07.06.2018  Dara Khosrowshahi

Wie Uber im zweiten Anlauf Deutschland erobern will

Aus Berlin berichtet
Uber-Chef Dara Khosrowshahi
Getty Images for The New York Times
Uber-Chef Dara Khosrowshahi

Der US-Fahrdienstvermittler Uber setzt erneut zur Eroberung des europäischen Marktes an - und gibt sich geläutert. Statt als aggressiver Konkurrent der Taxibranche will sich Uber in Europa nun als integrative Mobilitätsplattform etablieren, die auf Elektromobilität setzt und mit den Städten zusammenarbeitet.

"Wir wollen den Leuten dabei helfen, von einem Ort zum nächsten zu kommen,", erläuterte Uber-CEO Dara Khosrowshahi das Konzept am Mittwoch auf einer Technologiekonferenz in Berlin. Neben Autos und Fahrrädern sollen dabei auch Fahrgemeinschaften, Taxis und künftig womöglich sogar auch der Zugverkehr in das Uber-Angebot integriert werden.

Uber wolle zu einer Mobilitätsplattform werden - zum "Amazon des Transportwesens", sagte er. "Für uns sind Autos das, was das Buch für Amazon war." Einen Anspruch, den auch die Daimler-Mobilitätsplatform moovel bereits vor Jahren angemeldet hatte - allerdings nicht wirklich aggressiv vorantrieb.

Uber will auch Elektroautos und Fahrräder in den Städten verteilen

Wie grün Uber sein kann, will der Konzern noch in diesem Jahr in Berlin beweisen. So will Uber Elektrofahrräder der von ihm übernommenen Bikesharingdienstes Jump noch 2018 in der Stadt verteilen. Und auch der Elektroauto-Service Uber Green soll in den nächsten Monaten starten. In London will Uber nach den Worten Khosrowshahis sogar seine ganze Flotte bis 2025 auf Elektromobilität umstellen.

Taxifahrer protestieren gegen Uber in Berlin
manager-magazin.de
Taxifahrer protestieren gegen Uber in Berlin

Und auch am Ausbeuterimage, mit dem sich Uber in Europa stetig konfrontiert sah, will der Konzern unter neuer Führung etwas tun - zumindest in Europa. So soll Beschäftigten in Europa über eine Kooperation mit dem französischen Versicherer Axa künftig kostenloser Versicherungsschutz angeboten werden, der auch Krankheit und Mutterschutz abdeckt, wie Khosrowshahi erläuterte.

Uber war unter Khosrowshahis Vorgänger Travis Kalanick unter anderem wegen der aggressiven Expansionspolitik, sexueller Belästigung und einem Datenskandal in den Schlagzeilen gelandet. In Deutschland hatten Taxizentralen aus mehreren Großstädten gegen das auf private Fahrer setzende Angebot geklagt, weil die Fahrer und Uber keine Genehmigung zur Personenbeförderung hatten.

"Wir hatten einen sehr schlechten Start in Deutschland"

Auch am Mittwoch demonstrierten wieder rund 40 Taxifahrer vor dem Berliner Tempodrom, wo der Uber Chef seine Pläne auf einer Tech-Konferenz vorstellte.

"Wir hatten einen sehr schlechten Start in Deutschland", sagte Khosrowshahi bereits am Dienstag. Nun gehe es darum, das Geschäft "richtig" aufzubauen.

Dafür ist Europa - und insbesondere der deutsche Markt, schon aufgrund seiner schieren Größe - enorm wichtig. Aus China und weiten Teilen Südostasiens hatte sich Uber zuletzt weitgehend zurückgezogen und Konkurrenten wie Didi Chuxing und Grab den Markt überlassen.

Bei seiner Neuausrichtung will sich Uber künftig den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten anpassen und eng mit den Städten zusammenarbeiten, betonte Khosrowshahi. "Wir werden die Sensibilitäten der einzelnen Städte ernst nehmen", beteuerte er. Ein One-Size-Fits-all-Modell funktioniere hier nicht.

Völlig kritiklos an der deutschen Regulierungspolitik blieb der gebürtige Iraner Khosrowshahi dann aber doch nicht. Die sogenannte Rückkehrpflicht, die Fahrdienste im Gegensatz zu Taxis zur Rückkehr an ihren Startpunkt verpflichtet, bevor sie neue Fahrgäste aufnehmen können, sei "totale Treibstoffverschweundung" kritisierte der Uber CEO.

Ein Kritikpunkt, den er mit vielen anderen Fahrdienstanbietern teilt. Anders als sein Vorgänger Kalanick gab sich Khosrowshahi aber geduldig. "Man kann Wandel nicht über Nacht erwarten", sagte er.

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