18.01.2018 
Editorial

Lidls Rolle rückwärts

Von
Steffen Klusmann, Chefredakteur des manager magazin
David Maupilé
Steffen Klusmann, Chefredakteur des manager magazin

Klaus Gehrig, Chef der Schwarz-Gruppe und Herrscher über Lidl und Kaufland, hat ein sehr spezielles Führungsprinzip: Er setzt seinen Topleuten - auch sehr jungen - ambitionierte Ziele und lässt sie dann laufen. Genügen sie seinen Ansprüchen nicht, werden sie - finanziell abgefedert - gefeuert. Das System sei so leistungsfähig, glaubt Gehrig, dass es schwere Fehler verhindere. Doch dieses Kalkül ist zuletzt nicht aufgegangen. Der Discountriese Lidl und auch Kaufland haben ein grausames Jahr hinter sich. Ein teurer Patzer reihte sich an den nächsten. Er übernehme die volle Verantwortung, sagt "Handelskrieger" Gehrig (mm 1/2017) im Gespräch mit uns, schließlich habe er viel zu spät eingegriffen. Die strategische Kehrtwende, die er nun einleitet, schildern Sören Jensen und Ursula Schwarzer in unserer Titelgeschichte ab Seite 22.

Jim Hagemann Snabe ist der einzige Chefkontrolleur im Dax, mit dem es mm-Redakteurin Angela Maier bisher geschafft hat, sich auf LinkedIn zu vernetzen. Der Däne mit dem Faible für soziale Netzwerke, der zwischenzeitlich mal Co-Chef von SAP war, folgt bei Siemens Ende Januar 2018 auf Gerhard Cromme. Nach dem machtbewussten Stahlbaron nun also der nette Techie. Kann so einer dem fast schon allmächtigen Joe Kaeser überhaupt Paroli bieten? Angela Maier durfte sich ein Bild machen. Ihr Snabe-Porträt finden Sie ab Seite 30.

Sie haben mal geboxt, waren mal im Silicon Valley oder haben irgendwas mit Bildung gemacht? Na, dann werden Sie doch Digitalberater. Der Bedarf an Leuten, die den Unternehmen helfen, sich zu transformieren, ist enorm. Dass viele vermeintliche Experten nur mit dämlichen Buzzwords um sich werfen? So what! Vorstände lassen sich gern einwickeln, haben meine Kollegen Philipp Alvares und Eva Müller herausgefunden. "Die Rattenfänger von Digitalien" - ab Seite 68.

BMW-Chef Harald Krüger hat sich einiges vorgenommen fürs neue Jahr. Vor allem: Führungsstärke vorleben. Er habe die freien Tage genutzt und ein paar klare Entschlüsse gefasst, erklärte er meinen Kollegen Michael Freitag und Martin Noé, noch bevor die ihre erste Frage stellen konnten. "Wir wollen die Nummer eins sein, überall", kündigte der CEO an. Darauf werde er sein Team verpflichten. Am Nachmittag sei Vorstandssitzung, da würden einige ins Schwitzen kommen. Der Mann, der vielen im Haus als zu soft und teamorientiert gilt, zeigt Härte. Krügers Kampfansage an seine Kritiker und an die erfolgsverwöhnten Kollegen von Daimler - ab Seite 40.

Beim zweiten Besuch binnen weinger Wochen fiel Lutz Meier im Büro von Berlinale-Direktor Dieter Kosslick sofort der Gitarrenkasten am Boden auf. Darin: eine Telecaster für 15.000 Euro. Männer, denen es schlecht geht, müssten sich was gönnen, erklärte Kosslick und hob zu einer beispiellosen Wutrede auf seine Kritiker an, die auch meine per Telefon zugeschaltete Kollegin Gisela Freisinger amüsiert mit anhörte. Kosslick hat das Filmfest in Berlin zum wohl bedeutendsten Glamourkonzern der Republik gemacht, nun wird er vom Kulturapparat verjagt. Seinem Nachfolger übergibt er eine Berlinale, die trotz aller Erfolge existenzgefährdet ist. Warum, schildern Meier und Freisinger - ab Seite 100.

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