30.11.2018 
Uber soll keinen Appetit auf Vier-Milliarden-Kauf von Deliveroo haben

Platzt eine der größten Tech-Wetten Europas?

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Ein Deliveroo-Fahrer in Berlin bei einem Protest gegen schlechte Arbeitsbedingungen
DPA
Ein Deliveroo-Fahrer in Berlin bei einem Protest gegen schlechte Arbeitsbedingungen

Deliveroo ist einer der Tech-Hoffnungsträger schlechthin in Europa. Investoren sehen in dem Essensliefer-Unternehmen aus London eines der wertvollsten Start-ups der Region. Doch von dem hohen Wert scheint nicht jeder überzeugt zu sein.

So sollen Übernahmeverhandlungen zwischen dem Mobilitätsriesen Uber und Deliveroo jetzt ins Stocken geraten sein, berichtet die "Financial Times" unter Berufung auf Insider. Der Grund? Während Deliveroo seinen Wert eher nahe der vier Milliarden US-Dollar sehe, wolle Uber weniger als zwei Milliarden für das Business zahlen. Weit auseinanderklaffende Vorstellungen. Auf Nachfrage wollten Uber und Deliveroo den Bericht nicht kommentieren.

Uber erzielt zwar keine Gewinne, hat aber tiefe Taschen: Bisher haben die Kalifornier laut der Datenbank "Crunchbase" mehr als 24 Milliarden US-Dollar von ihren Geldgebern erhalten. Dennoch scheint Uber Deliveroo nicht für jeden Preis kaufen zu wollen. Das Londoner Start-up schreibt ebenfalls Verluste: Im vergangenen Jahr sind sie um 37 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 185 Millionen Pfund gestiegen. Immerhin der Umsatz wuchs um 116 Prozent auf 227 Millionen Pfund.

Das Start-up der Gründer Greg Orlowski und William Shu bietet Restaurants ohne eigenen Lieferdienst Fahrer für den Service und passende Technologie an. Dafür kassiert das Unternehmen eine Provision. Aber das Geschäft ist kostspielig. Der oftmals niedrige Lohn der Fahrer frisst das verdiente Geld schnell wieder auf. Für die Idee hat Deliveroo trotzdem bisher 957 Millionen US-Dollar Wagniskapital erhalten. Ende 2017 waren laut Geschäftsbericht noch 345 Millionen Pfund (465 Millionen US-Dollar) Cash auf dem Konto.

Stetige Suche nach Kapital

Das ist eine ordentliche Reserve. Doch bei Verlusten in der Größenordnung hält sie nur begrenzte Zeit. Welche Optionen stellen sich dem Unternehmen also?

Die Übernahme durch einen kapitalstarken Strategen könnte eine angenehme Lösung mit langfristiger finanzieller Sicherheit sein. So hat es beispielsweise das deutsche Start-up Foodora gehandhabt, das bereits 2015 bei dem deutlich größeren Berliner Lieferportal Delivery Hero untergeschlüpft ist. Deliveroo soll sich laut einem Bericht bereits im Sommer 2016 nach Übernahmeinteressenten umgesehen haben. Auch für Uber wäre das Start-up eine passende Ergänzung des Angebots Uber Eats, das in einigen Ländern Essenslieferungen anbietet. Offenbar aber nicht passend genug, um vier Milliarden Dollar zu zahlen.


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Ein Kaufpreis von weniger als zwei Milliarden Dollar - Ubers Angebot laut "FT" - könnte Deliveroos Management aber kaum rechtfertigen. Immerhin ist nahezu eine Milliarde Dollar in das Unternehmen geflossen. Die Private-Equity-Firmen Fidelity und T Rowe Price dürften sich deutlich höhere Erträge ihrer Investition erhoffen.

Findet sich kein zahlungswilliger Käufer, könnte sich Deliveroo über weitere Finanzierungsrunden flüssig halten. Laut "Sky News" gibt es derzeit Gespräche über ein 400-Millionen-Dollar-Investment zu der gewünschten Vier-Milliarden-Bewertung.

"Unmöglich profitabel zu betreiben"

Das würde weiter Spielraum gewähren. Unklar bleibt aber, wie Deliveroo sich profitabel drehen und seine Finanzierung sichern will. Auf Nachfrage gibt das Start-up keine konkrete Auskunft. Es heißt nur, man habe seine Bruttomarge bereits deutlich verbessern können und "lege starke Grundlagen für künftigen Erfolg". Zudem wird das Umsatzwachstum 2017 betont. Zuletzt kürzte das Unternehmen seinen Dienst allerdings auch. In Deutschland wurden nur rund ein Jahr nach der Expansion zehn Städte wieder aufgegeben.

Wie hart der Markt ist, zeigt, dass Konkurrent Foodora in diesem Jahr ebenfalls Märkte einstellte und sich gleich aus vier Ländern zurückzog: Frankreich, Italien, den Niederlanden und Australien.

Einer, der sich mit dem Business auskennt, ist Jitse Groen. Sein Unternehmen Takeaway, das in Deutschland unter der Marke Lieferando bekannt ist, betreibt am Rande ebenfalls einen Lieferdienst ähnlich dem Prinzip von Foodora und Deliveroo. Groen macht das allerdings nicht aus der Überzeugung, dass das Geschäft lohnend sei. Die Kunden würden den Service erwarten, auch könne er so Restaurants ohne eigenen Lieferdienst auf seine Plattform bringen. Denn die sammelt Lieferservices und lässt Kunden online Essen bestellen. Aber es ist ein "sehr schlechtes Geschäftsmodell", so Groen, "unmöglich profitabel zu betreiben".

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