03.08.2018 
Masayoshi Son

Investment-Gigant verhandelt mit Berliner Start-up

Von
Masayoshi Son, Chef des mächtigen Tech-Investors Softbank
REUTERS
Masayoshi Son, Chef des mächtigen Tech-Investors Softbank

Der japanische Investment-Riese Softbank soll aktuell mit einem Berliner Start-up über eine Finanzierung verhandeln. Es geht um eine dreistellige Millionensumme, die in das Versicherungsunternehmen Wefox fließen soll. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, sind allerdings weitere Investoren in Gesprächen mit dem Start-up. Die Beteiligten kommentierten den Bericht nicht.

Wefox betreibt eine digitale Plattform, die Versicherer, Broker und Kunden verbindet. So können online Policen gewechselt sowie Ansprüche bearbeitet werden.

Softbank-Gründer Masayoshi Son hatte in der Vergangenheit geäußert, dass besonders sogenannte Insurtech-Startups - also junge Technologie-Unternehmen, die sich mit Versicherungen beschäftigen - interessant für ihn seien. Er hofft darauf, die Produkte solcher Start-ups über andere Firmen in seinem Portfolio vertreiben zu können. Zu seinen Beteiligungen zählen der Taxidienst Uber und der Coworking-Anbieter WeWork. Beide sind mit zahlreichen Milliarden Dollar bewertet.

In Deutschland hat Softbank bisher nur in ein Unternehmen Kapital gesteckt: die Gebrauchtwagen-Plattform Auto1.

Softbank investiert über den "Vision Fund", in dem 100 Milliarden US-Dollar stecken. Damit ist Softbank der größte Private-Equity-Investor weltweit. Kürzlich versuchte Masayoshi Chef Son mit acht bis zehn Milliarden Dollar bei der Rückerversicherung Swiss Re einzusteigen. Der Deal scheiterte allerdings.

Der Investment-Gigant ist bereits an verschiedenen Versicherungs-Start-ups beteiligt, so auch dem US-amerikanischen Unternehmen Lemonade. Das Unternehmen lieferte sich zuletzt eine öffentliche Auseinandersetzung mit einem seiner Wettbewerber - eben der Berliner Wefox.

Wefox von US-Wettbewerber angezeigt

Lemonade-Chef Daniel Schreiber beschuldigte Wefox unter anderem, das Design von Lemonade kopiert zu haben. Konkret gehen die Vorwürfe gegen das zur Wefox-Gruppe gehörende Unternehmen "One", das Hausrats- und Haftpflichtversicherungen anbietet und an dem der bekannte Hollywood-Schauspieler Ashton Kutcher beteiligt ist.

Schreiber gibt an, er habe mehrfach versucht, die Probleme mit Wefox-Gründer Julian Teicke zu klären - allerdings ohne Erfolg. Also zeigte er die Konkurrenz an: wegen Urheberrechtsverletzung, Verstößen gegen das Computerbetrugsgesetz und wegen Vertragsbruchs.

Nun lenkt Teicke ein. Wie er auf LinkedIn schreibt, werde er ein neues Design der App, Webseite und des Marketingmaterials von "One" in die Wege leiten. Er erkenne an, dass es Lemonades Sicht sei, dass Wefox "teilweise Grenzen überschritten" habe. Als Zugeständnis will er das allerdings nicht verstanden wissen. "Es ist lediglich eine Anerkennung, dass Lemonade eine bestimmte Perspektive hat und wir eine pragmatische Lösung anstreben - ohne, dass Anwälte die einzigen Gewinner dieser unterschiedlichen Perspektiven sind", schreibt er in einer Mail an manager-magazin.de.

Eines aber steht fest: Für Teicke geht es gerade um Millionen. Da kann er so kurz vor einer Finanzierungsrunde keine Klage gebrauchen.

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