27.09.2018 
Harter Wettbewerb für Berliner Vorzeigeunternehmen

Investoren verlieren die Geduld mit Zalando

Von und
Etwas zerknittert ist derzeit nicht nur dieses Paket von Zalando.
DPA
Etwas zerknittert ist derzeit nicht nur dieses Paket von Zalando.

Zalando will wachsen, doch der Wettbewerb ist hart. Gleichzeitig muss der Modehändler effizienter werden, denn die schlechteren Margen verzeihen die Anleger nicht.

Es ist Ware, die weg soll. Viel Ware. Die Mitarbeiter mit den orangefarbenen Bändchen um den Hals quetschen noch mehr goldbekettete Handtäschchen auf den Wühltisch neben der Kasse. Andere versuchen, in die Kleiderstangen voller verknitterter Tops zumindest einen Hauch Ordnung zu bringen. Am Mitarbeitereingang stapeln sich die Kartons mit Kleidung meterhoch. Das neue Zalando-Outlet an der Hamburger Poststraße quillt über. "Es ist total chaotisch hier", sagt eine Kundin. Ihre Freundin pflichtet bei: "Man findet nichts."

Pünktlich zum zehnjährigen Bestehen läuft es nicht mehr so rund bei dem einstigen Samwer-Investment. Erst wenige Tage ist es her, dass Zalando seine Gewinnprognose für das Jahr nach unten korrigieren musste. Der Modehändler hatte bereits Anfang August mit einer pessimistischeren Umsatzeinschätzung seine Aktie auf Talfahrt geschickt. Fast 30 Prozent hat das Papier seither an der Börse verloren.

Verziehen hatten Anleger geringere Gewinne bisher, wenn das Wachstum gestimmt hat. Doch es soll am Jahresende am unteren Ende des Zielkorridors von 20 bis 25 Prozent liegen - und statt der ursprünglich angepeilten 220 bis 270 Millionen Euro rechnet Zalando mittlerweile nur noch mit 150 bis 190 Millionen Gewinn. Den Grund sieht das Unternehmen im "langen und heißen Sommer".

Dass sich viele Kunden bei den Temperaturen lieber im Schwimmbad oder der Eisdiele tummeln, statt im Internet zu shoppen, ist klar. Auch, dass Zalando deswegen eine Menge Saisonware deutlich billiger verschleudern muss als ursprünglich geplant. Doch Marktbeobachter finden das Argument allein nicht überzeugend. Commerzbank-Analyst Andreas Riemann war negativ davon überrascht, den Durchschlag des Wetters so stark in den Zahlen zu sehen. Laut Riemann zeige die Gewinnwarnung auch, dass es für Zalando teurer geworden sei, schnell zu wachsen.

"Do more with less"

Der Druck scheint der Zalando-Führung bereits vor dem Sommer bewusst gewesen zu sein. So lautet die Aufforderung an die Mitarbeiter seit mehreren Monaten: "Do more with less" - macht mehr mit weniger. Das Wachstum soll effizienter werden, heißt es von Insidern gegenüber manager-magazin.de. Statt monatlich Horden unerfahrener Mitarbeiter einzustellen, soll Zalando nun darauf setzen, routinierte Fachkräfte zu gewinnen. Ein Sprecher bestätigt das auf Anfrage. "Der Hintergrund der Aussage ist aber vor allem, dass sich die Abteilungen genau ansehen sollen, wo sie investieren, damit es zum besten Ergebnis führt."

Die Marketingabteilung strukturierte Zalando bereits im März um und entließ rund 250 Mitarbeiter. Von den geplanten 2000 Neueinstellungen in diesem Jahr hat das Unternehmen im ersten Halbjahr erst etwa ein Drittel umgesetzt.

Dass die aktuelle Schwäche allein dem Wetter geschuldet ist, glaubt auch die ehemalige Unternehmensberaterin Tina Weber nicht. Die Professorin für internationalen Modehandel von der Hochschule Reutlingen sieht Zalando neben Dickschiffen wie Amazon auch mit immer mehr kleineren, agilen Wettbewerbern konfrontiert, die sich teilweise auf Nischen konzentrierten. "Das Geschäft ist zuletzt immer schneller und dynamischer geworden." Eine Herausforderung für Zalando, das sich mittlerweile zu einem Schwergewicht im Onlinemodehandel mit mehr als 15.000 Mitarbeitern entwickelt hat.

Da manövriere es sich nicht mehr so schnell wie als schlankes Start-up, sagt Weber. "In einer Größe wie Zalando die Prozesse einfach zu halten, agil und innovativ zu bleiben und die großen Trends rechtzeitig zu erkennen und auf sie aufzuspringen, ist eine echte Herausforderung".

1 | 2

Mehr zum Thema