29.03.2018 
Softbank strebt Milliardendeal mit Rückversicherer an

Masayoshi Son will ein Viertel der Swiss Re

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 Masayoshi Son: Der Softbank-Chef sieht offenbar gute Gründe, Technologie, Internet und Versicherungswirtschaft eng miteinander zu verknüpfen
REUTERS
Masayoshi Son: Der Softbank-Chef sieht offenbar gute Gründe, Technologie, Internet und Versicherungswirtschaft eng miteinander zu verknüpfen

Schon länger buhlt Softbank-Chef Masayoshi Son um die Swiss Re. Nun nehmen die Pläne des japanischen Technologiekonzerns für einen möglichen Einstieg bei dem weltweit zweigrößten Rückversicherer Gestalt an.

Einem Bloomberg-Bericht zufolge streben die Japaner einen Anteil von 25 Prozent für umgerechnet 9,6 Milliarden US-Dollar an dem Schweizer Versicherer an. Son sei bereit, 100 bis 105 Schweizer Franken je Aktie zu zahlen. Das entspräche einem Aufschlag von bis zu 16 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom 7. Februar - kurz darauf hatten die Schweizer einen Bericht des "Wall Street Journal" über Gespräche der beider Unternehmen bestätigt.

Allerdings seien die Bedingungen für einen möglichen Einstieg noch nicht endgültig geklärt. Die Verhandlungen könnten auch ohne Ergebnis verlaufen, berichtet Bloomberg Insiderkreise.

Swiss Re hatte früheren Berichten zufolge eine Kapitalerhöhung abgelehnt. Beobachter interpretierten dies als Hinweis, dass der Rückversicherer keine reine Finanzbeteiligung wünsche und es ohne strategischen Vorteil nicht zu einem Deal kommen werde.

Eine mögliche Win-Win-Situation könnte für beide Unternehmen nach Einschätzung von Experten wie folgt aussehen: Erstens bekäme die Swiss Re einen ernst zu nehmenden Anker-Aktionär, der ihr bislang fehlt. Swiss-Re-Chef Christian Mumenthaler selbst erklärte unlängst: In einem Geschäft, in dem sich die Ergebnisse von Jahr zu Jahr radikal ändern könnten, sei "es nicht schlecht, einen Anker-Aktionär zu haben".

Swiss Re würde einen Anker-Aktionär begrüßen

Dabei dürfte Mumenthaler nicht die unberechenbaren Naturkatastrophen gemeint haben - das ist nun einmal das Geschäft eines Rückversicherers, und die Swiss Re gilt trotz zuletzt erheblicher Schadenslasten als sehr gut kapitalisiert. Vielmehr wirbeln derzeit Übernahmen und große Deals die 500 Milliarden Dollar schwere Branche der Rückversicherer auf. Da kann es nicht verkehrt sein, einen Anker-Aktionär an seiner Seite zu haben.

Zweitens dürften die Schweizer über die sehr guten Kontakte zu und Beteiligungen von Softbank an anderen Konzernen in Asien auf neue Geschäfte und neue Vertriebswege hoffen.

Softbank wiederum könnte sein technologielastiges Beteiligungsportfolio auf breitere Beine stellen und mit dem gesicherten Cashflow aus dem Versicherungsgeschäft zum einen seinen Wachstumskurs mitfinanzieren und zum anderen damit weniger anfällig machen. Auch Starinvestor Warren Buffett hatte bei seiner Wachstumsstrategie auf den regelmäßigen Geldfluss über seine Versicherungsbeteiligungen gesetzt.

Softbank könnte den Datenschatz der Schweizer heben

Zugleich aber - und das gilt unter Experten als weiteres Argument für eine Verbindung eines Technologie- und eines Versicherungskonzern - könnte Son den bislang kaum genutzten "Datenschatz" seines potentiellen Partners heben.

Will sagen: Rückversicherer verfügen über eine enorme Menge bislang ungenutzter aber wertvoller Daten. Verknüpft mit Zukunftstechnologien, in die Son stark investiert, ließen sich die Daten durch die Erfahrung und das Portfolio von Softbank besser verwerten und in neue, gemeinsame Geschäftsmodelle einbringen, hatten unlängst bereits Analysten der Deutschen Bank als plausible Gründe für eine enge Verzahnung der beiden Konzerne benannt.

Darüber hinaus stellen Cyberkriminalität und autonom fahrende Autos die Versicherer künftig vor große Herausforderungen, die eine Zusammenführung des jeweils spezifischen Knowhow eines Technologie- und eines Versicherungskonzerns sinnvoll erscheinen lassen.

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