25.09.2018 
Steuer auf das Bezahlen per Handy

Wie Uganda den eigenen Aufschwung abwürgt

Von Judith Henke
Ein Mobile Money Agent neben seinem Stand im ugandischen Distrikt Kisoro. Die neuen Steuern bedrohen seinen Job.
AFP
Ein Mobile Money Agent neben seinem Stand im ugandischen Distrikt Kisoro. Die neuen Steuern bedrohen seinen Job.

Bezahlen per Handy ist für Afrikas Kleinunternehmer ein Segen. Ugandas Regierung gefährdet die Erfolgsgeschichte jedoch mit einer neuen Steuer.

An einer befahrenen Straßenecke in Ugandas Hauptstadt Kampala hat Kimeze Musa einen kleinen Stand. Was er dort anbietet, könnte mit einer Bankfiliale verglichen werden. Jeden Tag kommen bei Musa Kunden vorbei und bringen ihm Bargeld. Seine Aufgabe ist, dass der Geldbetrag auf ihrem Handy landet - denn dort befindet sich ihr Konto.

Kimeze Musa ist ein Mobile-Money-Agent und profitiert von einem Trend, der in großen Teilen Afrikas das Bezahlsystem revolutioniert und damit die gesamte Wirtschaft befeuert hat: Mobile Money.

Allein im rund 40 Millionen Einwohner starken Uganda zahlen rund 60 Prozent der Menschen mittlerweile nicht mehr bar oder mit Kreditkarte, sondern per Handy. Überweist ein Ugander seine Miete oder die Schulgebühren für seine Kinder, gibt er bei der Überweisung keine Kontonummer an, sondern eine Handynummer.

60 Prozent der Ugander zahlen per Handy

Von der kenianischen Mobilfunkfirma Safaricom 2007 in Kooperation mit Vodafone entwickelt, sollte Mobile Money zunächst dazu dienen, Mikrokredite unkomplizierter zurückzuzahlen. Schnell entdeckten die Kenianer aber, dass ein Handykonto weitere Vorteile hat: So konnten sie einfacher Geld an Verwandte auf dem Land verschicken, wo es nur wenige Bankfilialen gibt. Schnell übernahmen Mobilfunkfirmen in anderen afrikanischen Ländern den Service, in Uganda ist die südafrikanische MTN der Marktführer.

"Ich höre auf", sagte Kimeze Musa. Seit Anfang Juli lohnt sich für ihn das Geschäft mit dem mobilen Geld nicht mehr. So wie er könnten auch tausende andere Mobile Money Agenten im ganzen Land ihren Job verlieren. Denn Yoweri Museveni, 74 Jahre alt und seit 30 Jahren Ugandas Präsident, hat das Bezahlen per Handy hoch versteuert.

Ab dem 1. Juli zahlten Ugander eine Steuer von jeweils 1 Prozent auf zwei Transaktionen, die zumeist in einem Zug geschehen: Geldabheben vom Handykonto und die darauffolgende Überweisung. Nach Protesten wurde die Steuer auf jeweils 0,5 Prozent gesenkt. Zusätzlich zahlen Ugander auch eine Mehrwertsteuer auf Mobile-Money-Transaktionen. Diese hatte die Regierung bereits einige Monate zuvor erhöht - von 10 auf 15 Prozent.

Steuer stranguliert Handel

Musevenis Steuer trocknet nicht nur die Mobile-Money-Branche aus, sondern schlingt sich wie eine Fessel um die kleineren und mittleren Gewerbetreibenden. Deren Handel und Austausch untereinander wird durch die Steuer stranguliert. Unternehmen, die Konsumgüter herstellen, können eine größere Menge produzieren, wenn ihnen Lieferanten einen Handelskredit gewähren. Mit Mobile Money gibt es ein System, mit dem Zahlungen einfach und nachvollziehbar sind. Die gesamtwirtschaftliche Produktion steigt alleine aufgrund der neuen mobilen Zahlungsmöglichkeit um knapp 0,5 Prozent an, schätzen Ökonomen in einer Analyse für die linksliberale Denkfabrik Center for Economic and Policy Research (CEPR).

Zwar gibt es in Uganda ein Bankensystem, doch in den ländlichen Gebieten sind Bankfilialen sehr spärlich. In manchen Dörfern gibt es weder ein stabiles Strom- noch Kabelnetz, daher gestalten sich Online-Bankgeschäfte ebenfalls schwierig. Aber immerhin funktioniert das Mobilfunknetz: Deswegen besäßen rund 90 Prozent der Ugander ein Handy oder Smartphone, sagt Lillian Nalwoga, Vorsitzende des Internet Society-Sitzes in Uganda: "Mit Mobile Money konnten die Mobilfunkanbieter eine Versorgungslücke schließen." Seit 2007 Mobile Money eingeführt wurde, habe sich die Zahl der finanziell miteinbezogenen Ugander verdoppelt, so der aktuelle Finscope-Report der Non-Profit Kreditanstalt Finmark.

Mehr Menschen, die von überall aus schnell zahlen können - für den Online-Handel in Uganda bedeutet das mehr potenzielle Kunden, mehr Gewinne. Auch Start-ups, die Plattformen für E-Health, E-Government oder E-Education anbieten, haben durch Mobile Money nun eine Wachstumsgrundlage.

Doch das Ziel, dass die Internet- und Kommunikationsbranche die Wirtschaft Ugandas ankurbeln könnte, ist nun wieder in die Ferne gerückt. So überdenkt Facebook seit Start der Steuer eine eigentlich schon beschlossene großflächige Investition in den Breitbandausbau. Der US-Konzern hat erst einmal eine Studie zu den Folgen der Mobile-Money-Steuer in Auftrag gegeben. Die dazu von Research ICT Solutions erhobenen Daten sind bisher die ersten, die aufzeigen, welche Folgen die Besteuerung mobilen Bezahlens auf die ugandische Wirtschaft hat.

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