Kolumne "Chefsache"

Ein unwiderstehlicher Sommer

Von
mm-Chefredakteur Steffen Klusmann (Mitte) mit den Stellvertretern Sven Clausen (links) und Martin Noé (rechts)
manager magazin
mm-Chefredakteur Steffen Klusmann (Mitte) mit den Stellvertretern Sven Clausen (links) und Martin Noé (rechts)

Werte Leserinnen und Leser,

Eine Notlösung kann sich manchmal auch als Volltreffer herausstellen. Beim Hotelportal Booking.com war das so. Eigentlich hätte der US-Konzern Priceline Mitte der 2000er Jahre gern die Reiseseite Venere aus Italien gekauft. Doch die war schon mit dem Rivalen Expedia liiert. Es blieb nur dieses hässliche Portal aus Amsterdam. Ein ungewollter Glücksgriff. Venere wurde eingestellt, Booking.com stieg zu einem Google des Reisens auf. Kein Touristikkonzern ist so mächtig, profitabel und wertvoll wie die Holländer mit der amerikanischen Mutter. Und keiner weckt mehr Ängste vor einem neuen, globalen Monopol. Was Booking.com so unwiderstehlich und gefährlich macht, lesen Sie in der Titelgeschichte von Michael Machatschke ab Seite 28.

Im Video: Booking.com auf dem Weg zum Monopol

Hendrik Riehmer, die treibende Kraft hinter der wilden Expansion der Hamburger Privatbank Berenberg, ist Rampensau und Phantom zugleich. Während er im Handelssaal zum Derwisch wird, sucht man ihn auf den Sommerfesten der deutschen Wirtschaft vergebens, klassisches Networking ist ihm zuwider. Was dem Dealflow nicht nützt, fliegt aus dem Kalender. Entsprechend reserviert reagierte er auf die Porträtanfrage meiner Kollegen Tim Bartz und Sven Clausen. Als er sich doch entschloss mitzumachen, ließ er sich tief in die Seele blicken. So gelang den beiden eine beeindruckende Nahaufnahme von einem, der sich vom Schalterangestellten der Hamburger Sparkasse zum bestbezahlten Banker der Republik hochkämpfte, der alle am liebsten duzt, bei Gänseküken schwach wird und mit 1500 Kalorien am Tag auskommt. "The Wolf of Jungfernstieg", ab Seite 36.

Disruption ist keine Deutsche Disziplin. Das haben meine Kollegen Philipp Alvares, Michael Kröher und Christian Schütte einmal mehr festgestellt, als sie recherchierten, wie Berlin und Paris die Digitalisierung vorantreiben. Während Emmanuel Macron gemeinsam mit dem Tech-Milliardär Xavier Niel eine weltweit beachtete Digitaloffensive startet und daheim von der Szene als Messias gefeiert wird, überlässt die Bundesregierung das Thema weitgehend sich selbst. Die Gegend um Karlsruhe und Saarbrücken etwa gilt dank ihrer Topforscher zwar als führend bei künstlicher Intelligenz, nur für die Kommerzialisierung der Ideen scheint mal wieder keiner zuständig. Sie steckt im föderalen Provinzialismus fest. Geradezu fahrlässig für ein Land, das sein Schicksal an die Neuerfindung seiner Industrie knüpft (4.0, Sie erinnern sich). Vielleicht reden ja auch wir bald nur noch ehrfürchtig von Macronomics, ab Seite 72.

Wer Ibiza hört, denkt an Hippies, Kreative oder Showstars. Und natürlich Party. Ibiza ist von jeher mehr Statement als Urlaubsort. Nun entdeckt auch die Business-Society die Insel für sich. Während die Schwester Mallorca eher den gediegenen deutschen Geldadel anzieht, versammelt sich auf Ibiza der wildere Teil des Wirtschaftsjetsets. Was diese Gentrifizierung mit der Insel macht und wie der Zirkus der Milliardäre am Laufen gehalten wird, schildert Gisela Maria Freisinger ab Seite 98.

In eigener Sache Bei der wichtigsten Reichweitenuntersuchung hat manager magazin noch einmal zugelegt. Jede Ausgabe wird nun von 312.000 Entscheidern gelesen. Damit sind wir die Nummer eins im Wirtschaftssegment, vor "Handelsblatt", "Wirtschaftswoche" und "Capital". Liebe Leser, vielen Dank für das Vertrauen.

Herzlichst Ihr

Steffen Klusmann


Chefsache ist der wöchentliche Newsletter aus der Chefredaktion des manager magazins.

Jeden Freitag Nachmittag kommentieren abwechselnd Sven Clausen, Steffen Klusmann und Martin Noé die vergangene Woche und geben einen Ausblick auf die kommende Woche.

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