12.09.2018 
Home24 rechnet mit schlechterer Profitabilität

Mühsame Zeiten für Rockets Möbelshop Home24

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Die Home24-Vorstände Johannes Schaback, Marc Appelhoff, Christoph Cordes und Philipp Kreibohm (v.l.)
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Die Home24-Vorstände Johannes Schaback, Marc Appelhoff, Christoph Cordes und Philipp Kreibohm (v.l.)

Das Umsatzwachstum unter den Prognosen, den Verlust vergrößert, das Profitabilitätsziel für das Gesamtjahr kassiert: Der Rocket Internet-Spross Home24 kommt auch nach dem Börsengang nicht richtig in Fahrt. Hohe Marketing-Kosten drücken - ach, und der heiße Sommer sei auch ein Problem gewesen.

Der Online-Möbelshop Home24 hebt nicht ab. Das Unternehmen, das 2009 in Berlin von dem Investor Rocket Internet gegründet wurde, gehört zu den jungen Technologie-Hoffnungen an der deutschen Börse. Der neue Halbjahresbericht zeigt aber, welche Probleme das Geschäft noch hat.

So liegt das Wachstum deutlich unter den Prognosen. Home24 steigerte im ersten Halbjahr 2018 den Umsatz um 14 Prozent auf 151 Millionen Euro im Vergleich zu den ersten sechs Monaten 2017. Für das gesamte Jahr hatte das Unternehmen aber das Ziel von 30 Prozent ausgegeben. Als Grund nennt Home24 das warme Wetter, das für geringere Nachfrage gesorgt habe.

Gleichzeitig schaffte es der Möbelversender nicht, sein Ergebnis zu verbessern: Die angepasste Ebitda-Marge lag wie auch in den ersten sechs Monaten 2017 bei minus 9 Prozent.

Home24 konnte zwar neue Kunden gewinnen und die Zahl um 20 Prozent auf 1,16 Millionen erhöhen. Doch dafür musste das Unternehmen auch mehr Geld ausgeben: Die Kosten für das Marketing stiegen um 35 Prozent auf 29,5 Millionen Euro. Vor allem dadurch sei der Verlust von 11,9 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2017 auf nun 13,9 Millionen Euro angewachsen, heißt es im Bericht. Ein weiteres Problem: Im Schnitt geben die Einkäufer weniger als zuvor aus.


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Noch im Mai hatte Home24-Vorstand Marc Appelhoff versprochen: "Wir verbessern unsere Profitabilität von Quartal zu Quartal. Damit sind wir auf einem guten Weg, mittelfristig die Gewinnschwelle zu erreichen." Jetzt heißt es im aktuellen Bericht, die Profitabilität werde 2018 im Vergleich zum Vorjahr abnehmen - "wegen weiterer Investments in Wachstum". Bis Ende 2019 wolle man allerdings nach wie vor die Gewinnschwelle erreichen.

Rocket-Firmen verschieben Gewinnaussichten

Durch den Börsengang Mitte Juni verfügt das Unternehmen immerhin über ausreichend Geld, um die Verspätung auszuhalten: Auf dem Konto liegen etwa 133 Millionen Euro, im Vorjahr waren es nur knapp 21 Millionen.

Anleger quittierten die Zahlen mit Verkäufen. Auf Tradegate fiel der Kurs der Aktie bis 10.15 Uhr um 4,8 Prozent und lag mit 22,09 Euro weit unter der Erstnotiz von 28,50 Euro.

Home24 ist nicht das einzige Start-up aus dem Portfolio von Rocket Internet, dass kurz nach dem Börsengang seine Gewinnziele verschoben hat. Anfang August verkündete das Lieferdienstportal Delivery Hero, nun doch später als geplant schwarze Zahlen zu schreiben. Der Kochboxenversender HelloFresh schloss sich wenige Tage später an. Beide Start-ups begründen die Vertagung mit weiteren Investitionen in das Wachstum.

Rocket Internet soll derweil überlegen, seinen zweiten Möbelversender Westwing bald an die Börse zu bringen. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider. Das Münchner Start-up gab kürzlich bekannt, drei Märkte zu verlassen und sich nur noch auf Europa zu konzentrieren. In den vergangenen zwei Jahren baute Gründerin Delia Fischer außerdem zahlreiche Stellen ab. Die Kürzungen scheinen wirksam gewesen zu sein: Ohne konkrete Zahlen zu nennen, will Westwing das dritte Quartal in Folge mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen haben. Allerdings wird auch Home24 gut performen müssen, um den Weg für Westwing an die Börse zu ebnen.

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