30.11.2018 
Rocket Internet

Rockets Kapitalpolster üppig - dank der Börsengänge

Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer: "Börsennotierung bringt uns Vorteile"
DPA
Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer: "Börsennotierung bringt uns Vorteile"

Die Start-up-Fabrik Rocket Internet sitzt nach den Börsengängen einiger wichtiger Beteiligungen auf einem üppigen Finanzpolster von gut zwei Milliarden Euro. Mit einem größeren Investment will sich Vorstandschef Oliver Samwer jedoch weiter Zeit lassen, er wartet auf die richtige Gelegenheit. Die habe sich bislang noch nicht geboten, deutete er am zur Vorlage der Zwischenbilanz in einer Telefonkonferenz am Freitag an. "Kurzfristig ist nichts geplant."

Die Kursturbulenzen an den Aktienmärkten bescherten Rocket Internet unterdessen Bewertungsverluste der Beteiligungen im dritten Quartal. Rocket Internet wies deswegen für die ersten neun Monate einen Konzerngewinn von 296 Millionen (Vorjahr: minus 44 Mio) Euro aus, nachdem bereits im ersten Halbjahr hier 297 Millionen Euro zu Buche gestanden hatten. An der Börse bröckelten die anfänglichen Gewinne schnell wieder ab, die Aktie drehte zuletzt ins Minus.

Rocket Beteiligungen arbeiten weiterhin nicht profitabel

Dennoch gibt sich Samwer "sehr zufrieden" mit dem bisherigen Jahresverlauf. Die wichtigsten Beteiligungen des Unternehmens kommen nach den ersten neun Monaten auf ein Erlösplus und konnten ihre Margen überwiegend verbessern - arbeiten jedoch weiterhin nicht profitabel.

Zu Rockets wichtigsten Beteiligungen gehören etwa der Kochboxenversender Hellofresh und die in der Gobal Fashion Group (GFG) zusammengefassten Modeunternehmen. Die afrikanische E-Commerce-Plattform Jumia konnte auch dank deutlich mehr Kunden ebenfalls zulegen.

Rocket Internet gründet Firmen und investiert in junge Unternehmen. Die aus der Sicht des Managements vielversprechendsten wurden bislang an die Börse gebracht: Nach Zalando, der inzwischen zu Europas größtem Modehändler anvanciert ist, sind nun auch die beiden Online-Möbelhändler Home24 , Westwing , Hellofresh und der Essenslieferant Delivery Hero aktiennotiert.

Westwing-Börsengang spielte 122 Millionen Euro ein

Allein der im vergangenen Monat erfolgte Börsengang von Westwing spielte 122 Millionen Euro ein. Medienberichten zufolge bereitet sich als nächstes die Global Fashion Group auf ihr Börsendebut im kommenden Frühjahr vor. Samwer lehnte hierzu einen Kommentar ab. Die GFG-Unternehmen sind ausschließlich in Wachstumsmärkten wie Osteuropa, Asien und Brasilien tätig.

Rocket Internet hatte zuletzt bei der Suche nach neuen Startups auch andere Bereiche ins Auge gefasst, etwa Fintechs, Software-Unternehmen oder Firmen, die sich mit künstlicher Intelligenz befassen. Ein neues vielversprechendes Unternehmen habe sich bislang aber noch nicht gefunden. Die neuen Unternehmen hätten noch nicht die notwendige kritische Masse erreicht, so Samwer.

Kurspflege durch Aktienrückkäufe

Seine gute Kapitalausstattung hat Rocket Internet in den vergangenen Monaten deshalb für Aktienrückkäufe verwendet. Vor zwei Monaten hatte das Unternehmen angekündigt, bis September kommenden Jahres eigene Aktien im Wert bis maximal 150 Millionen Euro zurückzukaufen. Bis zum 23. November waren bereits Papiere im Wert von gut 46 Millionen Euro zurückgekauft.

Kurs seit IPO fast halbiert - Samwer: "Börsennotierung bringt uns Vorteile"

Rocket Internet profitiert nach Einschätzung von Firmenchef Oliver Samwer immer noch von dem Börsengang. "Unter dem Strich sehe ich weiterhin Vorteile durch unsere Börsennotierung", sagte er am Freitag zu Journalisten. Rocket Internet habe dadurch Zugriff auf verschiedene Kapitalquellen.

Das Berliner Unternehmen, das inzwischen im MDAX notiert ist, versteht sich zum einen als eine Art Inkubator, der ganz jungen Startups mit Geld und Wissen unter die Arme greift und zum anderen als Investor in bereits größere Firmen.

Rocket war im Oktober 2014 zu einem Ausgabekurs von 42,50 Euro an die Börse gegangen, erreichte diesen Preis seit Juni 2015 aber nicht mehr. Am Freitagvormittag lag die Aktie kaum verändert bei 23,46 Euro.

la/dpa/reuters

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