07.08.2018 
New Yorker Hype-Firma "Peloton"

Mit Heimtrainern zur Vier-Milliarden-Firma

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Das Rad von Peloton mit großem Bildschirm
Peloton
Das Rad von Peloton mit großem Bildschirm

Viel Geld kosten die Trainingsgeräte von John Foley. Trotzdem hat der Gründer damit in den USA Kultstatus erreicht. Jetzt bringt er die Spinning-Räder von "Peloton" auch nach Europa. Kann das funktionieren?

Der Hippness-Faktor eines Standfahrrads hält sich in Grenzen. Sperrig, hässlich und klapprig sind die Geräte für Zuhause, häufig verstauben sie irgendwann in einer Abstellkammer.

Trotzdem ist es John Foley gelungen, mit Standrädern ein Unternehmen aufzubauen, das vier Milliarden Dollar wert ist. Erst vor wenigen Tagen haben Investoren wie die Private-Equity-Firma TCV, die durch Beteiligungen an Facebook, Spotify und Netflix bekannt ist, 550 Millionen Dollar in "Peloton" gesteckt. Schon kommendes Jahr könnte das 2012 gegründete Start-up an die Börse gehen.

Gründer Foley hat den alten Heimtrainer so cool gemacht, dass Kunden bereit sind, mindestens 2000 US-Dollar für das moderne Ergometer mit dem großen Touchscreen hinzublättern. Er hat mit seiner Entwicklung den richtigen Zeitgeist erwischt. Der Fitnessmarkt umfasst allein in den USA ein Volumen von 31 Milliarden Dollar.

Die deutsche Fitnessbranche setzte laut einer Deloitte-Studie vergangenes Jahr immerhin 5,2 Milliarden Euro um, Tendenz steigend. Dabei werden die Angebote immer vernetzter, persönlicher und können überall genutzt werden. Fitness-Apps wie Freeletics oder Runtastic erlebten so einen Zustrom von Nutzern. Accessoires wie das Armband Fitbit oder die Apple-Watch, die den Puls, Schritte oder Kalorienverbrauch ihrer Träger messen, boomten eine Zeit lang.

"Der ganze Markt ist im Umbruch", sagt David Kuczek, General Partner bei dem Berliner Investor Holtzbrinck Ventures. "Es wird viel entwickelt, was über den klassischen Fitnessstudio-Besuch hinausgeht - und Peloton hat es geschafft, seine Kunden zu Hause abzuholen."

Nicht nur das Peloton-Rad ist teuer

Für sein Rad hat sich Foley eine Menge Funktionen ausgedacht, um den neuen Ansprüchen gerecht zu werden. Über den Bildschirm können sich die Nutzer bei Live-Kursen im New Yorker Peloton-Studio einwählen. Ihnen wird angezeigt, wie viel Widerstand sie wann einstellen und wie schnell sie treten müssen. Die präzisen Angaben lassen keinen Raum dafür, sich selbst zu beschwindeln. Wer will, kann sich mit der Leistung anderer Teilnehmer vergleichen lassen. Dafür gibt es eine Rangliste. Die Trainerinnen und Trainer sehen die Namen und die Performance der Teilnehmer und können sie so direkt ansprechen.

Wer nicht live teilnehmen möchte, kann die aufgezeichneten Kurse aufrufen. Außerdem gibt es kurze Programme, um verschiedene Muskelgruppen ohne Rad zu trainieren. Auf einer Übersichtsseite sehen die Nutzer, wie oft und wann sie trainiert haben - und was ihr Rekord ist.

Dieses Angebot wiederum macht Foley ebenfalls zu Geld. Pro Monat kostet das Streaming der Kurse 39 US-Dollar. Der Unternehmer verdient also nicht nur einmalig an einem verkauften Rad, sondern auch an der monatlichen Abo-Gebühr. Daneben gibt es noch eine App mit Kursen, die jeder mit seinem eigenen Smartphone und Ergometer für 19,50 Dollar monatlich nutzen kann. Natürlich verkauft Peloton noch Spinning-Schuhe, kleine Hanteln, Matten und anderes Zubehör wie Kopfhörer mit seiner Marke darauf.

Mit dieser Palette will Foley 700 Millionen Dollar Umsatz im aktuellen Geschäftsjahr erwirtschaften. Damit würde sich der Umsatz von Peloton erneut verdoppeln.

Warum aber sind so viele Kunden dazu bereit, mindestens 2000 US-Dollar für ein Sportgerät auszugeben? Foley selbst bezeichnet den Preis als "verrückt". Seiner Meinung nach aber biete niemand sonst so viele Funktionen.

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