02.08.2018 
Facebook-Tochter stellt Business API vor

Endlich Geld verdienen - Whatsapp führt Werbung ein

Whatsapp-Chatverlauf
DPA
Whatsapp-Chatverlauf

19 Milliarden Dollar hat Facebook im Jahr 2014 für Whatsapp gezahlt - nun will der Konzern mit den mittlerweile 1,5 Milliarden Nutzern des Dienstes Geld verdienen. Ab dem kommenden Jahr will Whatsapp Werbung schalten, sagte COO Matt Idema im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Diese Anzeigen sollten allerdings nicht in privaten Nachrichtenverläufen, sondern im Status-Bereich geschaltet werden. Das Feature, das vom Erfolg von Snapchat inspiriert ist, wird aktuell von rund 450 Millionen Menschen genutzt.

Whatsapp wird es zudem künftig größeren Firmen ermöglichen, über den Kurzmitteilungsdienst im großen Stil direkt mit Kunden zu kommunizieren. Das kündigte die Facebook -Tochter am Mittwoch in Mountain View an. Zu den ersten Unternehmen, die den neuen Dienst "Whatsapp Business API" in Anspruch nehmen, gehören die Fluggesellschaften KLM und Singapore Airlines, das Online-Reiseportal Booking.com, die Einkaufsplattform Wish sowie der Fahrdienstleister Uber. Online-Händler können über die Schnittstelle beispielsweise die Kunden in Echtzeit über den Verlauf der Paketzustellung informieren, Whatsapp wird gewissermaßen zur Alternative zum Callcenter.

Um mit den Firmen in Kontakt treten zu können, müssten die Anwender der Kommunikation zustimmen, betonte Idema. Damit würden auch die Vorgaben der Europäischen Datenschutzgrundverordnung umgesetzt. Die Kommunikation laufe wie immer verschlüsselt und sicher ab, Whatsapp bekomme die Inhalte nicht zu sehen.

"Die Anwender sollten sich allerdings darüber bewusst sein, dass sie nicht mit einer Privatperson chatten, sondern einem Unternehmen Informationen zur Verfügung stellen." Whatsapp-Nutzer könnten Firmen, die sie nach vorheriger Einwilligung kontaktieren, jederzeit mit einem Klick blockieren. "Diese Wahl wird selbstverständlich respektiert."

Werbe-Unmut: Gründer ließen 1,3 Milliarden Dollar liegen

Die Öffnung des Dienstes für potenzielle Werbe-Erlöse hatte erst Ende April für ein personelles Beben bei Whatsapp gesorgt, als Mitgründer Jan Koum das Unternehmen verließ. Zuvor war auch schon der andere Gründer Brian Acton gegangen. Die beiden hatten es dabei eilig: 1,3 Milliarden Dollar hätten ihnen in Form von Aktienoptionen zugestanden, wenn sie es nur ein paar Monate länger bei Facebook ausgehalten hätten. Das "Wall Street Journal" zitierte Acton mit den Worten, er habe verhindern wollen, dass aus Whatsapp nur eine weitere Verteilmaschine von Werbeanzeigen werde.

Im Januar hatte Whatsapp bereits einen Business-Service für kleinere Unternehmen in Form einer eigenen Android-App gestartet. Der neue Service für größere Unternehmen läuft in der herkömmlichen Whatsapp-Anwendung ab. Für die Firmen ist die Einrichtung der Schnittstelle sowie das Chatten mit den Kunden kostenlos.

Benachrichtigungen in Echtzeit ("Notifications") müssen allerdings nach Stückzahlen bezahlt werden. Laut "TechCrunch" fielen auch dann Kosten an, wenn Unternehmen länger als 24 Stunden benötigten, um ihren Kunden zu antworten. Zu den genauen Kosten machte das Unternehmen keine Angabe. "Whatsapp Business API" ist damit der erste kostenpflichtige Dienst der Facebook-Tochter nachdem die eigentliche App seit Jahren kostenfrei zur Verfügung gestellt wird.

Idema kündigte an, dass langfristig auch Werbeanzeigen im Whatsapp Status möglich sind. Mit dem Format hatte Whatsapp auf den Erfolg von Snapchat reagiert: Mit Whatsapp Status kannst man Texte, Fotos, Videos und animierte GIFs teilen, die nach 24 Stunden wieder verschwinden.

luk, dpa

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