastung für sein Lebenswerk wird. Etliche Fragen hat Uli Hoeneß - kurz vor dem frühen Ausscheiden aus der Champions League - dann doch noch beantwortet, sogar ausgesprochen freundlich. "Mia bin i".

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Herzliche Grüße, Ihr

Martin Noé


Chefsache ist der wöchentliche Newsletter aus der Chefredaktion des manager magazins.

Jeden Freitagnachmittag kommentieren abwechselnd Sven Clausen und Martin Noé die vergangene Woche und geben einen Ausblick auf die kommende Woche.

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