30.08.2018 
Aktie gerät unter Druck

CEO Greg Ellis will Scout24 überraschend verlassen

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Greg Ellis ist seit 2014 Chef von Scout24
Scout 24
Greg Ellis ist seit 2014 Chef von Scout24

Der Schritt ist unerwartet: CEO Greg Ellis plant, sein Unternehmen Scout24 verlassen. Ellis verhandle bereits mit dem Aufsichtsrat über ein mögliches Ausscheiden, hieß es vom Unternehmen am Mittwochabend. Jetzt muss der Internetportalbetreiber einen Nachfolger finden.

Die Unsicherheit über die künftige Konzernführung belastet den Aktienkurs. Der Wert knickte auf die Nachricht hin am Donnerstagmorgen ein und verlor zu Beginn mehr als 7 Prozent.

Von Scout24 hieß es, Ellis wolle aus persönlichen Gründen das Amt niederlegen. Weitere Details nennt das Unternehmen nicht: Ob, wann und zu welchen Konditionen eine Vereinbarung mit Ellis zustande komme, sei offen. Wie manager-magazin.de aus Unternehmenskreisen erfahren hat, soll der CEO in den vergangenen Jahren stets nach Australien zu seiner Familie gependelt sein. Ellis war Anfang 2014 von dem neuen Scout24-Eigentümer Hellmann & Friedman an Bord geholt worden. Die Private-Equity-Gesellschaft hatte Scout24 dann an die Börse gebracht und vor einem halben Jahr ihre letzten Aktien veräußert. Ob nun auch Ellis seine Anteile verkaufen wird, kommentiert Scout24 auf Nachfrage nicht: Solche Aspekte seien Gegenstand der Verhandlungen mit dem Aufsichtsrat. 99,03 Prozent der Aktien befinden sich mittlerweile im Streubesitz.


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Der Manager führt das Unternehmen seit März 2014. Zusammen mit Finanzchef Christian Gisy bildet er den zweiköpfigen Vorstand. Mit Ellis würde Scout24 einen Chef mit langjähriger Erfahrung im Online- und Mediengeschäft verlieren. Noch Mitte August hatte er solide Halbjahreszahlen präsentiert. Der Umsatz war um 9,7 Prozent auf 251 Millionen Euro gestiegen, die Ebitda-Marge verbesserte sich um 1,6 Prozentpunkte auf 55,3 Prozent.

Scout24 ist vor allem für seine Onlineportale Immobilienscout24 und Autoscout24 bekannt. Mit seinem Immobilienportal verdient das Unternehmen nach wie vor den Großteil seines Geldes. Zuletzt setzte das Unternehmen außerdem auf Zukäufe und ist in den Vergleich von Verbraucherkrediten eingestiegen. Für 285 Millionen Euro kaufte der Onlineportalbetreiber die Seite Finanzcheck.de. Ellis hatte sich davon vor allem Synergien für das Auto- und Immobiliengeschäft versprochen.

Die im MDax notierte Aktie lief bislang sehr erfolgreich und gehört zu den großen Index-Gewinnern - fast 30 Prozent hat das Papier im Jahresverlauf zugelegt. Derzeit ist Scout24 am Markt mit etwa 4,7 Milliarden Euro bewertet.

Die US-Bank JPMorgan hat das Unternehmen nach der Ankündigung des Weggangs von Ellis auf "Neutral" belassen. Das Geschäftsmodell des Portalbetreibers sei stark, aber die Aktie sei teuer, schrieb Analyst Marcus Diebel.

Mit Material von dpa-afxp

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