Chefsache

Eine schrecklich nette Familie

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mm-Chefredakteur Steffen Klusmann (Mitte) mit den Stellvertretern Sven Clausen (links) und Martin Noé (rechts)
manager magazin
mm-Chefredakteur Steffen Klusmann (Mitte) mit den Stellvertretern Sven Clausen (links) und Martin Noé (rechts)

Werte Leserinnen und Leser,

Dass es schwer werden würde, Ferdinand Piëch als Antreiber, Spiritus Rector und Regenten von Volkswagen zu ersetzen, war klar. Dass seine Nachfolger sich so schwertun würden, die Lücke zu füllen, überrascht dann doch. De facto wird Europas größter Autohersteller von seinen beiden Eignerfamilien weder geführt noch ordentlich kontrolliert. Mitreden wollen sie natürlich schon, bei Verkäufen, beim Personal, bei der Elektrostrategie. Im Topmanagement löst das inzwischen mehr Disruptionen aus als der Dieselskandal. "Sie werden zur Last", sagt einer. Warum der Zwölf-Marken-Konzern trotz zuletzt guter Zahlen auf eine ernste Führungskrise zusteuert, schildert mein Kollege Michael Freitag in unserer Titelgeschichte "Ein Clan ohne Plan" ab Seite 32.

Allzu oft kommt es nicht vor, dass die Private-Equity-Legende Cerberus Journalisten Einblick in ihre New Yorker Zentrale gewährt. Eigentlich: nie. Für mm-Redakteur Tim Bartz machten die Höllenhunde, seit Kurzem Großaktionär der Commerzbank, eine Ausnahme. COO Mark Neporent empfing Bartz in Downtown Manhattan, und der war überrascht, wie unprätentiös der Finanzinvestor dort residiert. Kein Pomp and Circumstance soll vom Geschäftemachen ablenken. Warum Cerberus jetzt ausgerechnet Europas Bankenmarkt aufmischt, lesen Sie in unserem Inside-Report ab Seite 68.

Gegen das, was in der Bitcoin-Szene gerade abgeht, war der Dotcom-Boom zur Jahrtausendwende ein Seifenbläschen. Abenteurer, Zocker, Hedgefonds und selbst seriöse Wagniskapitalgeber pumpen Start-ups mit Kryptowährungen auf, sodass die quasi über Nacht an neunstellige Summen kommen. Mein Kollege Jonas Rest traf in Berlin-Mitte einige der Goldgräber, die in einer WG zusammenleben. Während des Gesprächs verfolgten die Bitcoin-Schürfer ständig die Kurse ihrer Digitaldevisen auf dem Smartphone. Es war ein hochvolatiler Tag. Nach einigen Stunden sprangen die Jungs vom Küchentisch auf und klatschten sich ab: Sie hatten gerade jene Millionen zurückgewonnen, die sie am Morgen verbrannt hatten. Der 21-jährige Gründer der Währung IOTA, die Milliarden wert ist, schließt seine Deals (mit Volkswagen etwa) vom Sofa aus ab, ein Büro hat er nicht. Das Kerlchen hat mit IOTA mehr Millionäre hervorgebracht als jeder Börsengang eines Berliner Digitalkonzerns. Wie irre es in der Szene zugeht, berichtet Rest ab Seite 82.

Andreas Pohl haben viele unterschätzt. Sein Vater Reinfried Pohl hatte mit der DVAG den schlagkräftigsten Finanzvertrieb der Republik geschaffen. Als er vor drei Jahren starb, übernahm Andreas. Nie im Vorstand, immer im Schatten des alten Herrn. Von nun an geht's bergab, hieß es allenthalben. Der Junior hat die Zweifler eines Besseren belehrt. Trotz niedriger Zinsen und strenger Regulierer läuft die DVAG auf Hochtouren, als letzte Verkäuferarmee ihrer Art. Meinem Kollegen Dietmar Palan hat sich Pohl nun erstmals geöffnet und erzählt, wie es war, das Erbe des Übervaters anzutreten. Das Porträt lesen Sie ab Seite 42.

Herzlichst Ihr

Steffen Klusmann


Chefsache ist der wöchentliche Newsletter aus der Chefredaktion des manager magazins.

Jeden Freitag Nachmittag kommentieren abwechselnd Sven Clausen, Steffen Klusmann und Martin Noé die vergangene Woche und geben einen Ausblick auf die kommende Woche.

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