29.01.2019 
Fantastische Unternehmenswerte im Silicon Valley

Stößt der Start-up-Hype an seine Grenzen?

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Ist der Unicorn-Hype kurz vor dem Platzen?
DPA
Ist der Unicorn-Hype kurz vor dem Platzen?

Die Rekordmeldungen im Silicon Valley scheinen nicht abzureißen. Jahr für Jahr pumpen Investoren immer mehr Geld in Start-ups. Zunehmend steigen die Tech-Unternehmen zu Unicorns auf, werden also mit mindestens einer Milliarde Dollar bewertet. Außerdem sammeln die Fonds bedeutende Summen für ihre Investitionen ein.

Der Trend aber könnte bald empfindlich gedämpft werden. Gerade im Silicon Valley bekommt die Branche derzeit einen Vorgeschmack auf ein abkühlendes Investmentklima. Vor wenigen Tagen schloss das Essensliefer-Start-up Munchery, in das 125 Millionen US-Dollar geflossen waren. Elon Musks Raumfahrtfirma SpaceX kündigte eine Entlassungswelle an und der japanische Tech-Riese SoftBank zog ein 16-Milliarden-Investment in den Co-Working-Anbieter WeWork zurück. Die E-Scooter-Firmen Lime und Bird müssen wohl klar niedrigere Bewertungen hinnehmen als geplant; Ford stellte seinen Ride-Sharing-Anbieter Chariot gleich ganz ein. "Eine Spritze Realismus" für den hemmungslosen Optimismus der Branche, sagte Investor Sunny Dhillon zum "Wall Street Journal" (WSJ).

Wagniskapitalgeber haben mit viel Kapital in den vergangenen Jahren großes Wachstum der Start-ups befeuert und dabei hohe Verluste in Kauf genommen. Die Logik: The winner takes it all. Wird das Unternehmen nur schnell groß genug, setzt es sich gegen andere Wettbewerber durch und wird das nächste große Ding.

Wenn Investmentgelder knapper werden, wird sich allerdings erst zeigen, welche der Geschäftsmodelle sich überhaupt tragen können. Ein Problem für viele Start-ups dürfte die verschwenderische Kultur sein, mit der sie Mitarbeiter ködern. Schicke Büros, teure Partyreisen und ausgesuchtes Gratis-Essen rund um die Uhr sind in vielen Jungunternehmen im Silicon Valley nicht weniger als Standard.

Investoren befürchten, ausgetrickst zu werden

Doch Geldgeber scheinen nicht mehr sämtliche Prassereien durchfinanzieren zu wollen. Dass sich die Haltung ändere, bestätigte auch Investor Josh Wolfe dem "WSJ": Die Angst, etwas zu verpassen ("Fear of missing out"), weiche der Angst, hereingelegt zu werden.

Den Druck spüren selbst renommierte Persönlichkeiten im Valley. So bemüht sich Alex Karp - Chef der Datenanalysefirma Palantir - um einen Kulturwechsel in seinem Unternehmen. Seine Mitarbeiter gelten als herablassend gegenüber Kunden und als verwöhnt. Bei Palantir soll es dreizehngängige Lunch-Menüs mit Hummer und Sashimi gegeben haben. Im letzten Moment noch Business-Class-Flüge zu buchen, sei ebenfalls üblich gewesen, so das "WSJ". Dabei hat Palantir in den 14 Jahren seines Bestehens noch nie Gewinn geschrieben. Etwas, dass Karp jetzt eilig ändern will - auch, um es bald profitabel an die Börse zu schaffen.

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