07.08.2018 
New Yorker Hype-Firma "Peloton"

Mit Heimtrainern zur Vier-Milliarden-Firma

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Das Rad von Peloton mit großem Bildschirm
Peloton
Das Rad von Peloton mit großem Bildschirm

2. Teil: Kann die Expansion gelingen?

Eine andere Erklärung sind die Preise von Sportkursen in US-amerikanischen Großstädten. Eine Runde Yoga oder Spinning kostet in New York, Boston oder Los Angeles schnell 35 US-Dollar. Wer viel Sport macht, für den könnte sich das Rad sogar lohnen.

"Die Zahlungsbereitschaft für Abonnements ist signifikant höher als in Europa", sagt Investor Filip Dames des Berliner Risikokapitalgebers Cherry VC. Daher seien die USA der ideale Markt für das Geschäftsmodell. Einen Grund für den Erfolg sieht er in dem gesamten Paket: "Das bietet Abwechslung und hält Kunden aktiv, daher kommt auch die Bezeichnung "Netflix of Fitness" für Peloton."

Aktiv hält die Nutzer auch der soziale Aspekt: Mit ihrem Konto können sie anderen folgen und ihre eigenen Fortschritte teilen. Das geht so weit, dass die Sportler sehen können, wie viele Kalorien jemand anders verbrennt. Der Wettbewerb scheint anzuspornen - das Prinzip hat sich bereits bei anderen Sport-Apps bewährt.

Das Unternehmen hat nun verkündet, im Herbst nach Kanada und Europa zu expandieren. Hier startet Peloton zunächst in Großbritannien. Ob es die Spinning-Räder bald in Deutschland gibt, ist noch offen. Dames sieht Potenzial: Er glaubt, die Zahlungsbereitschaft der Kunden ändere sich derzeit.

Im Schnitt zahlt ein Fitnessstudiomitglied hier laut Deloitte allerdings nur 44 Euro monatlich. Doch auch Experte Kuczek meint: "Ich denke, es gibt genug Menschen in Deutschland, die ausreichend Geld haben, um sich so ein Gerät für ihr Zuhause zu leisten." Zwar würden neue Angebote in Deutschland meist weniger schnell angenommen als in den USA. "Aber wenn es dort funktioniert, wüsste ich nicht, warum es hier anders sein sollte."

Bei dem Rad soll es nicht bleiben: Teurere Geräte geplant

In den USA zeigt sich, dass längst nicht nur Privatleute die Spinning-Räder kaufen. Auch Hotels stellen sie für ihre Gäste auf, selbst manche Fitnessstudios kaufen Exemplare für ihre Mitglieder.

Bei den Rädern soll es allerdings nicht bleiben. Peloton-Gründer Foley will im Herbst dieses Jahres sein zweites smartes Trainingsgerät auf den Markt bringen: ein Laufband. Der Preis beträgt fast 4000 US-Dollar. Der Unternehmer argumentiert, Laufbänder seien eben komplexere Produkte als Räder.

In seiner Vision für die nächsten zehn Jahre ist das Rad auch nur eins von zahlreichen Produkten, die Peloton liefern will. "Ich nenne es 'fitness as a service'", so Foley in einem Interview. "Jeder wird 100 bis 200 US-Dollar monatlich zahlen, um die beste Fitnessausrüstung bei sich zu Hause stehen zu haben." Egal, welche Geräte der Kunde dann zu Hause habe: "Wir rüsten nach. Wir kommen vorbei und tauschen das Equipment gegen das neueste Rad oder das modernste Laufband."

Eine Lösung, die wohl nur für Wohlhabende und Haushalte mit viel Platz infrage kommt. Auch gibt es bereits eine Menge Alternativen zu dem Rad von Peloton, welches das Geschäft noch einige Zeit lang befeuern muss. Einerseits beliebte Studios in den USA wie SoulCycle, die ausschließlich Spinning anbieten. Andererseits Unternehmen wie die Fitnessfirma Flywheel, die im November 2017 einen Heimtrainer mit Streaming-Option auf den Markt brachte. "Fly Anywhere" kostet 1699 Dollar, das Abo 39 Dollar monatlich.

Investor Kuczek glaubt dennoch, dass das 2012 gegründete Peloton einen wichtigen Vorsprung hat. "Die Hardware musste entwickelt werden, was viel Kapital und Aufwand gekostet hat, ebenso die digitalen Inhalte. Dann muss das Unternehmen die Räder zurücknehmen und reparieren, sollte etwas kaputt gehen, was komplex ist", sagt er. "Das alles sind Hemmer für neue Marktteilnehmer." Womöglich ist also genug Zeit für Peloton, bevor Kopien den Markt fluten.

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