06.08.2018  Online-Möbelhändler ändert Strategie

Warum Westwing drei Märkte aufgibt

Von
Delia Fischer, Mitgründerin von Westwing
Westwing
Delia Fischer, Mitgründerin von Westwing

Der Online-Möbelhändler Westwing kürzt: Er will seine Geschäfte in Brasilien, Russland und Kasachstan verkaufen. Der Fokus soll künftig nur noch auf europäischen Ländern liegen. Als Gründe für den Schritt nennt Westwing loyalere Kunden in Europa und "Synergien" für den Ausbau seiner E-Commerce-Plattform. Außerdem wolle man weiter profitabel wachsen, erklärt eine Sprecherin.

Damit entfernt sich das von Delia Fischer gegründete Westwing von seiner ursprünglichen Wachstumsstrategie. Ausladende Expansionen sind eigentlich beliebt bei Unternehmen, die von dem Berliner Investor Rocket Internet gegründet wurden. Dessen Chef Oliver Samwer hat so beispielsweise Start-ups wie den Kochboxen-Versender HelloFresh groß gemacht.

Häufig aber werden ineffiziente Strukturen aufgebaut, die viel Geld fressen. Zum Beispiel beschäftigen Rocket-Unternehmen häufig sehr viel Personal, was in der Vergangenheit immer wieder zu Kündigungswellen und Umstrukturierungen führte - so geschehen bei den Rocket-Start-ups Jumia, Nestpick, Helpling oder Wimdu.

Warum viele Rocket-Start-ups Geld verbrennen

Bei Westwing hat sich die Zahl der Angestellten ebenfalls deutlich reduziert. Im Jahr 2016 lag sie bei 1600, Ende 2017 waren es knapp 1400 Mitarbeiter. Nun, abzüglich der drei zu veräußernden Märkte, beziffert Westwing die Mitarbeiterzahl noch mit 1100. Dadurch dürfte das Unternehmen einiges an Geld sparen. Eine Sprecherin wollte das gegenüber manager-magazin.de nicht kommentieren.

Die Geschäftszahlen aus dem Jahr 2017 legen aber nahe, dass Anpassungen wünschenswert waren. Westwing schloss das Jahr mit einem Verlust ab und konnte seinen Umsatz nur um 6 Prozent auf 266 Millionen Euro steigern. Üblicherweise nehmen Investoren Verluste eines Start-ups in Kauf, solange die Beteiligung Marktanteile gewinnt. Aber auch die Zahl der aktiven Kunden wuchs kaum und lag weiter bei rund einer Million. Darunter fallen alle, die in den vorherigen zwölf Monaten mindestens ein Mal bei Westwing bestellt haben.

Kann ein Börsengang gelingen?

Aktuell scheint sich das Wachstum wieder besser zu entwickeln. Vom Unternehmen heißt es, im ersten Halbjahr habe man nach vorläufigen Zahlen den Umsatz um mehr als 20 Prozent gesteigert. Das dritte Quartal in Folge sei mit einem positiven bereinigten Ebitda beendet worden. Konkrete Zahlen nennt die Firma hierbei nicht. Die drei Ländermärkte, die zum Verkauf stehen, seien nicht einberechnet worden. Westwing hat jetzt noch 907.000 aktive Kunden.

Das Unternehmen sieht sich selbst auf einem "starken Wachstumspfad". Zur Finanzierung des Wachstums könnten Kapitalmarkttransaktionen gehören, heißt es.

Ein Börsengang könnte sich allerdings schwierig gestalten. Der Online-Möbelshop Home24 - ebenfalls von Rocket Internet gegründet - verkündete nur kurze Zeit nach seinem IPO deutlich schlechte Wachstumszahlen als geplant. Seither entwickelt sich die Aktie negativ.

Im Unterschied zu Westwing schreibt Home24 allerdings nach wie vor Verluste. Trimmen sich die Münchner weiter auf Profitabilität und halten sie das Wachstum, könnte sich womöglich eine Börsenstory vor Investoren doch noch verkaufen lassen.

Mehr zum Thema